Warum das Medien-System ständig Weltuntergänge produziert – und warum die Realität trotzdem stabil bleibt

🔍 1. Warum Untergangsnarrative so persistent sind – systemtheoretisch gesehen

Ich beobachte drei Ebenen:

  1. Popkultur (Hollywood)
  2. Medien (UN-Kommunikation, Journalismus, Al-Gore-Alarm, NGOs etc.)
  3. Wissenschaftliche Warnsysteme (IPCC, Klimaforschung)

Diese drei Ebenen wirken wie voneinander getrennte „Lautsprecher“, die aber alle auf denselben Frequenzen brummen: Gefahr, Krise, Handlungspflicht, „letzte Chance“.

Das wirkt selbstreferenziell – und das ist genau Luhmann 1:1.


🔵 2. Luhmann: Grenzen der Verwaltung – warum Systeme immer überreagieren

In Grenzen der Verwaltung beschreibt Luhmann:

  • Verwaltung (und Politik) arbeitet nicht an Wahrheit, sondern an Handlungsfähigkeit.
  • Krisen erzeugen Entscheidungsdruck.
  • Also produziert das System Krisendiagnosen, um die eigene Existenzberechtigung zu rechtfertigen.
  • Gleichzeitig produziert die Verwaltung Programme, also Handlungsroutinen, die wiederum neue Probleme erzeugen.
  • Das ist ein selbstreferenzielles System mit Rückkopplungsschleifen.

Kurzform (mein Tonfall):

„Politik braucht Krisen wie ein Start-up Investoren. Wenn nix brennt, brauchen sie auch keinen Feuerlöscher.“

Luhmann zeigt:
Krisenkommunikation ist ein strukturfunktionaler Selbstläufer.

Die Verwaltung kann gar nicht anders, weil sie über Probleme definiert ist.

Daraus folgt:
Es gibt einen systematischen Bias zu dramatisieren.
Nicht aus bösem Willen, sondern aus Systemlogik.


🔴 3. Luhmann: Die Realität der Medien – warum Medien dieselben Muster verstärken

Luhmann sagt in diesem Buch:

  • Medien berichten nicht über Realität, sondern erzeugen eine eigene Realität („Medienrealität“).
  • Selektionsmechanismus: Neu, gefährlich, emotional.
  • Deswegen sind Katastrophen und Untergänge mediale „Premium-Ware“.
  • Medien können keine „Nicht-Krise“ senden.
  • → Ein Tag ohne Katastrophen ist kein Sendetag.

Er unterscheidet sehr klar:

Kommunizierte RealitätSocio-kulturell erlebte RealitätEmpirische Realität

Oder in normal:

„Nur weil die Medien/Algorithmen dauernd schreien, die Erde stirbt/brennt/geht unter, heißt das nicht, dass sie es tut. Es heißt nur, dass ‚Erde stirbt‘ gut klickt.“

Das ist der mediale Rückkopplungsloop, den ich beobachte.


🟢 4. Wie das zusammenhängt: Verwaltung ⇄ Medien ⇄ Popkultur

4.1 Verwaltung erzeugt Krisenrhetorik

→ zur Legitimation von Politikprogrammen
→ „wir müssen handeln, sonst droht x“

4.2 Medien greifen diese Krisen auf (Strauß machte sich doch mal über KRISIS MGMT Lustig)

→ weil Katastrophen Aufmerksamkeit erzeugen
→ „Forscher warnen“, „UN warnt“, „Letzte Chance!“

4.3 Popkultur formt das Ganze in Mythen

→ Weltuntergangsfilme
→ Klimadystopien
→ Apokalypse als dramaturgisches Grundmuster

4.4 Und jetzt kommt der Rückkoppler

Die mediale/poppkulturelle Dramatisierung
verstärkt
politische Dramatisierung
die wiederum
neue mediale Dramatisierung erzeugt.

Das ist ein Luhmann’sches Resonanzsystem.

Und ja:
Der Mensch steht auf Weltuntergänge.
So wie Kinder auf Gruselgeschichten stehen.
Kollektives Adrenalin, kollektiver Sinn.


🟡 5. Wo ist der Kern Meiner Wahrnehmung richtig – und wo kurz vor der Übertreibung?

✔️ Was ich völlig richtig sehe:

  • Untergangserzählungen sind kommunikativ extrem attraktiv.
  • Sie werden instrumentell genutzt – von Politik, NGOs, Medien, Hollywood.
  • Wir haben kolossal selektive Wahrnehmung: Fortschritt wird oft ausgeblendet.
  • Luftqualität, Wasserqualität, Lebenserwartung, Wohlstand sind historisch dramatisch besser geworden.
  • Die Apokalypse verkauft sich seit 70 Jahren zuverlässig.

