Vorab: Am Ende des Dokuments ist ein Lösungsweg in Form eines LLM Prompt; Allerdings muss das Ergebnis immer geprüft werden!
Der stille Krieg – Wie Autokraten Deutschland angreifen (Reinhard Bingener & Markus Wehner)
„Alles, was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.“ – Marc Aurel
Kurzeinstieg: Ein deutscher Geschäftsmann übergibt in einem Moskauer Edel-Restaurant Geheimdokumente des Bundesnachrichtendienstes an zwei FSB-Agenten. Gleichzeitig kursieren im Internet Falschmeldungen über angebliche Bücherverbrennungen russischer Literatur in Dresden.
Ein deutscher Ingenieur verkauft Hochtechnologie an China, während Tausende Tschetschenen unter Kadyrows Einfluss nach Deutschland einsickern. All dies klingt wie ein Thriller – ist aber Realität.
In „Der stille Krieg“ enthüllen die FAZ-Investigativjournalisten Reinhard Bingener und Markus Wehner ein verborgenes Geflecht aus Spionage, Sabotage und Desinformation. Autokratische Regime – Russland, China, Iran, ja sogar die Türkei – führen einen lautlosen Hybridkrieg gegen Deutschland und den Westen.
Diese neue Form des stillen, verdeckten, aber effektiven Krieges hat Deutschland längst erreicht. Das Buch liest sich spannend wie ein Reportageband und öffnet zugleich die Augen: Was hier geschieht, ist keine Fiktion, sondern bittere Gegenwart.
Politische Einordnung: Die Autoren, renommierte Politik-Redakteure der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, untermauern ihre Thesen mit akribischen Recherchen und realen Fällen bis ins Jahr 2024. Ihr Ansatz ist sachlich-investigativ, ideologisch klar auf Seiten der wehrhaften Demokratie. Verlegt beim seriösen C.H.Beck-Verlag, steht das Buch in der Tradition kritischer Analysen staatlicher Bedrohungen. Es knüpft an den SPIEGEL-Bestseller „Die Moskau-Connection“ (2023) der gleichen Autoren an, in dem bereits das Russland-Netzwerk um Altkanzler Schröder beleuchtet wurde.
„Der stille Krieg“ erweitert den Blick:
Es zeigt eine „bedrohliche Achse autokratischer Staaten“, die systematisch westliche Gesellschaften auszuhöhlen versucht. Dabei werden die Gefahren nahe an der Realität verhandelt – von dokumentierten Cyber-Angriffen bis zu bekannten Mordanschlägen. Die Autoren kommen zu einem ernüchternden Schluss: Deutschlands Politik und Öffentlichkeit waren viel zu lange „blauäugig“ gegenüber diesen schleichenden Angriffen. Profitierend von dieser Naivität haben Putin, Xi & Co. leichtes Spiel gehabt, unsere Gesellschaft zu schwächen.
Das Buch ist keine Verschwörungstheorie, sondern eine warnende Bestandsaufnahme mit klarer demokratischer Stoßrichtung. Verlagsinteresse und Autorenintention liegen auf der Hand: Aufrütteln, aufklären, zum Handeln mahnen. In der aktuell beschworenen „Zeitenwende“ der Außenpolitik zeigen Bingener und Wehner, wo Robustheit und Wachsamkeit nötig sind, um den verdeckten Krieg der Autokraten abzuwehren.
Einleitung: Die Autoren eröffnen mit einer eindringlichen Collage realer Fälle, die unsere selektive Wahrnehmung durchbrechen soll. Von russischen Journalisten, die im Berliner Exil plötzlich schwer erkranken (Verdacht auf Vergiftung), bis zu gezielten Sabotageakten – jedes Beispiel zeigt: Der Hybridkrieg findet bereits auf deutschem Boden statt. Diese Vorfälle – ob Sabotage an Bahn-Infrastruktur, Spionage in Behörden oder Desinformationskampagnen – sind keine Einzelfälle, sondern Teile einer Strategie. Bingener/Wehner sprechen von einer Allianz der Autokraten und von der Schwäche des Westens, die solchen Angriffen oft ratlos gegenüberstand.
Die Einleitung skizziert auch theoretisch den „hybriden Angriff“ und fragt nach dem Ursprung: Ist der vielzitierte russische Generalstabschef Gerassimow wirklich der Vordenker dieser Strategie?
Die Autoren bezweifeln einen singulären Masterplan – vielmehr zeichnen sie ein Chamäleon-artiges Feindbild: Autokratische Akteure passen ihre Methoden flexibel an, verstärken durch die globalisierte Vernetzung hybride Gefahren und nutzen gezielt unsere offenen Strukturen aus. Deutschland gerät so ins Visier vielfältiger Einflussoperationen.
Kapitel 1: Von Wunderkindern und Honigfallen – Deutschland als Ziel von Spionage. In diesem Kapitel zeigen die Autoren, wie intensiv russische und chinesische Geheimdienste Deutschland ausspionieren. Putins sogenannte „Wunderkinder“ – junge Talente und Agenten – werden ebenso eingesetzt wie klassische Honigfallen (Sexualkontakte zur Erpressung). Die Behörden waren jahrelang großzügig: Dutzende „Diplomaten“ in Berlin waren in Wahrheit verdeckte Agenten. Erst spät – nach wiederholten Provokationen – wurden größere Ausweisungswellen eingeleitet. Das Kapitel schildert konkrete Fälle von Landesverrat: Etwa ein BND-Mitarbeiter in Berlin, der geheime Dokumente an Moskau verriet, oder ein Bundeswehr-Reservist, der jahrelang Infos an russische Kontakte lieferte. Besonders spektakulär ist der Fall Jan Marsalek, der vom Börsenwunderknaben (Wirecard-Vorstand) zum flüchtigen Agenten wurde. Marsalek tauchte 2020 unter und steht im Verdacht, russische Spionageringe in Europa anzuleiten. Die Autoren schildern seine James-Bond-artige Flucht nach Russland, seine Kontakte zum GRU und sogar, wie er unter falscher Identität (als angeblicher orthodoxer Priester) in Russland weiterlebte. Seine Chatprotokolle, so wird enthüllt, zeigen Planungen, etwa ukrainische Soldaten auf einer US-Basis in Baden-Württemberg auszuspionieren – genau jene Operation, die bereits im Einleitungsszenario angedeutet wurde. Durch solche Beispiele verdeutlichen Bingener und Wehner, dass Deutschlands Sicherheit im Fadenkreuz ausländischer Dienste steht. China kommt ebenfalls vor:
Ein ganzer Abschnitt widmet sich Pekings industrialisiertem Ausspähen („Peking spioniert für den ,Chinesischen Traum‘“) – inklusive des bekannten Wirtschaftskrimis um Wirecard, der sich als Spionagethriller entpuppt hat. Das Kapitel schließt mit der ernüchternden Erkenntnis: Die Illegalen „sind unter uns“, und Deutschland hat lange gezögert, entschieden dagegen vorzugehen.
Kapitel 2: Das Kapern der Eliten – Die Fortsetzung der Moskau-Connection. Hier beleuchten die Autoren die Infiltration politischer und wirtschaftlicher Eliten durch autokratische Einflüsse. Anknüpfend an ihr vorheriges Buch „Die Moskau-Connection“, werden Netzwerke aufgezeigt, die bis in etablierte Parteien reichen.
