#118 Nachgehakt – Finanzierung in der Energiewirtschaft (mit Philippa Sigl-Glöckner)


https://www.redispatch-podcast.de/e/118-redispatch-mit-philippa/
Die Finanzierung der Energiewirtschaft.
Wie ist sie aufgestellt? Wie funktioniert sie? Ich freue mich sehr, dass du da bist. Du bist Philippa Sigl-Glöckner, Gründerin und Direktorin des Dezernat Zukunft. Magst du dich kurz vorstellen? Was sollte man über dich wissen, bevor wir einsteigen?
Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr. Ich leite das
Dezernat Zukunft, einen Thinktank für Makrofinanzen. Wir beschäftigen uns mit allen Fragen rund um Staat und Finanzierung. Wenn man genauer hinschaut, merkt man schnell: Das ist komplex und vor allem viel Handwerk.
Zum Beispiel die Frage, wie man Netze gut und möglichst günstig finanziert. Das braucht Zeit und Detailarbeit – und genau daran arbeiten wir. Mein Hintergrund liegt im Finanzbereich. Ich war früher im Finanzministerium und auch im Finanzministerium in Liberia in Westafrika. Mit diesen Themen beschäftige ich mich schon lange, und sie bleiben immer spannend.
Ergänzend: Du hast auch den Podcast „Die Geldfrage“, in dem regelmäßig Themen aus der Energiewirtschaft vorkommen. Das zeigt, wie eng Transformation, Kosten und Finanzierung zusammenhängen.

dieses Jahr viele in der Energiewende beschäftigt hat, war Kosteneffizienz. Die Grundstimmung war klar: Die Kosten müssen runter.
Trotzdem bleibt unterm Strich – selbst wenn man alle Kostensenkungspotenziale hebt – je nach Studie, Perspektive und Zeithorizont ein Investitionsbedarf von Hunderten Milliarden Euro.
Wir sprechen im Kontext der Energiewende oft davon, dass wir das gesamte System umbauen:
weg von einem Opex-getriebenen System mit laufenden Ausgaben für Öl, Kohle und Gas hin zu einem Capex-getriebenen System.
Das heißt:
hohe Anfangsinvestitionen in Photovoltaik, Windkraft, Netze – aber deutlich geringere laufende Kosten, sobald die Infrastruktur steht.
Wenn es aber um Investitionen in dieser Größenordnung geht, wird entscheidend, zu welchen Konditionen das Kapital beschafft wird. Zinsen und Finanzierungskosten machen einen enormen Unterschied.

Deshalb wollen wir heute mit dir darüber sprechen, welche Finanzierungsoptionen es gibt, welche Bedeutung sie haben und wer wann welches Kapital einsetzen sollte, um die Energiewende möglichst effizient zu finanzieren.
Konkret: Welche Möglichkeiten gibt es aktuell, diese Investitionen zu stemmen? Wer trägt heute die Finanzierung? Wer nimmt das Geld in die Hand, damit diese Transformation gelingt?
Vielleicht starten wir mit der Zielvorstellung: Wie sieht eine gut gelungene Finanzierung aus? Wir stehen vor einer Phase mit sehr hohen Investitionen. Es geht um enorme Summen. Deshalb wird etwas immer wichtiger, woran man sich erst gewöhnen muss: die Kapitalkosten.
Also die Frage, wie viel Zinsen wir auf das Kapital zahlen, das beispielsweise in Stromnetze investiert wird.
Man muss sehr genau überlegen, aus welchen Kapitalquellen man schöpft. Private-Equity-Fonds, Staatsanleihen oder andere Instrumente sind unterschiedliche „Schubladen“. Ziel ist es immer, für den jeweiligen Zweck das günstigste verfügbare Kapital zu nutzen.

Dabei geht es nicht nur um die absolute Summe, sondern auch um Effizienz. Ich will Investoren, die kluge Entscheidungen treffen. Bei manchen Investitionen in der Energiewende ist das hochkomplex – etwa bei der Frage, ob man in Speicher oder andere Flexibilitätsoptionen investiert. Da ist es sinnvoll, Investoren zu haben, die sich den ganzen Tag mit solchen Entscheidungen beschäftigen.