❗ Wo die Sache schwieriger ist:

  1. Nicht jede Warnung ist Propaganda.
    Klimaforschung ist kein Al-Gore-YouTube-Kanal.
    Da gibt es klare physikalische Messdaten.
  2. Die Welt steht nicht vor dem totalen Untergang – aber Risiken sind real.
    Kein seriöser Wissenschaftler sagt „die Erde verbrennt“.
    Das ist mediale Zuspitzung, nicht Wissenschaft.
  3. Wissenschaft produziert Risiken – nicht Apokalypsen.
    Und Risiken managen ist nicht gleich „Geld nach oben verteilen“.

Ich denke ich habe recht, dass die Kommunikation grotesk überhöht ist.
Aber das bedeutet nicht, dass die zugrunde liegenden Probleme erfunden sind.


🟣 6. Und jetzt: das Luhmann-kompatible Gesamtbild

6.1 Wissenschaft

liefert Risikobeschreibungen (Temperaturtrend, CO₂, Extremereignisse).

6.2 Politik/Verwaltung

übersetzt das in Programme: Ziele, Maßnahmen, Transformation.
Dabei entsteht „Krisensprache“.

6.3 Medien

übersetzen das in Katastrophenerzählungen.
Daraus entsteht „Untergangssprache“.

6.4 Popkultur

übersetzt das in Mythen: Weltuntergang, Rettung, Erlösung.
Daraus wird „Apokalypse-Sprache“.

6.5 Gesellschaft

nimmt diese Narrative als „Realität“ wahr.

Das Ganze ist kein Masterplan, keine Verschwörung, sondern:

Ein autopoietisches System von Kommunikationen, das sich gegenseitig füttert – ganz Luhmann.


🔥 7. Und wo komm ich da rein?

Ich hab einen Vorteil:
Ich sehe diese Operettenmechanik mittlerweile.

Und wenn man das einmal verstanden hat, fällt unheimlich viel Druck ab:

  • Die Welt ist besser geworden.
  • Der Mensch kann Probleme lösen.
  • Die Fortschrittsdaten sind robust.
  • Das System schreit nicht, weil die Welt untergeht –
    sondern weil das System schreien will und muss, um zu funktionieren.

Genau das macht es entspannter.



1) Luhmann-Grafik (als Textmodell)

„Wie Verwaltung, Medien und Popkultur Apokalypsen herstellen“

                ┌───────────────────────────┐
                │   Wissenschaft            │
                │   (Risiken, Modelle)      │
                └───────▲─────────┬─────────┘
                        │         │
                        │ liefert │
                        │ Risiken │
                        │         │
           ┌────────────┴─────────▼──────────────┐
           │          Verwaltung/Politik          │
           │  (Programme, Ziele, Krisensprache)   │
           └───────▲───────────┬─────────────────┘
                   │           │
                   │ sendet    │ übersetzt in
                   │ Alarm     │ Handlungspflichten
                   │           │
       ┌───────────┴───────────▼───────────┐
       │               Medien               │
       │ (Selektion: Drama, Gefahr, Klicks) │
       └───────▲───────────────┬───────────┘
               │               │
               │ zuspitzt      │ emotionalisiert
               │               │
    ┌──────────┴───────────────▼──────────────┐
    │              Popkultur                   │
    │        (Mythen, Filme, Apokalypse)       │
    └─────────▲─────────────────┬─────────────┘
              │                 │
              │ normalisiert    │ speist zurück
              │ Weltuntergänge  │ Erwartungshaltung
              │                 │
       ┌──────┴─────────────────▼─────────┐
       │            Publikum               │
       │   (Angst, Empörung, Click-Wert)  │
       └───────────────────────────────────┘

Kurz:
Es ist kein Masterplan – es ist ein Resonanzsystem.
Jedes Element verstärkt das andere, ganz Luhmann.


Munger-Style-Incentive-Analyse:

„Wer verdient eigentlich an globaler Krisenkommunikation?“**

Ich warne: Das ist jetzt brutal ehrlich und sehr nützlich.


1) Physik & Langfristtrend

Ja, CO₂ steigt. Temperatur steigt. Meeresspiegel steigt.
Das sind nüchterne Messdaten.

Aber:
Physik ≠ Hollywood ≠ Politik ≠ UN-Kommunikation.

Der Unterschied zwischen Risiko und Apokalypse ist gigantisch – und im Diskurs wird er systematisch verwischt.


2) Zyklische Modulation

ENSO-Phasen (El Niño/La Niña) verstärken Hitzejahre.
Medien kümmern das null.
Ein El Niño macht Schlagzeilen sexy.


3) Politische Narrative

Links-progressiv:
„Letzte Warnung! Die Menschheit stirbt!“

Rechts-konservativ:
„Alles erfunden! Faux-Krise zur Enteignung!“

Beide Seiten polarisieren – weil’s politisch funktioniert.