So decken sie etwa das „Russland-Netzwerk in der CDU“ auf: Netzwerker, die seit den 2000er Jahren prorussische Politik förderten. Ein Beispiel ist eine dubiose Russland-Konferenz der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, bei der prorussische Akteure Einfluss nahmen. Ebenso im Fokus: die Verbindungen eines deutschen Journalisten zu einem russischen Oligarchen – ein Fall, der die Grenzen zwischen Medien und Lobbyismus verschwimmen lässt. Bingener/Wehner nennen auch konkrete Namen und Ereignisse:
Etwa die Rolle von Gerhard Schröder, der als Ex-Kanzler zum Gaslobbyisten wurde, und wie dessen Umfeld (Beraterfirmen, Vertraute) weiter russische Interessen in Berlin vertritt. Zudem schildert das Kapitel, wie Halbherzig die von Kanzler Scholz ausgerufene „Zeitenwende“ tatsächlich ausfiel. Beispielsweise musste Bundespräsident Steinmeier 2022 öffentlich Fehler in seiner Russland-Politik eingestehen (seine „Rettung“ der eigenen Reputation wird thematisiert). Trotz der Schocks des Ukraine-Krieges verlief der Abschied von alten Illusionen über Russland zögerlich – deshalb sprechen die Autoren von einer nur halbherzigen Zeitenwende.
Das Kapitel argumentiert, dass autokratische Einflussnahme jahrelang unterschätzt wurde, weil wirtschaftliche Interessen (Stichwort: Gasdeals, „Seidenstraße bis Berlin“) und politische Bequemlichkeit Vorrang hatten. Diese Versäumnisse der Eliten eröffnen Moskau & Co. erst die Gelegenheit, Deutschland zu „kapern“.
Originalzitate von Beteiligten und Insider-Informationen untermauern diese These. So zitieren die Autoren z.B. aus einem Briefwechsel rund um die Adenauer-Stiftung 2022, in dem ein russlandnaher Akteur versuchte, Einfluss auf deutsche Personalentscheidungen zu nehmen. Die Moskau-Connection lebt fort – und dieses Kapitel zeigt detailliert, wie.
Kapitel 3: Lizenz zum Töten – Russlands politische Morde. In diesem Kapitel zeichnet das Buch die blutige Spur der Kreml-Auftragsmorde nach. Bingener und Wehner stellen die aktuellen Fälle in den historischen Kontext der KGB-Tradition. Sie berichten von „Ein Mörder wird ausgetauscht“ – dem Tausch eines russischen Auftragskillers gegen deutsche Gefangene, was an düstere Agentenromane erinnert. Dann „Ein Mord in Deutschland“: Hier geht es um den berüchtigten Tiergarten-Mord 2019 in Berlin, bei dem ein Tschetschene im Auftrag Moskaus einen Exil-Georgier erschoss. Der Prozess um diesen Fall (der Mörder wurde als russischer Offizier identifiziert) belegte eindrücklich, dass Russland vor Staatsterror auf deutschem Boden nicht zurückschreckt. Weitere Fälle: der Giftmord an Ex-Agent Alexander Litwinenko in London (2006), der Giftanschlag auf Sergej Skripal 2018 in Salisbury – beides Beispiele, die zeigen, dass Putin-Regime-Kritiker weltweit nicht sicher sind. Auch Verdachtsfälle in Deutschland werden geschildert: etliche ungeklärte Todesfälle oppositioneller Russen im Exil, bei denen immer ein langer Arm Moskaus vermutet wird (z.B. der mysteriöse Tod eines russischen Journalisten 2021 in Berlin, den das Buch erwähnt). Die Autoren zitieren aus offiziellen Berichten und Ermittlungsakten, um zu zeigen, wie skrupellos diese „Lizenz zum Töten“ genutzt wird. Sie weisen darauf hin, dass rund um diese Morde oft Agentennetze in Westeuropa zum Vorschein kommen – sei es das FSB-Killerkommando hinter dem Tiergarten-Mord oder das GRU-Team, das Alexej Nawalnyj 2020 mit Nowitschok vergiftete (und dank investigativer Journalist*innen enttarnt wurde). Das Kapitel macht deutlich: Politischer Mord ist für Putin ein Werkzeug, um Gegner auszuschalten, und Deutschland ist im erweiterten Kampfgebiet dieses neuen Kalten Krieges. Deutsche Sicherheitsbehörden haben daraus Konsequenzen gezogen (etwa die Ausweisung zahlreicher Diplomaten/Agenten nach dem Tiergarten-Fall), doch die Gefahr bleibt akut.
Kapitel 4: Brände, zerstörte Kabel, Einmal-Agenten – Das neue Gesicht der Sabotage. Im vierten Kapitel rückt die physische Sabotage ins Blickfeld. Die Autoren schildern eine Reihe bislang wenig beachteter Angriffe auf Deutschlands Infrastruktur und Industriegüter. „Low Level, high risk“ – nach diesem Motto agieren die Saboteure:
Oft sind es kleine Aktionen mit großer Wirkung. Ein Beispiel: 2022 legten unbekannte Täter durch das Durchtrennen wichtiger Deutsche-Bahn-Kabel zeitweise den Zugverkehr lahm – ein Anschlag, der anfangs als rechtsextremer oder „innerer“ Terror galt, inzwischen aber Hinweise auf ausländische Geheimdiensttäter aufweist. Das Buch berichtet auch vom brisanten Fall eines brennenden Pakets am Flughafen Halle/Leipzig: Ein harmloses Massagekissen aus China entpuppte sich als Brandsatz, offenbar als Testlauf für Anschläge auf Frachtflüge. Die Polizei fand heraus, dass identische Inhalte – Massagegerät und Erotikartikel – an verschiedenen Orten gezündet werden sollten, mutmaßlich gesteuert von russischen Stellen.
Der Begriff „Einmal-Agenten“ spielt auf helfende Hände an: Personen ohne feste Agentenlaufbahn, die für einen einzelnen Sabotageauftrag rekrutiert werden und danach abtauchen. So berichten Bingener/Wehner etwa über ukrainische Staatsbürger, die unter falscher Flagge von Russland angeheuert wurden, um Waffenlieferungen in Deutschland zu sabotieren – zwei in Deutschland lebende Russlanddeutsche wurden tatsächlich 2023 festgenommen, als sie versuchten, Militärtransporte für Anschläge auszuspähen.
Auch die Verwundbarkeit unserer Kritischen Infrastruktur wird analysiert: Unterseeinternetkabel, Gaspipelines, Stromnetze – all das haben Moskau und Peking im Visier.
Das Kapitel nennt als warnendes Beispiel die ominöse „Schattenflotte“ von Schiffen und U-Booten, die unter russischer Kontrolle angeblich die Westeuropäischen Kommunikationskabel kartieren. Ebenso erwähnt: die Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines 2022, die als hybride Sabotageakte das Vertrauen erschütterten (auch wenn die Urheberschaft bis heute umstritten ist, thematisiert das Buch das geopolitische Motiv solcher Sabotage). Insgesamt wird deutlich: Sabotage ist das „neue Gesicht“ des Krieges, weil offene militärische Angriffe zu auffällig wären. Der stille Krieg findet im Verborgenen statt – hier ein Brand, dort ein zerstörtes Kabel, dort ein einzelner Giftanschlag – doch in Summe ergibt sich ein erschreckendes Muster.