Bei anderen Investitionen ist das weniger relevant. Wenn wir über Übertragungsnetze sprechen, sind die Trassen weitgehend geplant. Da gibt es keine grundsätzliche Investitionsentscheidung mehr darüber, wo das Netz verlaufen soll.
Deshalb muss man differenzieren:
Wer hat die niedrigsten Kapitalkosten?
Und
Wer kann Investitionsentscheidungen so treffen, dass sie möglichst effizient sind?
Ideal ist es, wenn beides zusammenfällt. Wer eigenes Kapital investiert, denkt in der Regel genauer nach.
Wenn Investitionsentscheidung und Kapitalbereitstellung auseinanderfallen, sinkt diese Disziplin.
Gerade bei komplexen Entscheidungen – etwa wo ein Speicher gebaut wird – sollte deshalb derjenige, der entscheidet, auch derjenige sein, der das Kapital einbringt.


Nachfrage: Du hast gesagt, die Kapitalkosten seien entscheidend. Kann man das vereinfacht so ausdrücken: Wenn der Netzausbau statt mit 4 % mit 8 % finanziert wird, kostet das die Verbraucher am Ende ungefähr doppelt so viel – über Netzentgelte?
Ja, die Zahlen wirken klein – einstellige Prozente –, aber der Effekt ist groß. Ein Chart meiner Kollegen zeigt: Bei
Übertragungsnetzen steigen die Finanzierungskosten in den kommenden Jahren auf etwa ein Drittel der Gesamtkosten.
Die anderen Bestandteile sind Abschreibungen (Infrastruktur wird kaufmännisch über Jahre „abgeschrieben“) und laufende Betriebskosten (Opex). Bei Netzen sind die laufenden Kosten relativ gering, deshalb fällt der Finanzierungsteil besonders stark ins Gewicht.
Das bedeutet: Wir sollten uns sehr ernsthaft überlegen, wie wir Finanzierung so günstig wie möglich organisieren.
Wenn man vereinfacht sagt: Würde der relevante Kapitalzins deutlich sinken, würden die Netzkosten in diesem Gedankenexperiment entsprechend spürbar fallen – in der Größenordnung dieses Drittels. In der Realität hängt es davon ab, wie der Regulierer das übersetzt, denn Netze sind reguliert. Die Bundesnetzagentur legt fest, welche Verzinsung anerkannt wird – und das bestimmt, was wir als Netzkunden zahlen. (die BNETZA legt doch nur den EK Zins fest?)

Rückfrage: Wenn wir über Eigen- und Fremdkapital sprechen – wer finanziert heute eigentlich die Energiewende?
Wer nimmt konkret das Geld in die Hand?
Grundsätzlich gibt es vier Finanzierungsarten:

  1. Innenfinanzierung: Unternehmen investieren aus eigenen Überschüssen.
  2. Eigenkapital: z. B. über neue Aktien oder Beteiligungen; dafür kommen neue Eigentümer ins Unternehmen.
  3. Fremdkapital: Kredite, Anleihen, Kapitalmarktfinanzierung.
  4. Zuschüsse des Staates: aus öffentlicher Hand, ohne Rückzahlungspflicht – aus Unternehmenssicht angenehm, aber bezahlt wird es trotzdem, nur eben aus einem anderen Topf.

Nachfrage: Wie ist das bei Netzen verteilt?

Bei Netzen liegt der Fremdkapitalanteil typischerweise bei 60–70 %. Man schaut praktisch: Wie viel Eigenkapital brauche ich, damit ich den Kredit bekomme? Der Kreditgeber will ausreichend Eigenkapital als Puffer, weil Eigenkapital zuerst Verluste trägt. Das ist wie beim Wohnungskauf: Ohne Eigenkapital wird es schwer mit der Finanzierung.
Für die Bank ist es meist zweitrangig, ob Eigenkapital aus eigenen Mitteln stammt oder über Kapitalmarkt aufgenommen wurde. Entscheidend ist: Es ist im Unternehmen und trägt Risiko.
Einordnung: Aus Verbrauchersicht sind Fremdkapitalkosten meist niedriger als Eigenkapitalrenditen. Darum wirkt ein hoher Fremdkapitalanteil zunächst kostensenkend. Fremdkapital ist in der Regel günstiger, weil es weniger Risiko trägt als Eigenkapital.
Überleitung: Wenn wir die Finanzierungskosten senken wollen: Welche Möglichkeiten hat der Staat, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Kapital günstiger machen?
(Es geht hier um die Rangfolgen bei einer Pleite, Fremdkapital geht vor EK)