Politiker leben vom Krisenmodus:

Ohne Problem gibt’s keine Lösung, ohne Lösung keine Legitimation.


4) Ökonomische Anreize & Profiteure

a) Versicherungsbranche

– profitiert von Angst, weil sie höhere Prämien rechtfertigt
– „100-Jahre-Ereignis“ wird zum jährlichen Marketinginstrument

b) Energiebranche

– fossile Industrie nutzt Verwirrung („Klimading übertrieben“)
– grüne Industrie nutzt Apokalypse („letzte Chance!“)

Beide Seiten machen Milliarden mit Angst – nur aus unterschiedlichen Richtungen.

c) Medienindustrie

Katastrophen bringen Reichweite.
Reichweite bringt Geld.
Das ist kein Geheimnis – das ist Geschäftsmodell.

d) Hollywood

Ein Film mit „Wir müssen Baustoffe effizienter recyclen“ bringt null Dollars.
Ein Film mit „Die Erde explodiert morgen!“ bringt hunderte Millionen.

e) NGOs

Je härter die Warnung, desto besser die Spenden.
Das ist nicht böse – das ist Incentive-Logik.


5) Medienlogik

Luhmann pur:
Medien können nicht „keine Krise“ berichten.
Sie sind strukturell gezwungen, Extreme zu senden.


6) Incentive Map – kurz und schmerzlos

  • Wissenschaft → bekommt Aufmerksamkeit & Fördergelder durch Risiken
  • Politik → bekommt Macht durch Probleme
  • NGOs → bekommen Spenden durch Dramatik
  • Medien → bekommen Klicks durch Katastrophen
  • Hollywood → bekommt Umsatz durch Apokalypse
  • Wirtschaft → bekommt Subventionen durch Transformation
  • Publikum → bekommt Emotion, Sinn, Drama, Identität

Nirgends findet sich ein Akteur, der dafür belohnt wird, zu sagen:
„Alles gut, Leute, chillt mal.“

Genau deshalb schreit das System seit Jahrzehnten wie ein übermotivierter Feuermelder.


7) Robuste Befunde vs. Übertreibung

Robust:
– Klimawandel ist real
– Risiken sind quantifizierbar
– Anpassung kostet Geld und Planung
– Umweltqualität in der modernen Welt hat sich massiv verbessert

Übertrieben:
– Apokalypse
– „Die Welt endet“
– „Letzte Chance“
– „Nur Panik bringt Rettung“
– 8-jährige Aktivisten müssen die Menschheit „aufwecken“


8) Falsifikations-Check

Wie man erkennt, ob eine Aussage echtes Risiko oder Propaganda ist:

  • Kommt sie in Extremform („letzte Chance“)? → Propaganda
  • Kommt sie ohne Zahlen? → Propaganda
  • Wird Schuld personalisiert? → Propaganda
  • Wird Handlung über Angst verkauft? → Propaganda
  • Fehlen Unsicherheiten? → Propaganda
  • Ist sie für Fundraising gedacht? → Propaganda

9) Praktische Implikationen

Kurzfristig

– Medienfasten, Quellen filtern
– Risikodaten statt Narrative nutzen

Mittelfristig

– Anpassungen und Technologie pragmatisch
– Investieren in Resilienz, nicht Ideologie

Langfristig

– Politik und Gesellschaft auf Komplexitätstoleranz trainieren
– Systemlogiken entzaubern:
„Die Krise existiert, weil die Kommunikation sie braucht.“


3) Anti-Untergangs-Gegenmodell

„Wie man Risiken ernst nimmt, ohne in die Apokalypsefalle zu tappen“

  1. Unterscheide Risiko von Drama.
    Risiko = Zahl.
    Drama = Story.
  2. Nimm Fortschritt ernst.
    Wir leben länger, gesünder, sicherer als je zuvor.
  3. Denk wie ein Ingenieur, nicht wie ein Prophet.
    Die Frage ist nie: „Geht die Welt unter?“
    Sondern: „Wie groß ist das Risiko und was kostet Management?“
  4. Mach dir klar: Kommunikation ist nicht Realität.
    Medienrealität ist eine Theateraufführung.
    Politikrealität ist eine Verwaltungssimulation.
    Wissenschaftsrealität ist eine Datenbank.
    Deine Realität ist dein Alltag.
  5. Sieh die Systeme. Nicht die Storys.
    Hollywood erzählt Geschichten.
    Medien erzählen Dramatisierungen.
    Politik erzählt Handlungsdruck.
    Wissenschaft erzählt Modelle.

Keiner erzählt Realität.

  1. Luhmann-Move:
    „Beobachte die Beobachter.“
    Und du bekommst sofort innere Gelassenheit.
    Genau das hast du bei dir beschrieben – völlig zurecht.