Kapitel 5: Die Armeen der Hacker – Moskau und Peking greifen im Cyber-Raum an. Dieses Kapitel beleuchtet die digitale Front. Russland und China verfügen über ganze „Armeen“ von staatlich gelenkten Hackern, die täglich im Netz zuschlagen. Bingener und Wehner führen die Leser in die Schattenwelt von Gruppen wie „Fancy Bear“ oder „Cozy Bear“ (im russischen Kontext oft schlicht „die Bären“ genannt) und ihren chinesischen Pendants („APT“-Gruppen, im Buch als „Pandas“ bezeichnet).
Sie schildern berühmte Cyber-Angriffe: etwa den Hack des Deutschen Bundestages 2015, bei dem russische Angreifer (mutmaßlich GRU-nahe Hacker) massenhaft Daten aus dem Parlament stahlen. Ebenso werden Attacken auf deutsche Parteien vor wichtigen Wahlen erwähnt – beispielsweise der Hackerangriff auf die IT-Infrastruktur der CDU und SPD vor der Bundestagswahl.
Die Autoren beschreiben das Ökosystem der Hacker:
Ein Zusammenspiel aus Geheimdiensten, kriminellen Banden (die teils im Dienst der Staaten stehen) und einer Grauzone von IT-Söldnern.
Dabei zeigen sie, dass Russland und China unterschiedliche Ziele verfolgen:
Moskau betreibt oft politisch motivierte Sabotage und Spionage (etwa das Lahmlegen von Behördenseiten oder das Stehlen von NATO-Geheimnissen), während
Peking vorrangig wirtschaftlich-technologisch spioniert (Industriespionage, Diebstahl von Firmengeheimnissen für den „Chinesischen Traum“ der Modernisierung).
Doch beide Armeen eint ihr schädliches Potenzial. Eines der eindrücklichsten Beispiele: Die „Raubzüge der Bären und Pandas“, bei denen parallel russische Hacker z.B. Krankenhäuser lahmlegen (Stichwort Ransomware) und chinesische Hacker Impfstoff-Forschung stehlen. Dieses Kapitel erläutert auch technische Aspekte in verständlicher Sprache – von Phishing bis Zero-Day-Exploits – und verdeutlicht dem Laien, wie verletzlich unsere vernetzte Welt geworden ist. Originalzitate aus Expertenstudien untermauern die Analyse, etwa eine Studie, laut der selbst nach offiziellen Verboten RT Deutsch weiterhin mit Desinformation auf sozialen Medien Millionenpublikum erreicht.
Insgesamt wird klar: Im Cyber-Raum herrscht längst Krieg, auch wenn er still verläuft – und Deutschland war oft unvorbereitet.
Kapitel 6: Desinformation – Eine weiche Waffe trifft Deutschland hart. Russland führt Krieg, ohne offiziell Krieg zu führen – mit Worten, Bildern und Halbwahrheiten. Dieses Kapitel zeigt, wie Desinformation zur Waffe wird, die die Köpfe der Menschen zum Schlachtfeld macht. Die Autoren beschreiben zunächst, wie Propaganda im digitalen Zeitalter funktioniert.
In den sozialen Medien priorisieren Algorithmen kontroverse, aufwühlende Inhalte, um die Aufmerksamkeit zu fesseln – egal, ob wahr oder falsch. Hier setzen Akteure wie der russische Staat an:
Man kann Inhalte, die den eigenen Interessen dienen, auf den Plattformen künstlich verstärken, bis die algorithmische Dynamik sie von selbst weiter verbreitet. Das Buch nennt konkrete Fälle:
Die berüchtigte „Doppelgänger“-Kampagne, in der russische Akteure deutsche Nachrichtenportale täuschend echt imitierten, um Falschmeldungen zu verbreiten (so wurden etwa erfundene Geschichten über angebliche Verbrechen ukrainischer Flüchtlinge in Umlauf gebracht). Außerdem die russische Einmischung in Wahlkämpfe westlicher Länder: Der US-Wahlkampf 2016 wird kurz gestreift, vor allem aber die
Beeinflussungsversuche bei der Bundestagswahl – etwa die massenhafte Verbreitung pro-AfD- und Anti-Merkel-Propaganda durch Trollfarmen.
Interessant ist auch ein Blick auf Nahost: Ein Berliner Internetportal, das aggressive Inhalte der palästinensischen Hamas verbreitete, entpuppte sich als von Russland gesteuert – ein Beispiel, wie Moskau über Umwege versucht, in Deutschland Zwietracht zu säen. Bingener/Wehner betonen, dass Desinformation auf fruchtbaren Boden fällt, wo bereits Unsicherheit herrscht. Etwa griffen russische Medien gezielt Ängste während der Flüchtlingskrise 2015 auf, um Stimmung gegen Merkels Regierung zu machen. Oder sie verbreiteten Verschwörungstheorien in der Corona-Pandemie, was Teile der deutschen Querdenker-Szene radikalisierte.
Das Kapitel enthält eindringliche Zitate, z.B. „Das Schlachtfeld sind die Köpfe“ – ein Satz, der deutlich macht, dass der Informationskrieg letztlich unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit angreift. Die Autoren erklären auch die Funktionsweise von Propagandazentren wie dem „Russischen Haus“ in Berlin (ein Kulturinstitut, das laut Buch als subtile PR-Station Moskaus fungiert). Insgesamt lernen wir: Diese weiche Waffe der Lügen und Halbwahrheiten richtet verblüffend harten Schaden an – sie spaltet die Gesellschaft, sät Zweifel an der Demokratie und kann politische Entscheidungen beeinflussen. Deutschland hat die Gefahr erst spät erkannt; inzwischen werden Gegenmaßnahmen ergriffen (Taskforces, bessere Faktenchecks etc.), doch der Kampf ist asymmetrisch und zäh.
Anm.
M.e. sind noch deutlich schlimmer die subtilen Kommentare die sich millionenfach in den sozialen Netzwerken finden, Youtube, Facebook, Linkedin, die Beleidigen, Demotivieren, Übermoralisieren etc.. das funktioniert noch viel subtiler und Besser.
https://www.isdglobal.org/isd-publications/the-greens-as-enemies-during-the-gas-price-crisis-2022-second-methodological-exploration-in-the-notorious-project/
https://www.isdglobal.org/isd-publications/caution-manipulated-a-guide-for-communication-managers-from-mps-offices-ministries-and-authorities/
https://journalistik.online/ausgabe-2024/gegenerzaehlungen-fuer-selberdenker/

https://innovationhub-act.org/wp-content/uploads/2023/12/20210113_CW-Final-v2-.pdf
Eine Idee:
Der Dialog beginnt, wo die Diskussion aufhört.
Der Dialog ist eine neue Form des Gesprächs. Hier werden weniger Argumente ausgetauscht, sondern Horizonte eröffnet. Der Dialog ist eine Chance, Neues zu entdecken, keine Garantie, Altes zu bewahren.