Eine Möglichkeit: Der Staat übernimmt die Finanzierung selbst. Das nimmt die Kosten nicht weg, aber der Staat hat üblicherweise die niedrigsten Finanzierungskosten. Deutschland kann sich – im internationalen Vergleich – sehr günstig verschulden.
(Im Gespräch genannt: etwa 2,9 % für Staatsanleihen.)
(Ich denke sie meint 10 jährige Anleihen, USA muss über 4% zahlen)


Staatsanleihen gelten als sehr sicher und sehr liquide – sie werden viel gehandelt, man kann sie jederzeit kaufen und verkaufen. Dadurch ist der Zins besonders niedrig.
Außerdem kann der Staat Garantien geben oder Erlöse absichern – also nicht nur „alles selbst machen“, sondern Risiken so verteilen, dass Kapital günstiger wird.


Nachfrage: Bedeutet „Staat finanziert“ konkret, dass der Staat Eigentümer wird, sich günstig verschuldet und dann die Netze finanziert? Oder gibt es auch Konstruktionen, bei denen der Staat nur Kredit gibt?

Beides ist möglich.
Der Staat kann als Eigentümer einsteigen oder dem Unternehmen einen Kredit geben.

Es ergibt oft mehr Sinn, als Eigentümer einzusteigen, weil der Effekt größer ist: Dann werden auch die Fremdkapitalkonditionen günstiger. Das kann eine Hebelwirkung haben, weil Fremdkapital in Netzen ja den größeren Anteil ausmacht.

Einordnung: Unabhängig vom Eigentum trägt der Staat bei kritischer Infrastruktur faktisch Verantwortung. Wenn ein Übertragungsnetz in Schwierigkeiten gerät, kann der Staat das gesellschaftlich kaum ignorieren.
(vgl. Bayerische Verfassung Art. 152. Die geordnete Herstellung und Verteilung der wirtschaftlichen Güter zur Deckung des notwendigen Lebensbedarfes der Bevölkerung wird vom Staat überwacht. 
Ihm obliegt die Sicherstellung der Versorgung des Landes mit elektrischer Kraft.)

Einwand: Rechtlich ist aber Eigenkapital im Risiko. Ist es nicht ein Unterschied, ob private Investoren oder Steuerzahler dieses Risiko tragen?

In der Praxis wird es bei Übertragungsnetzen selten so weit kommen, dass es um „Pleite“ im klassischen Sinn geht. Die Frage ist eher: Hat das Unternehmen genug Kapital, um seinen Auftrag zu erfüllen? Und wenn es knapp wird, wird politisch sehr früh Druck entstehen, dass der Staat handelt – lange bevor ein formaler Insolvenzszenario relevant wird.

Beispiel: TenneT gehört dem niederländischen Staat. Dort wurde seit längerem signalisiert, dass die Investitionslast in Deutschland zu groß ist. Wenn kein Investor einspringt, landet die Frage automatisch bei der Bundesregierung, weil das Netz systemrelevant ist.

Vergleich: Privatisierungen bei Bahninfrastruktur zeigen, dass selbst bei formaler Privatverantwortung der Staat oft nachfinanzieren muss, wenn Sicherheit und Funktion gesellschaftlich nicht verhandelbar sind.

Gedankenexperiment:
Wenn der Staat sich zu 2,9 % verschuldet und im Netzgeschäft 7 % anerkannt werden, ist das nicht ein „Arbitrage-Geschäft“ mit Gewinn?
Das ist in der Praxis ein „linke Tasche – rechte Tasche“-Effekt, weil der Staat an anderer Stelle bereits Netzentgelte bezuschusst. Im Gespräch genannt: 6,5 Mrd. € Zuschuss für Übertragungsnetze. Wenn man „Gewinn“ an einer Stelle ausweist, kann er an anderer Stelle als Ausgabe wieder auftauchen.
Zudem bilden Zinssätze normalerweise Risiken ab. Man könnte sonst fragen, warum der Staat nicht massenhaft Schulden aufnimmt und in renditestärkere Anlagen investiert. Der Punkt ist:
Renditen sind nicht „gratis“, sie spiegeln Unsicherheit, Bindung und alternative Opportunitäten.
Bei Netzen ist das Geschäftsrisiko zwar geringer als bei klassischen Märkten, weil Nachfrage nach Stromtransport nicht einfach „verschwindet“. Risiken liegen eher in anderen Faktoren: Zinsänderungen, regulatorische Änderungen, Projektverzögerungen, Kostenüberschreitungen, zeitliche Verschiebungen von Erlösen.
Für den Staat gelten einige dieser Risiken anders: Er denkt nicht wie ein Portfolio-Optimierer, sondern als Träger von Daseinsvorsorge. Er hat zudem andere Zielgrößen und kann Opportunitätskosten anders bewerten.
Langfristigkeit ist für viele Investoren ein Problem (Kapitalbindung über Jahrzehnte). Für andere ist sie attraktiv:
Versicherungen haben langfristige Verpflichtungen und suchen stabile, lange Cashflows.

