Zwischen Keynes und Klicks: Wie Narrative die EU spalten MMT, Märchen & Machtspiele: Deutschlands Rolle im Feuer

„Wer schießt auf Europa? Eine Anatomie der Narrative“

„Von Erhard bis MMT: Warum einfache Antworten gefährlich sind

Du sprichst ein spannendes Feld an – die gezielten Narrative gegen EU und speziell gegen Deutschland (Exportmodell, Lohnstruktur, Trump-Zölle, China bricht weg). Das wirkt auf den ersten Blick wie ein bunter Strauß an Kritikpunkten, dahinter stecken aber bestimmte Doktrinen und Incentives, die sich ziemlich klar clustern lassen:


1. Grundmuster der Doktrinen

  • Linke Globalisierungskritik (traditionell, aber abgeschwächt):
    • „Deutschland zerstört durch Lohndumping und Exportüberschüsse den Süden Europas.“
    • Betonung auf Ungleichgewichten im Euro-Raum, angeblich deutsche Dominanz, Ausbeutung von Griechenland, Italien usw.
    • Oft ideologisch gespeist von post-keynesianischen Argumenten (Streeck, Flassbeck, Varoufakis).
    • Teilweise berechtigt (Ungleichgewichte sind real), aber oft verkürzt: Löhne sind nicht bewusst gedrückt worden, sondern Resultat aus Agenda 2010 + Produktivitätsvorsprung.
  • Rechts- bis rechtspopulistische EU-Skepsis:
    • „Die EU schadet Deutschland durch Brüsseler Bürokratie, Transferunion und Migration.“
    • Gleichzeitig wird das Narrativ gedreht: Deutschland sei „Zahlmeister“, Opfer der EU – genau entgegengesetzt zur linken Kritik.
    • Ökonomisch inkonsistent, aber politisch mobilisierend.
  • Trump-/US-Narrativ:
    • „Deutschland/Europa profitieren unfaire von Exporten in die USA, wir müssen Zölle erheben.“
    • Hier steckt knallharte Handelsmachtpolitik dahinter, keine ideologische Debatte. Influencer greifen es auf, weil es Resonanz hat.
  • China-Narrativ:
    • „Die Exportnation Deutschland hängt am Tropf Chinas, das bricht jetzt weg.“
    • Faktisch: Starke Abhängigkeit der Autoindustrie (20–40 % Absatz).
    • Wird aufgeblasen zum Bild „Deutschland bricht mit China zusammen“, oft ohne Relativierung (Diversifizierung, Binnenmarktstärke).

2. Wer treibt das?

  • Überzeugungstäter:
    • Ökonomen wie Flassbeck oder Streeck argumentieren tatsächlich aus einem theoretischen Überbau.
    • Linkspopulistische Stimmen (z. B. Wagenknecht-Umfeld) glauben wirklich, Deutschland sei durch „Merkantilismus“ schuldig.
  • Influencer mit Agenda:
    • YouTube-Kanäle, Blogs, Telegram-Gruppen, die EU systematisch als gescheitertes Projekt darstellen.
    • Rhetorikmuster: selektive Fakten, „lying by omission“, starke Vereinfachungen.
    • Ziel: Vertrauen in EU/Euro untergraben → Rückkehr zum Nationalstaat oder Öffnung zu Russland/China.
  • Unterwanderung / Fremdinteressen:
    • Russische Einflusskampagnen: EU spalten, deutsche Wirtschaft schwächen, Konflikt mit USA anheizen.
    • US-Populisten (Trump-Umfeld): EU als ökonomischen Rivalen diskreditieren.
    • China-nahe Stimmen: Narrative von „Abhängigkeit“ verstärken, um EU-Kritik an China abzuwehren.

3. Was ist wahr, was verzerrt?

  • Wahr:
    • Deutschland hatte massive Exportüberschüsse.
    • China war lange wichtiger Absatzmarkt.
    • Trumps Zolldrohungen waren real.
    • EU-Binnenkonflikte über Löhne, Schulden, Transferunion existieren.
  • Verzerrt / weggelassen:
    • Deutschland ist nicht allein Schuld am Euro-Ungleichgewicht; Südländer haben auch strukturelle Probleme.
    • Exportüberschüsse sind keine reine „Strategie“, sondern Folge von Wettbewerbsfähigkeit + Binnenmarktschwäche.
    • Zölle und Handelskonflikte sind kein Beweis für „Scheitern“ des EU-Modells, sondern Teil globaler Machtpolitik.
    • China bricht nicht „weg“, sondern schwächt sich konjunkturell – EU bleibt größter Binnenmarkt der Welt.

4. Fazit

Die Influencer mischen real vorhandene ökonomische Spannungen (Exportabhängigkeit, China-Risiko, US-Handelsstreit) mit ideologischer Schlagseite.

  • Linke Narrative: „Deutschland = Ausbeuter“
  • Rechte Narrative: „Deutschland = Opfer“
  • Extern befeuert: Russland/USA/China haben strategisches Interesse, die EU zu schwächen.

Unterm Strich: Ja, ein Körnchen Wahrheit – aber systematisch verzerrt und oft strategisch instrumentalisiert.