Der Physiker David Bohm, von dem Einstein sagte, er sei der einzige, der über die Quantentheorie hinauskommen könne, war nicht nur ein berühmter Naturwissenschaftler, sondern auch ein Philosoph im ursprünglichen Sinne. Er gab dem Gespräch, dem Dialog seine Tiefe zurück, die ihm im Zeitalter der Kommunikation und Diskussion abhanden gekommen ist.
https://www.klett-cotta.de/produkt/der-dialog-9783608988369-t-8713

Kapitel 7: Putins Querfront – Die AfD und Sahra Wagenknecht. Russland hat Verbündete im Westen – und die müssen keineswegs ideologisch deckungsgleich sein. Dieses Kapitel untersucht, wie der Kreml sowohl rechtsextreme als auch links-populistische Kräfte in Deutschland fördert, um die Demokratie zu destabilisieren.
Der Begriff „Querfront“ beschreibt die unheilige Allianz zwischen scheinbar gegensätzlichen Randgruppen, die sich in ihrer Anti-Establishment-Haltung treffen. Bingener und Wehner zeichnen nach, wie Moskau eine „rechtsextreme Internationale“ unterstützt: Von Marine Le Pen in Frankreich über die FPÖ in Österreich bis zur AfD in Deutschland. Konkret wird etwa dargelegt, wie AfD-Politiker regelmäßig nach Moskau pilgerten und dort hofiert wurden. Auch finanzielle Spuren werden benannt –
ein Kapitel-Unterpunkt heißt „Geld aus Moskau? Der Fall ,Voice of Europe‘“: Dahinter verbirgt sich der Verdacht, dass ein vermeintlich unabhängiges rechtsgerichtetes Nachrichtenportal mit russischem Geld betrieben wurde, um EU-kritische Narrative zu verbreiten. Im Buch wird zudem der Europaabgeordnete Maximilian Krah (AfD) erwähnt, der enge Kontakte nach China pflegt („die China-Connection der AfD“).
Es entsteht das Bild, dass die AfD sowohl von russischer als auch chinesischer Seite als politischer Einflusskanal gesehen wird. Die Autoren weisen beispielsweise darauf hin, dass bestimmte Narrative aus einem russischen Strategiepamphlet fast wörtlich in AfD-Rhetorik auftauchen – etwa die
Behauptung einer „mutwilligen Deindustrialisierung Deutschlands“, die Björn Höcke propagiert. Auch persönliche Verbindungen kommen zur Sprache: Ein AfD-Mitarbeiter entpuppte sich als russischer Einflussagent in der Bundestagsfraktion, der sensible Informationen weitergab (der Fall wird detailliert beschrieben). Ebenso brisant: „Musik in Putins Ohren – Der Fall Moosdorf“ handelt von einem rechtsextremen Aktivisten, der für Moskau Propaganda machte.
Auf der linken Seite beleuchten Bingener/Wehner vor allem Sahra Wagenknecht, die langjährige Galionsfigur der Linkspartei, die mit ihrer kremlfreundlichen Rhetorik auffällt. Untertitel wie „Querfront von Moskaus Gnaden?“ lassen erkennen, dass die Autoren skeptisch sind, ob Wagenknechts Positionen tatsächlich unabhängig sind. Sie beschreiben, wie russische Staatsmedien Wagenknecht positiv herausstellen und wie ihre Forderungen (z.B. gegen Waffenlieferungen an die Ukraine) perfekt in Putins Strategie passen. Weiterhin werden russlanddeutsche Communities in Deutschland analysiert: Hier rekrutiert Moskau gezielt Sympathisanten („Aktivisten und Influencer“), die in sozialen Medien prorussische Inhalte streuen. Insgesamt enthüllt dieses Kapitel ein Netzwerk von Ideologen, die – bewusst oder unbewusst – zu Moskaus Steigbügelhaltern werden.
Die Neue Rechte und antiwestliche Linke eint die Ablehnung des liberalen „Systems“ – und Russland nutzt diese Nützlichen Idioten (so nennen es die Autoren in Anklang an Lenins berühmtes Bonmot) für seinen Informationskrieg.
Die politische Sprengkraft ist enorm, denn so dringen Kreml-Narrative mitten in den demokratischen Diskurs vor.
Kapitel 8: Migration als Waffe – Wenn Diktaturen zu Schleusern werden. Autokraten bedienen sich auch menschlichen Leids als Druckmittel – dies zeigen Bingener und Wehner am Beispiel der gesteuerten Migration.
Zunächst widmen sie sich „dem Beispiel der Tschetschenen“: In den 2010er Jahren kamen zehntausende Menschen aus Tschetschenien nach Deutschland – offiziell Flüchtlinge, tatsächlich oft vom Regime Kadyrow gelenkte oder beeinflusste Personen. Das Buch legt dar, dass Kadyrows Gefolgsleute hier im Untergrund ein Netzwerk der organisierten Kriminalität aufgebaut haben.
Untertitel wie „Statthalter Kadyrows in Deutschland“ und „Tschetschenen in der organisierten Kriminalität“ lassen erahnen, welche Szenen beschrieben werden: Erpressung in der Exil-Community, Auftragsgewalt gegen Regimegegner, und sogar Einfluss auf Moscheegemeinden. Die Autoren schildern einen besonders alarmierenden Fall: Kadyrow-treue Schergen verfolgten einen Oppositionellen bis nach Deutschland und sollen geplant haben, ihn hier zu ermorden – eine Bedrohung, die vom deutschen Verfassungsschutz gerade noch vereitelt wurde.
Weiterhin blicken Bingener/Wehner nach Osteuropa:
„Lukaschenkos Migrationsattacke auf die EU 2021“ – hierbei hatte der belarussische Diktator gezielt tausende Flüchtlinge aus Krisenregionen an die polnische und litauische Grenze gebracht, um die EU unter Druck zu setzen. Das Buch beschreibt eindrücklich die humanitäre und sicherheitspolitische Zwickmühle, in die diese Form der hybriden Kriegsführung die Europäer brachte. Auch Russland selbst wird aktiv: Im Kapitel ist von einer „Polarroute, die zweite“ die Rede – ein Bezug darauf, dass 2022/23 wieder vermehrt Flüchtlinge über ungewöhnliche Routen (etwa über die norwegisch-russische Grenze per Fahrrad) in den Norden gelangen, mutmaßlich mit Russlands Duldung oder Förderung. Zudem thematisieren die Autoren den russischen Einfluss in Afrika, z.B. im Niger, wo russische Söldner (Wagner-Gruppe) Unruhen schüren und dadurch Migrationsströme nach Europa auslösen möchten. Anm. Hier gehts natürlich auch um URAN.
All dies untermauert die Kernthese: Autoritäre Regime instrumentalisieren Migration als Waffe.
Menschen werden zu Bauern auf dem geopolitischen Schachbrett – ob syrische Kriegsflüchtlinge, die Erdogan nach Europa zu schleusen droht, oder Geflüchtete aus Afghanistan, die plötzlich via Belarus auftauchen. Die Autoren loben durchaus, was die EU hier inzwischen unternimmt (etwa die Abschottung der Ostgrenze 2021), betonen aber, dass diese Angriffe nur in einem größeren Kontext abzuwehren sind – indem man die Stabilität in den Herkunftsregionen fördert und gleichzeitig den eigenen Zusammenhalt stärkt. Deutschland, so die Warnung, darf nicht naiv bleiben: Jede neue Flüchtlingskrise könnte von Moskau, Minsk oder Ankara gezielt entfacht sein.