Beispiel aus dem Gespräch: Apollo als Investor für Versicherungsvermögen. Versicherungen mögen langfristige, planbare Zahlungsströme. Deshalb wurde ein Joint Venture mit RWE erwähnt, um Netz-Investitionen mitzufinanzieren.
Frage: Wie entsteht der Eigenkapitalzinssatz in der Regulierung?
Die Bundesnetzagentur muss einen Punkt treffen: hoch genug, damit Kapital kommt – aber nicht so hoch, dass es zu einer reinen Umverteilung an Investoren wird, die Netzentgelte unnötig verteuert.
Das ist besonders schwierig, weil es ein regulierter Markt ist: Preise bilden sich nicht frei, aber Netze sind natürliche Monopole, also braucht man Regulierung.
Nachfrage: Ist das Kapitalproblem real, oder klappern Netzbetreiber nur laut?
Es scheint real nicht trivial zu sein, Kapital zu beschaffen. Der im Gespräch genannte Eigenkapitalzins wirkt hoch, aber Analysen mit Asset-Pricing-Modellen können auch zu dem Ergebnis kommen, dass aus Investorensicht sogar mehr Rendite nötig wäre.
Das Joint Venture wurde im Gespräch als Erfolg gewertet – als Hinweis darauf, dass Kapitalbeschaffung zwar möglich ist, aber nicht „automatisch“ und ohne Konditionen.
Zusätzliche Risiken:
Der regulierte Zinssatz ist ex ante kalkuliert, aber reale Renditen können durch Bauverzögerungen, spätere Erlösstarts oder nicht vollständig anrechenbare Kosten sinken.
Ein wichtiges Risiko für Private: regulatorische Änderungen. Für den Staat ist das anders gelagert, weil er Teil des institutionellen Rahmens ist.
Einwand: Wenn der Staat stärker finanziert: verliert man Effizienzdruck?

Effizienz muss überall ein Thema sein. Aber staatliche Finanzierung heißt nicht, dass Ministerien Leitungen bauen. Man kann Finanzierung (Kapitalbereitstellung) und Umsetzung (Unternehmen, Betrieb, Regulierung) trennen – und trotzdem Anreizsysteme erhalten.
Zwischenfrage: Kann man als Privatperson TenneT-Anleihen kaufen? (ich kann auf jeden Fall Elia Group oder RWE Aktien oder ENBW/TransnetBW Aktien kaufen)
Fremdkapitalrenditen wären deutlich niedriger als die in der Regulierung diskutierten Eigenkapitalrenditen. Wer wirklich „Eigenkapitalrendite“ will, müsste Eigenkapital geben – und das ist für Privatpersonen praktisch nicht so zugänglich wie ein Sparprodukt.


Gedankenexperiment:
Kapitalgedeckte Altersvorsorge – könnte der Staat nicht direkt in Netze investieren, statt über teure Finanzintermediäre?

Im Gespräch wurde die Idee einer „Aktienrente“ aus der vergangenen Legislaturperiode erwähnt: Staat legt Kapital an, Erträge stabilisieren langfristig Renten.

Der Staat legt bereits Kapital an, z. B. im Bereich Beamtenversorgung oder in Fonds wie dem Fonds zur kerntechnischen Entsorgung(KENFO). Solche Mittel werden teils über Intermediäre angelegt, die wiederum in Infrastruktur investieren.
Ein Grund, warum Privatpersonen nicht die „6,5 %“ sehen:
Intermediäre verdienen mit, teils erheblich.
(Genau hieran hängt sich die AFD wieder auf und schreit ZINSKNECHTSCHAFT ein altes Nazi narrativ)
Man könnte theoretisch Wertschöpfungsketten verkürzen und Finanzierungskosten senken, indem der Staat direkter investiert.
Schlussfolgerung im Gespräch: Bei voll regulierten Assets ohne besondere „Investoren-Mehrleistung“ kann direkte staatliche Finanzierung sinnvoll sein. Das sei ein Argument für staatliche Beteiligung an TenneT.