Soll ich dir das Ganze in einer Matrix aufbereiten – also welche Narrative von welcher Seite kommen, welche ökonomische Basis sie haben und welche Akteure davon profitieren? Das könnte dir ein gutes Werkzeug geben, wenn du die Diskurse schnell einordnen willst.

Du:

sie sind auch gern MMT oder der letzte keynesiander erhard fans post keynes usw.. wieso wird nicht dagegen gemacht

ChatGPT:

Sehr guter Punkt – du beobachtest, dass viele dieser Stimmen sich auf MMT, Post-Keynesianismus, oder auch auf „den letzten echten Keynesianer“ berufen (manchmal sogar kombiniert mit Ludwig Erhard–Romantik). Und man fragt sich: Wieso bleibt das oft unwidersprochen?


1. Warum diese Schulen so attraktiv sind

  • Post-Keynesianer (Flassbeck, Streeck, Varoufakis)
    • Betonung: Nachfrage, Löhne hoch, Staat soll steuern.
    • Kernthese: „Deutschland zerstört Europa mit Exportüberschüssen.“
    • Vorteil: Klingt solidarisch & einfach („höhere Löhne = alle profitieren“).
  • MMT (Modern Monetary Theory, z. B. Heiner Flassbeck light, in den USA Stephanie Kelton)
    • These: Ein Staat mit eigener Währung kann unbegrenzt Geld drucken, solange Inflation nicht hochschießt.
    • Vorteil: Verspricht „kostenlose“ Lösungen (keine Schuldenprobleme).
    • Wird gern instrumentalisiert, um Transferunion oder Schuldenvergemeinschaftung als harmlos zu verkaufen.
  • Erhard-Fans / Ordo-Liberale (CDU-/FDP-affin, Mittelstands-Lobby)
    • Verklärung des „Wirtschaftswunders“ → freier Markt, stabile D-Mark, Fleiß = Wohlstand.
    • Vorteil: Nostalgie, Identität, „früher war alles besser“.
    • Passt rhetorisch sowohl ins konservative als auch ins rechtspopulistische Lager.

2. Warum kaum Widerspruch?

  • Akademische Zersplitterung
    • Mainstream-Ökonomen (Neoklassik, Ifo, DIW) zerlegen Post-Keynes & MMT durchaus – aber in Papers, die niemand liest.
    • Öffentliche Debatte wird von Talkshow-Ökonomen geprägt, nicht von Fachpublikationen.
  • Medienlogik
    • Narrative wie „Deutschland ist Ausbeuter“ oder „Staatsschulden sind kein Problem“ lassen sich einfach in 2 Minuten erklären.
    • Gegenseite („Strukturreformen, Produktivitätsunterschiede, institutionelle Details“) ist trocken und komplex → kein Clickbait.
  • Politische Interessen
    • Linkspopulisten nutzen MMT/Post-Keynes gegen „deutsche Härtepolitik“ in EU.
    • Rechts- und FDP-nahe Kräfte verklären Erhard, um gegen Sozialstaat auszuteilen.
    • Beide Seiten haben Verstärker in Medien und Thinktanks.
  • „No free lunch“ verkauft sich schlecht
    • Wer nüchtern sagt: „Exportmodell ist problematisch, aber nicht allein schuld; MMT funktioniert nur in Hegemon-Währungen wie Dollar; Erhard war auch nur halber Mythos“ → klingt schwach gegen plakative Botschaften.
  • Strategische Unterlassung
    • Teilweise bewusstes Schweigen: Deutsche Politik will keine Grundsatzdebatte über Euro-Ungleichgewichte, sondern durchwurschteln.
    • Medienhäuser profitieren von Polarisierung („Deutschland Täter vs. Deutschland Opfer“), nicht von differenziertem Graubereich.

3. Was daran richtig, was schief?

  • Post-Keynes: richtig, dass Ungleichgewichte Spannungen erzeugen. Falsch, dass es nur an deutschen Löhnen liegt.
  • MMT: richtig, dass Staaten mit eigener Währung fiskalischen Spielraum haben. Falsch, dass das für Eurostaaten ohne eigene Notenbank gilt.
  • Erhard: richtig, dass Ordnungspolitik + Marshallplan Aufschwung begünstigten. Falsch, dass „Markt pur“ die ganze Geschichte war.

4. Warum kein Gegennarrativ?

Kurz: Weil es unbequem, komplex und unpopulär wäre.

  • Würde man MMT-Influencern widersprechen, müsste man erklären: Im Euro gibt’s keine souveräne Zentralbank pro Staat.
  • Würde man Post-Keynes-Leuten widersprechen, müsste man sagen: Auch Südeuropa trägt Verantwortung für Reformen.
  • Würde man Erhard-Mythos dekonstruieren, müsste man zugeben: Das Wirtschaftswunder war auch Zufall (Krieg, Marshallplan, Weltkonjunktur).

→ Kein Politiker oder Ökonom gewinnt damit Wähler, Klicks oder Fördergelder.


👉 Willst du, dass ich dir eine Anti-Propaganda-Checkliste baue – also typische Aussagen dieser Schulen und wie man sie in einer Debatte schnell, präzise und verständlich kontert? Das könnte dein Werkzeug sein, um „Warum macht niemand was?“ praktisch selbst zu übernehmen.