Für die Bürger und AFD Wähler… –> Bildung würde helfen.
https://www.fischerverlage.de/buch/hein-de-haas-migration-9783596712250
Kapitel 9: Wolfsgrüße aus Ankara – Erdogans Ethnopolitik. Im letzten inhaltlichen Kapitel richten Bingener und Wehner den Blick auf die Türkei. Präsident Erdoğan betreibt in ihren Augen eine aggressive Diaspora- und Identitätspolitik, die sie als „Wolfsgrüße aus Ankara“ bezeichnen – eine Anspielung auf die ultranationalistischen Grauen Wölfe, deren Gruß Erdoğans Anhänger gelegentlich zeigen. Das Kapitel schildert, „wie der geopolitische Schwenk der Türkei bis in deutsche Moscheen wirkt“. Gemeint ist: Nachdem sich die Türkei außenpolitisch von Europa ab- und mehr Russland und dem eigenen Osmanismus zugewandt hat, trägt sie diesen Konflikt nun in die Community der rund drei Millionen Deutschtürken. Die staatliche türkische Religionsbehörde DİTİB kontrolliert viele Moscheevereine in Deutschland – und laut den Autoren nutzen Ankara-treue Imame und Funktionäre diese Plattformen, um türkische Regierungspropaganda zu verbreiten. So wurde während Erdoğans umstrittenem Verfassungsreferendum 2017 in deutschen Moscheen offen für ein „Ja“ geworben. Das Buch erklärt Erdoğans Konzept von Integration: Statt echter Integration setzt er auf „Machtmittel Religion“ – die türkisch-muslimische Identität soll erhalten bleiben und eher die Loyalität zu Ankara stärken als zu Deutschland. Kritiker sehen darin eine bewusste Parallelgesellschaft-Förderung. Bingener/Wehner führen Beispiele an, wie türkische Nationalisten in Deutschland Andersdenkende einschüchtern: In deutschen Städten kam es zu Demonstrationen, bei denen regierungskritische Deutschtürken von Erdogan-Anhängern bedroht wurden. Auch der Export türkischer Konflikte wird greifbar: etwa wenn pro-kurdische Versammlungen in Deutschland von türkischen Ultranationalisten gestört werden.
Besonders pikant: der Einfluss des türkischen Geheimdienstes MIT, der in Deutschland spioniert und Dissidenten überwacht (und laut Autoren sogar Entführungspläne gegen Gülen-Anhänger diskutierte). Dieses Kapitel ergänzt somit das Gesamtbild des stillen Krieges: Nicht nur Russland oder China, sondern auch NATO-Partner wie die Türkei bedienen sich teils dubioser Mittel, um in Deutschland Macht über die eigene Diaspora auszuüben und geopolitische Ziele voranzutreiben. Damit schließen die Autoren den Kreis: Von Moskau bis Ankara – überall testen Autokraten, wie weit sie gehen können. Deutschland sieht sich inmitten eines neuen globalen Machtkampfs, der im Verborgenen ausgetragen wird.
Schluss: In ihrer Schlussbetrachtung warnen Bingener und Wehner eindringlich vor weiterem Zaudern. Sie resümieren, dass der Westen sich in einem verdeckten Krieg befindet, den er lange nicht wahrhaben wollte. Doch nun sei Aufwachen angesagt: „In der ,Zeitenwende‘ wird der Westen durch einen verdeckten Krieg zunehmend bedroht“, schreiben sie – und fordern eine neue Robustheit und Aufklärung als Antwort.
Deutschland und Europa beginnen zwar gegenzusteuern (durch schärfere Sicherheitsgesetze, Investitionen in Abwehr und intensivere Aufklärung der Bevölkerung über Fake News), aber es werde ein „langer Atem“ nötig sein. Die Autoren betonen, dass offene Gesellschaften ihre Werte verteidigen müssen, ohne sie selbst aufzugeben. Sie zeigen auch positive Ansätze:
Etwa wie Schweden und die baltischen Staaten konsequent Desinformation entlarven, wie der deutsche Cyber-Abwehrchef Hackerangriffe proaktiv kontert, oder wie die EU zumindest versucht, mit Sanktionen und Regulierung (z.B. gegen RT und via Digital Services Act) den Infokrieg einzudämmen. Dennoch bleibt der Tenor ernst: Wir stehen am Anfang einer entscheidenden Auseinandersetzung.
Die demokratischen Institutionen müssen widerstandsfähiger werden, Geheimdienste und Polizei müssen vernetzter denken, die Zivilgesellschaft muss sensibilisiert werden. Bingener und Wehner enden mit einem Appell an die Leser – Bürger wie Entscheider gleichermaßen –, die Augen nicht mehr zu verschließen. Dieser stille Krieg mag unheimlich sein, aber er muss geführt und gewonnen werden, wenn Freiheit und Rechtsstaat Bestand haben sollen. Das Dossier, das dieses Buch liefert, rüttelt auf und mahnt: Nur wer die Gefahr erkennt, kann handeln. Angesichts der Fülle an belegten Fällen und Zitaten (zahlreiche Originalquellen untermauern jede Aussage) dürfte eines klar werden: Wegschauen ist keine Option mehr.
Anm. Wer mir hier deutlich zu milde weg kommt, die Tech Bros –> aber das folgt im nächsten Buch und in den Links.
https://www.upress.umn.edu/9781517918149/cyberlibertarianism/
https://medien.epd.de/article/3999
Krieg der Medien – Dark Tech und Populisten übernehmen die Macht (Martin Andree)
Wir sollten nie vergessen, dass wir die Welt stets durch unsere eigene Brille sehen – schon Marc Aurel mahnte, unsere Wahrnehmung kritisch zu hinterfragen.
Kurzeinstieg: „Krieg der Medien“ – was für ein drastischer Titel. Doch Medienwissenschaftler Martin Andree lässt keinen Zweifel: Wir befinden uns bereits in einem solchen Krieg, auch wenn noch kein Schuss fällt. Hier kämpfen keine Armeen mit Panzern, sondern Tech-Konzerne mit Algorithmen und Populisten mit Propaganda. In diesem Buch wird der Leser Zeuge eines gewaltigen Umbruchs: Die digitale Revolution hat ein neues Schlachtfeld geschaffen – die öffentliche Meinung. Andree entführt uns in eine nah-düstere Gegenwart, in der Dark Tech (damit meint er die übermächtigen digitalen Plattformen wie Facebook, X (Twitter) und YouTube) und Populisten gemeinsam die Regeln des Diskurses umschreiben. In einem beinahe manifestartigen Ton warnt er:
Europa droht diesen Krieg der Medien zu verlieren – und mit ihm die Demokratie. Das Buch liest sich leidenschaftlich, polemisch und alarmierend. Gleich zu Beginn malt Andree Szenarien, die unlängst Realität wurden: Ein wütender Mob stürmt das Kapitol in Washington, aufgehetzt durch Lügen in sozialen Netzwerken. Elon Musk – Tech-Milliardär und neuer Twitter-Besitzer – feuert online den britischen Brexit-Hardliner Farage an und fantasiert von Bürgerkrieg. In Deutschland buhlen rechte Influencer um Klicks, während die Mehrheit der Bürger kaum bemerkt, dass sich die digitale Öffentlichkeit in ein Schlachtfeld verwandelt hat. All das packt Andree in einen mitreißenden Text, der gleichermaßen analysiert und anklagt. Der Ton ist engagiert und bildhaft – man spürt, dass hier jemand eine Kampfschrift für die Demokratie vorlegt. Der Klappentext fasst es treffend zusammen: „Dark Tech und Populisten übernehmen die Macht. Und es geschieht genau jetzt.“ – Wer dieses Buch liest, wird soziale Medien nie wieder als harmlose Spielwiese betrachten.