Welche Instrumente hat der Staat jenseits von Eigentum?

  • Staat kann Kredite geben (z. B. über KfW).
  • Staat kann Garantien stellen.
  • Staat kann Erlöse absichern oder Risiken reduzieren (vergleichbar mit EEG-Logik bei Erzeugung).
  • Staat kann Banken Risiken abnehmen, damit diese günstiger finanzieren.

Bei Erzeugung hilft Risikoabsicherung (z. B. EEG): sicherere Erlöse → niedrigere Renditeanforderungen → niedrigere Kapitalkosten.

Bei neuen Technologien wie Elektrolyse/Wasserstoff fehlen solche stabilen Erlösregime häufig. Das erhöht Kapitalkosten und erschwert Finanzierung.

Exkurs: In China wird staatliche Privilegierung von Finanzflüssen stark genutzt, um Kapitalkosten für bestimmte Sektoren zu senken.

Deutschlandfonds: Stand und Einordnung?
Im Gespräch wurde der Kontext beschrieben: Neben klassischen Ausgaben (Haushaltsmittel) will die Bundesregierung stärker privates Kapital mobilisieren, besonders für Energie und Zukunftstechnologien.

„Hebel“-Logik: Staat gibt einen kleineren Betrag oder übernimmt Risiken, damit privates Kapital in größerem Umfang investiert.

Skeptische Lesart: Der Staat bezahlt Investoren dafür, etwas zu tun, was sie sonst nicht (oder nur teurer) tun würden – über Zinsverbilligung, Garantien, Risikoübernahme.

Garantien wirken oft „kostenlos“, sind es aber nicht. Risiko hat einen Wert und kann bilanziert werden (vereinfacht: Ausfallwahrscheinlichkeit × Volumen).

Grundsatz: Ein breiter Instrumentenkasten ist sinnvoll, um Kapitalkosten zu senken, ohne überall 100 % Staatseigentum zu brauchen. Wie effektiv es wird, hängt davon ab, wie Instrumente gestaltet sind und ob sie tatsächlich abgerufen werden.

Nachfrage: Belastet das den Haushalt? Wenn Kredite zurückfließen, ist das doch nicht „weg“. Könnte man dann nicht einfach viel mehr machen?

Antwort: Auch Kredite können fiskalisch „kosten“, wenn sie verbilligt sind oder extrem lang laufen. Inflation und Zinsdifferenzen bedeuten realen Transfer.
(Sie meint Inflation Real, Nominal und Effektiv Zinssatz)

Warum attraktiv: In Deutschland zählt die Schuldenbremse auf das jährliche Defizit. Bestimmte Vorgänge gelten als finanzielle Transaktionen (mit Gegenwert) und sind anders zu behandeln als reine Zuschüsse.

Das macht Instrumente wie Beteiligungen oder Kredite politisch attraktiv, weil sie nicht unmittelbar mit anderen Haushaltsausgaben konkurrieren.

Beispiel im Gespräch:
Für TenneT seien 7,5 Mrd. € im Haushalt eingestellt (als Größenordnung).
Parlamentarische Kontrolle bleibt, auch wenn es als finanzielle Transaktion anders gewertet wird.




Nachfrage: Wenn diese Investitionen als finanzielle Transaktionen gelten – warum tauchen sie dann trotzdem im Bundeshaushalt auf?

Antwort: Das hat mit demokratischer Kontrolle zu tun. Auch wenn es sich bilanziell um Investitionen mit Gegenwert handelt, soll das Parlament darüber entscheiden. Deshalb stehen solche Beträge im Haushalt, auch wenn sie nicht unter die Schuldenbremse fallen.

Rückfrage: Wie verhält sich das zum Sondervermögen für Infrastruktur und Klima (KTF)? Dort wurden plötzlich sehr große Summen mobilisiert.

Einordnung: Das Sondervermögen dient dazu, Ausgaben zu finanzieren, bei denen kein direkter Rückfluss entsteht. Das unterscheidet es von Beteiligungen oder Krediten. Man muss deshalb klar trennen zwischen Investitionen mit Rückfluss und Ausgaben, die dauerhaft aus dem Haushalt getragen werden.