Politische Einordnung: Martin Andree ist Professor für Medienwissenschaft und ein langjähriger Kritiker der Silicon-Valley-Konzerne. Ideologisch steht er klar auf der Seite liberal-demokratischer Werte, warnt aber vor einem blinden Vertrauen in den freien Markt der Meinungen.
Seine Diagnose: Die libertäre Ideologie von Teilen des Tech-Millieus (à la Musk oder Zuckerberg) verbündet sich mit dem Autoritarismus der Populisten – eine explosive Mischung. Der Campus Verlag, bekannt für gesellschaftskritische Sachbücher, bietet Andrees durchaus polemischem Stil eine Plattform. Dieses Buch ist keine nüchterne Studie, sondern eher ein flammendes Plädoyer. Es bedient sich teils drastischer Sprache, um den Ernst der Lage zu unterstreichen. Andree schreibt erkennbar aus einer pro-europäischen, zivilgesellschaftlich engagierten Perspektive. Er scheut nicht davor zurück, zentrale Akteure an den Pranger zu stellen: Trump, Musk, die AfD-Spitze (Weidel/Höcke) und andere nennt er beim Namen als „digitale Freiheitskämpfer“ in Anführungszeichen – sprich: als Heuchler, die unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit die liberale Ordnung demontieren. Das Buch ist ideologisch eindeutig in der Tradition der Aufklärung: Es verteidigt Pressefreiheit, plädiert aber für Regeln gegen digitale Monopole. Manche könnten Andree eine gewisse Alarmismus und Einseitigkeit vorwerfen – er schildert die Tech-Konzerne als fast dämonische Macht. Doch untermauert er seine Thesen mit einer Fülle an Beispielen und zieht Parallelen zur Geschichte (von totalitärer Propaganda bis zur Revolutionsrhetorik). Der Verlagsinteresse ist hier deckungsgleich mit Andrees Anliegen: Es geht darum, Politik und Öffentlichkeit wachzurütteln, bevor es „zu spät“ ist. Dass Andree bereits Preise für Pressefreiheit erhielt (u.a. den Günter-Wallraff-Preis) und sich wissenschaftlich seit langem mit Big Tech beschäftigt, verleiht seinem leidenschaftlichen Ton Glaubwürdigkeit. Dieses Buch ist mehr Manifest als neutrale Analyse – aber ein Manifest, das auf Fakten baut. Es liegt nahe, dass Campus und Autor damit gezielt Entscheidungsträger adressieren: Seht her, was im digitalen Raum passiert, und handelt jetzt! Nähe zur Realität hat das Buch in dem Sinne, dass es reale Entwicklungen bis 2025 aufgreift (Musk’s Twitter-Übernahme 2022, die Erstürmung des Kapitols 2021, der Bundestagswahlkampf 2021 etc.) und sie pointiert zusammenführt. Ideologisch ist es der Warnruf eines Liberaldemokraten, der dem libertären „Anything goes“ im Netz eine Absage erteilt. Man spürt beim Lesen, dass hier einer streitet – für regulierte Freiheit, für eine Rückeroberung der Diskurshoheit durch die demokratische Gesellschaft.
Einleitung: Andrees Einleitung trägt den bezeichnenden Zwischentitel: „Bürgerkrieg ist unvermeidlich“. Das ist tatsächlich ein Zitat – nicht von einem Spinnerten, sondern vom Tech-Mogul Elon Musk, der dies 2024 während britischer Unruhen twitterte. Andree nutzt dieses Zitat als Aufhänger, um zu zeigen: Die Apokalyptiker sitzen heute in Nadelstreifen und Kapuzenpullis im Silicon Valley. Er beschreibt eingangs die Ausschreitungen in Großbritannien im August 2024, wo es zu Gewalt auf den Straßen kam – angeheizt durch den rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson und befeuert von Musks Plattform X (Twitter). Musks Fazit auf Twitter: „Civil war ist unvermeidlich.“ Dies ist für Andree der Paukenschlag: Er stellt klar, dass der „Krieg der Medien“, um den es hier geht, kein abstraktes Theoriegebilde ist, sondern spätestens seit dem Sturm aufs US-Kapitol 2021 zu sehr realen Krawallen und Gewalttaten führt. Medien (im Sinne von sozialer und digitaler Medien) wirken hier direkt in die physische Welt hinein. Andree definiert diesen Krieg der Medien als einen Kampf, „bei dem sich die Macht der Big-Tech-Plattformen mit populistischen Kräften verbündet hat.“ Diese ungewöhnliche Allianz bildet den roten Faden des Buches. Bereits in der Einleitung macht er deutlich, wer die Hauptgegner sind: Auf der einen Seite die etablierten, kuratierten Medien (klassische Presse, öffentlich-rechtlicher Rundfunk, wissenschaftliche Expertokratie), auf der anderen Seite die neuen Plattformen mit ihrem Laissez-faire plus die Populisten, die jede Inhaltsmoderation als „Zensur“ brandmarken. Er formuliert provokativ: Europa ist dabei, diesen Krieg zu verlieren.
Wir verlieren ihn – und damit unsere Demokratie – weil wir bis heute nicht verstanden haben, was hier überhaupt passiert. Andree beklagt eine gefährliche Blindheit. Ein prägnantes Bild liefert er gleich zu Beginn: „Medien sind uns als Thema nicht wirklich wichtig. Sachen sind uns wichtig – aber MEDIEN??? WTF? Who cares?“ – Mit diesem sarkastischen O-Ton zeigt er, dass die breite Öffentlichkeit die Veränderungen im Mediensektor unterschätzt hat. Die Einleitung strotzt vor solcher zugespitzten Rhetorik. Andree nimmt den Leser quasi bei der Hand und sagt: Schau hin, das ist kein Nerd-Thema, das ist entscheidend! Bereits hier skizziert er die vier Phasen des Medienkriegs (die er später ausführt) und warnt vor einer historischen Zäsur: Er vergleicht die aktuelle digitale Transformation mit früheren Medienrevolutionen und prognostiziert, dass diesmal die Demokratie selbst auf dem Spiel steht. Kurzum, die Einleitung ist ein Weckruf in grellen Lettern – man wähnt fast einen Redner auf der Bühne, der „Alarm“ ruft.
Kapitel 1: Die Kampfzone. In diesem ersten Kapitel beschreibt Andree das neue Schlachtfeld: die digitale Medienordnung. Untertitelt mit „Game over, Demokratie?“ und „Die digitale Medienrevolution“ erklärt er, wie soziale Netzwerke und Online-Plattformen die bisherigen Regeln des Informationsaustauschs umgewälzt haben. Früher hatten professionelle Redaktionen eine Filterfunktion; heute jedoch setzen Dark Tech (so nennt er die großen Tech-Konzerne) und Populisten die Regeln des Diskurses. Andree spricht von einer „digitalen Öffentlichkeit“, die nicht mehr demokratisch kontrolliert wird, sondern von Konzernalgorithmen bestimmt ist. Er legt dar, dass Facebook, YouTube & Co. – angetrieben von Werbeerlösen – extreme und emotionale Inhalte bevorzugen, wodurch moderate Stimmen untergehen. Bereits hier fällt das Kernszenario: „Dark Tech kontrolliert die digitale Öffentlichkeit.“ Mit diesem Satz fasst er zusammen, dass Plattformen faktisch zu den neuen Gatekeepern geworden sind. Populisten wiederum haben gelernt, dieses System auszunutzen: Sie verbreiten ihre simplen, polarisierenden Botschaften viral und umgehen die klassischen Medien. Andree schildert anschaulich, wie z.B. Donald Trump 2016 Social Media nutzte, um an den etablierten Medien vorbei seine Anhänger zu mobilisieren – das Game over für das alte Kommunikationsmodell, in dem Journalisten die Agenda setzten. Ein eindrückliches Beispiel: Andree erinnert daran, wie Trump CNN in einem Meme-Video verprügelte und fortan jeden kritischen Bericht als „Fake News“ diffamierte. So eroberte er die „Kampfzone“ der öffentlichen Meinung. Der Autor erläutert auch technische Aspekte: Etwa wie Algorithmische Feeds funktionieren (Facebook sortiert Inhalte nach Aufmerksamkeitswert, nicht Wahrheitsgehalt) und wie Trolle & Bots als Infanterie fungieren. Kapitel 1 macht deutlich, dass unsere Demokratie in eine neue Umgebung geworfen wurde, ohne zunächst die Waffen dafür zu haben. Andrees Tonfall bleibt kämpferisch: Er spricht die Leser direkt an, fragt provokant, ob sie verstanden haben, was auf dem Spiel steht. Am Ende des Kapitels zieht er das Fazit: Die demokratischen Kräfte haben zu lange tatenlos zugesehen – währenddessen haben Dark Tech und Populisten Fakten geschaffen.
Kapitel 2: Die Warlords. Jetzt geht Andree ins Personal. In diesem Kapitel identifiziert er die Hauptakteure des Medienkriegs, die er zuspitzend „Warlords“ nennt. Dazu zählt er einerseits Personen wie Donald Trump, Elon Musk oder in Deutschland die Führungsfiguren der AfD, andererseits aber auch die Tech-Konzerne selbst. Er spricht von einer „übermächtigen Allianz gegen die Demokratie“. Zunächst skizziert Andree die unheilvolle Wechselbeziehung zwischen Trump und Tech: „Wer ist Chef – Trump oder Tech?“ fragt er provokant. Er analysiert, dass Trump zwar die sozialen Medien meisterhaft nutzte (Twitter als direktes Machtinstrument), aber gleichzeitig auch vom Plattform-Kalkül profitierte – denn Skandale und Empörung (Trumps Spezialität) trieben die Engagement-Zahlen hoch, was den Plattformen profitierte.
So entstand eine Symbiose:
Trump lieferte den Zündstoff, Facebook & Co. verbreiteten ihn algorithmisch millionenfach weiter, weil Empörung = Klicks = Gewinn bedeutete. In dieser Phase 1 des Medienkriegs (um seine Phasenmetapher aufzugreifen) dachten viele noch, das Internet bringe mehr Demokratie. Doch Andree zeigt, dass in Wahrheit autoritäre Populisten sich darin besser zurechtfanden. Er zeichnet historisch vier Phasen nach (daher der Untertitel „Krieg der Medien – die vier Phasen“ im Inhaltsverzeichnis):
Von den Anfängen als reiner Verdrängungswettbewerb zwischen alten und neuen Medien, über die Phase der Instrumentalisierung durch Populisten, hin zur aktuellen Phase, wo
Tech selbst politisch agiert (etwa Musk als Twitter-Chef) und schließlich die Perspektive einer kommenden offenen Konfrontation.
Andree beleuchtet auch die Rolle Russlands in diesem Krieg:
In einem Abschnitt erläutert er, wie Russland früh begriff, dass es die offenen Plattformen nutzen kann, um Desinformation im Westen zu verbreiten und populistische Kräfte zu fördern (er nennt dies eine Taktik Moskaus, um den Westen zu spalten). So fügt er dem Bild der Warlords auch Putin bzw. den Kreml hinzu – allerdings eher als Drahtzieher im Hintergrund.
Sehr eindrücklich ist die Passage, in der Andree die
„Nahrungskette der nützlichen Idioten“ beschreibt:
Von
russischen Trollfabriken über rechts-alternative Influencer bis hin zu gutgläubigen Bürgern, die Lügen teilen – jeder füttert den nächsten mit Fehlinformation, und alle gemeinsam höhlen den demokratischen Diskurs aus. Namen werden hier reichlich genannt: Steve Bannon (Trumps Ex-Berater) kommt zu Wort mit einem Zitat, dass Geld und Information die taktischen Nuklearwaffen der modernen Politik seien – und Elon Musk beides in nie dagewesenem Ausmaß einsetzen könne. Bannon prophezeit laut Andree: Wenn Musk wollte, könnte er mit genug Geld jede europäische Nation auf populistischen Kurs bringen. Solche Originalzitate machen klar, dass dies keine Verschwörungstheorie des Autors ist, sondern dass die Protagonisten selbst ziemlich unverblümt von ihrem Plan sprechen. Zusammengefasst: Kapitel 2 personalisiert den Konflikt – wir erfahren, wer an den neuen Machtpulten sitzt, von Trump bis Zuckerberg, und wie sie einander nutzen. Andrees Urteil ist vernichtend: Diese Warlords eint kein ideologisches Programm außer Machthunger. Er skizziert sie beinahe als zeitgenössische Barone, die die digitale Welt unter sich aufteilen. Das Bild einer „Allianz“ zwischen radikalen Politikern und Tech-Oligarchen zieht sich durch: Es ist eine Zweckallianz, aber höchst effektiv.