Auch wenn man Finanzierungskosten senkt, verschwinden die Kosten der Energiewende nicht. Bei Netzen lassen sich vielleicht etwa ein Drittel der Kosten beeinflussen, aber es bleiben erhebliche Ausgaben.
Beispiel aus dem Gespräch: Für das Jahr 2026 sind rund 6,5 Milliarden Euro Zuschüsse für Übertragungsnetze vorgesehen, um Netzentgelte zu begrenzen und Strompreise stabil zu halten.
Zur Einordnung: Das ist sehr viel Geld. Es liegt deutlich über dem, was der Bund für bestimmte Bereiche der frühkindlichen Bildung ausgibt. Es handelt sich also nicht um marginale Beträge.

Frage: Können Mittel aus dem Sondervermögen auch einfach für Subventionen genutzt werden, etwa für Wasserstoff?
Antwort: Ja, grundsätzlich ist das möglich. Die politische Begründung lautet meist, dass es sich um eine Investition handelt, die langfristig ein tragfähiges Geschäftsmodell ermöglichen soll. Ob das tatsächlich gelingt oder ob es eine Dauersubvention wird, ist die zentrale Frage.
Aktuell liegen die Energiesubventionen des Bundes bei etwa 40 Milliarden Euro jährlich.
(Leider erfolgt keine Erklärung wo die Zahlen exakt herkommen da geistern ja auch ganz andere Zahlen rum von 60-120 Mrd….)
Das ist langfristig problematisch. Subventionen sollten immer einen klaren Ausstiegspfad haben.

Das Sondervermögen ist zeitlich und mengenmäßig begrenzt. Die 100 Milliarden Euro verteilen sich über viele Jahre (12). Das begrenzt faktisch, wie viel dauerhaft subventioniert werden kann.

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Einwand:
Subventionen erzeugen keine direkten Rückflüsse. Sind das nicht Schulden auf Kosten künftiger Generationen?

Antwort:
Der Staat hat neben direkten Einnahmen aus Investitionen vor allem Steuereinnahmen. Diese hängen stark von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ab.

Wenn Investitionen heute dazu führen, dass Wirtschaft, Produktivität und Energieversorgung langfristig stabil und günstig sind, steigen zukünftige Steuereinnahmen. Dann kann sich Verschuldung lohnen.

Entscheidend ist das Verhältnis von Wachstum zu Zinskosten. Wenn Wachstum höher ist als der Zins, sind Schulden tragfähig.
Problematisch wird es bei niedrigem Wachstum und hohen Zinsen.

Erfahrungen aus den 1990er- und frühen 2000er-Jahren zeigen:
Hohe Zinslasten engen politische Handlungsspielräume stark ein.

Grundsatzfrage: Wie viele Schulden kann ein Staat machen?
Antwort: Man kann zwei Ebenen unterscheiden.
Erstens:
Wie viele Schulden kann ein Staat technisch aufnehmen? Länder wie Deutschland, USA und Japan können sich sehr günstig in eigener Währung verschulden, weil ihre Anleihen global gefragt sind.

Beispiel:
Internationale Zentralbanken halten deutsche Staatsanleihen als sichere Reserve. Sie sind extrem liquide und gelten als ausfallsicher.

Zweite Ebene:
Wie viele Schulden sollte ein Staat aufnehmen? Das ist keine technische, sondern eine normative Frage.

Wenn Schulden für Investitionen genutzt werden, die künftigen Wohlstand sichern – etwa Netze, Energieversorgung –, kann das gerecht sein.
Kritischer ist es, laufende Ausgaben wie Gehälter dauerhaft über Schulden zu finanzieren.

->Sie spricht hier die Rüstungs und Militär Ausgaben an, aber auch hier gilt, der Panzer der produziert wird ist Anlagevermögen und ist wie eine Feuerwehr zu sehen. Munition ebenso.
Und über die Gehälter Sold für die Soldaten folgendes.
(Hier sehe ich einen Denkfehler, denn auch diese laufenden Gehälter an Beamte Tarifbeschäftigte wirken am Ende BIP erhöhend, Sie stabilisieren Geldflüsse weil Beamte in der Regel sorgenfreier Konsumieren, ich vergleiche das immer mit der INERTIA der großen Synchrongeneratoren, deren Massenträgheit hält das Stromnetz stabil, und auch auf diese Einkommen erhebt der Staat ja wieder Lohnsteuer die dann evtl. den Ländern zu gute kommt, und der Kommune –> abgesehen davon stelle ich mir Steuern immer vor nach der MMT, das ist der Zins, den der Staat abschöpft von dem Geld, das er in Umlauf gebracht hat. Der erste Dollar Euro, Dukaten, etc wurde ja von einem STAAT geschöpft)

Das wälzt Lasten auf kommende Generationen ab, ohne dass diesen ein entsprechender Vermögenswert gegenübersteht.
(Kommt m.e. drauf an, was die Soldempfänger mit dem Geld machen, schaffen sie WERTE? Verkonsumieren sie alles, wo konsumieren sie, In oder Ausland, Europa oder Ausserhalb.. was macht der Empfänger mit dem Geld…)
Diese Abwägung ist komplex und hängt vom Zweck der Ausgaben ab – ähnlich wie bei privaten Investitionen.


Reflexion: Hohe Staatsverschuldung bedeutet auch, dass der Staat stärker darüber entscheidet, wofür Produktionsfaktoren eingesetzt werden – statt Marktakteuren. Das kann effizient sein, aber auch problematisch.

Zudem wächst mit steigender Verschuldung die Zinslast. Wenn Refinanzierung teurer wird, schrumpfen politische Spielräume.

Antwort: Diese Fragen sind zutiefst politisch. Es geht darum, wie groß der Staat sein soll und welche Aufgaben er übernehmen soll.

Persönliche Einschätzung: Staatliches Engagement bei Übertragungsnetzen ist sinnvoll. Bei Venture-Capital-ähnlichen Investitionen ist der Staat weniger geeignet, weil Risikoabschätzung und Innovationsdynamik dort schwieriger sind.

Wichtig ist auch: Was lange als sicher galt –
möglichst wenig Schulden – ist nicht automatisch der richtige Weg. Wenn man notwendige Investitionen unterlässt, kann das Wachstum langfristig massiv schädigen.

Das aktuelle Risiko für Deutschland liegt weniger in der Höhe der bisherigen Schulden, sondern im schwachen Wachstum und in der Frage, wofür neue Schulden eingesetzt werden. (Aktuell ja, weltwirtschaftliche Probleme, aber die Zukunft kennt niemand)

Begrenzung: Nicht nur Geld ist knapp, sondern auch staatliche Umsetzungskapazität – Personal, Planung, Genehmigungen, Baukapazitäten. Mittel können oft nicht so schnell abgerufen werden, wie sie bereitstehen.

Überleitung: Bisher ging es vor allem um Übertragungsnetze. Ein großes offenes Feld ist die Wärmewende und die Verteilnetze auf kommunaler Ebene.

Viele Stadtwerke stehen vor massiven Investitionsbedarfen: Stromnetze, Wärmewende, teils auch ÖPNV. Dafür müssen sie ihre Bilanzen stark ausweiten.
Kredite allein reichen oft nicht. Es braucht Eigenkapital, um zusätzliche Fremdfinanzierung zu ermöglichen.
Der Deutschlandfonds sieht Eigenkapital für Stadtwerke bislang nicht explizit vor, wird aber als notwendige Option diskutiert.
Eigenkapital ist politisch sensibel, weil es Eigentumsfragen berührt. Dennoch kann es sinnvoll sein, etwa in Form stiller Beteiligungen, ohne operative Einflussnahme.

Wenn Stadtwerke Kapital brauchen, müssen sie sich Partner suchen. Der Staat kann dabei – trotz Mitbeteiligung – ein relativ verlässlicher, langfristiger Partner sein.

Private Investoren haben oft Exit-Erwartungen. Das passt schlecht zu Infrastrukturen mit sehr langen Amortisationszeiten.

Der Bund hat sich politisch zur Energiewende verpflichtet. Das schafft Planungssicherheit – ein Vorteil gegenüber rein privaten Investoren.

Fazit: Finanzierung ist ein mächtiges Werkzeug, aber kein Selbstzweck. Umsetzung, Planung und Betrieb bleiben Aufgabe der Energiebranche.

Abschluss: Zwei Perspektiven – Ingenieurwesen und Finanzökonomie – gehören zusammen. Finanzierung ist etwa ein Drittel der Kosten, wird aber selten systematisch diskutiert. Genau das wurde hier nachgeholt.