Kapitel 3: Die Kampfziele. Nun fragt Andree: Was wollen diese Akteure erreichen? Hier geht er auf die ideologischen Grundlagen und Ziele der neuen Medienkrieg-Führer ein. Ein zentrales Element ist die libertäre Ideologie, die er insbesondere Elon Musk und Teilen der Tech-Szene zuschreibt. Unterpunkte wie „Die libertäre Zerstörung der Demokratie“ oder „Die große Erzählung der neuen Libertären“ zeigen, dass es um die philosophische Dimension geht. Andree argumentiert, dass hinter dem
Schlachtruf der „unbegrenzten Meinungsfreiheit“ eine Agenda steckt: die Abschaffung der liberalen Demokratie zugunsten einer ungezügelten, technokratischen Herrschaft. Er bezeichnet dies als „cyberlibertäre Abschaffung der Demokratie“, die bereits in vollem Gange sei. Das klingt zunächst paradox – denn Libertäre betonen ja Freiheit. Aber Andree zeigt: Absolute Meinungsfreiheit ohne jede Moderation nutzt am Ende den skrupellosesten Propagandisten. Er bringt Beispiele: Die Alt-Right-Bewegung in den USA, die unter dem Banner der Free Speech die sozialen Netzwerke flutete und damit moderatere Stimmen verdrängte. Oder in Deutschland die AfD, die jede Löschung von Hasskommentaren als Zensur deklariert und so die Plattformbetreiber einschüchtert. Andree macht deutlich, dass „Absolutismus der Meinungsfreiheit“ ein Selbstwiderspruch ist (diesen Gedanken greift er später in Kapitel 7 nochmals auf) – denn unbegrenzt zugelassene Parolen führen dazu, dass am Ende andere mundtot gemacht werden. In diesem Kapitel porträtiert er auch die Kultur der Trolle: Unter dem Abschnitt „Digitale Counter-Culture: Die Figur des Trolls“ erklärt er, wie eine
subversive Internet-Subkultur entstanden ist, die etablierte Diskurse bewusst sabotiert (z.B. mit Shitstorms, Memes, zynischer Ironie). Diese Trollkultur – ursprünglich „gegen das System“ – wurde jedoch laut Andree längst von rechten Demagogen vereinnahmt. Er zitiert etwa aus einschlägigen Troll-Foren und beschreibt die Psychologie dahinter: Gekränkte Freiheit, Instrumentalisierung der Abgehängten – so heißen zwei weitere Unterabschnitte. Damit meint er, dass viele Menschen, die sich von der modernen Gesellschaft abgehängt fühlen, in den digitalen Hassräumen Bestätigung suchen. So sind sie leichte Beute für Propagandisten. Das Kampfziel der Warlords ist also zweigeteilt: Die Tech-Konzerne streben nach totaler ökonomischer Kontrolle der Aufmerksamkeit (Monopolstellung, Eliminierung traditioneller Medien – dazu später mehr in Kap.4/5), während die Populisten nach politischer Macht streben, indem sie die Demokratie delegitimieren und sich als Volkstribune aufschwingen. Beide Ziele ergänzen sich: Eine geschwächte Demokratie kann Big Tech weniger regulieren; gleichzeitig ermöglichen Big Techs Strukturen den Populisten erst ihren Durchmarsch. Hier führt Andree etwa an, wie während der Corona-Zeit Verschwörer wie QAnon diese Synergie nutzten – Plattformen tolerierten Falschinfos lange, was populistische Bewegungen anschwellen ließ. Summiert: Kapitel 3 liefert die ideologische Entschlüsselung. Andree vergleicht die aktuelle Lage sogar mit Weimar: Damals nutzten extreme Kräfte die Freiheiten der Demokratie, um sie selbst abzuschaffen. Ähnliches – so seine Warnung – drohe in der digitalen Sphäre:
Die neue libertäre Counter-Culture verbünde sich faktisch mit Rechtsradikalen (wenn auch aus unterschiedlichen Motiven), und gemeinsam sägen sie am Ast der liberalen Ordnung. Zur Untermauerung zitiert er beispielsweise einen Kommentar,
wonach „effektive Massenpropaganda reale Bedürfnisse aufgreifen muss“ – selbst Goebbels wusste, dass man Unzufriedenheit im Volk nutzen muss. Andree überträgt diese Erkenntnis auf heute: Die Warlords instrumentalisieren echte soziale Ängste (Globalisierungsverlierer, Kulturängste) für ihre Agenda. Insofern, argumentiert er, ist ihre Strategie leider wirkmächtig, denn sie stößt ins Leere, das traditionelle Eliten hinterlassen haben.
Kapitel 4: Die Invasion. Hiermit ist die Eroberung zentraler Infrastrukturen gemeint – konkret: „die tiefere Bedeutung der digitalen Monopole“. Andree spricht vom „digitalen Feudalismus“: Digitalkonzerne haben ganze Gattungen von Medien an sich gerissen (Social Media gehört Facebook, Suche gehört Google, E-Commerce gehört Amazon, usw.). Dieser Teil des Buches ist sehr wirtschafts- und medienstrukturell orientiert. Andree zeigt, dass digitale Mediengattungen „gehören“ den Digitalkonzernen – z.B. das soziale Netzwerk gehört Meta, das Videoangebot gehört YouTube/Google.
Anm. Auch Youtube ist ein Soziales Netz man beachte die dortigen manipulierten Kommentare
Damit haben wir eine extreme Machtkonzentration, die er mit mittelalterlichen Feudalherren vergleicht: Sie erheben Abgaben (Daten, Aufmerksamkeit) und diktieren Regeln, ohne demokratische Legitimation. Das Kapitel beschreibt anschaulich, wie die klassischen Medien (Zeitungen, TV) von dieser Invasion überrollt wurden. Inserate wanderten zu Google/Facebook, Zuschauer zu Netflix & Co. Übrig blieb eine ausgehöhlte traditionelle Medienlandschaft. Ein Beispiel, das Andree anführt: Der Niedergang lokaler Zeitungen und die Abhängigkeit der restlichen Presse von Klicks – wodurch Clickbait gefördert wird und Qualitätsjournalismus an den Rand gedrängt wird. Er betont, dass diese Entwicklung unauffällig als wirtschaftlicher Verdrängungskrieg begann – niemand hat den Zeitungen aktiv „den Krieg erklärt“, man glaubte an technischen Fortschritt. Doch mittlerweile, so Andree, wird klar, dass diese ökonomische Invasion der Monopole auch politisch gefährlich ist.
Denn wer die Medieninfrastruktur kontrolliert, kontrolliert langfristig auch den Meinungskorridor. Er illustriert das mit konkreten Fällen: 2021 gab es z.B. den Facebook-„Blackout“ (Ausfall der Dienste für einige Stunden) – der zeigte, wie abhängig Bürger von einem einzigen Unternehmen sind. Oder er weist darauf hin, dass Google mit seinem Algorithmus letztlich entscheidet, welche Nachrichten sichtbar sind
(Stichwort: Nachrichtenaggregatoren bevorzugen bestimmte Quellen).
„Die Macht von Dark Tech übergreift Wirtschaft, Medien und Politik“, schreibt Andree sinngemäß – ein Befund, den er in Kapitel 10 noch mit Gründen untermauert. Insgesamt legt Kapitel 4 dar, dass die digitale Souveränität des Westens längst angegriffen ist:
Europa hat kaum eigene große Plattformen (alles US oder chinesisch), und diese Konzerne können sogar Regierungen erpressen. Ein besonders drastisches Beispiel zitiert Andree: Der amerikanische Senator J.D. Vance (Tech-Millionär und Trump-Verbündeter) drohte 2024 unverhohlen damit, die USA würden aus der NATO austreten, sollten EU-Länder wagen, US-Techplattformen strenger zu regulieren. Das zeigt, wie sehr Big Tech mittlerweile als strategisches nationales Interesse betrachtet wird – und wie Europa durch seine Abhängigkeit erpressbar geworden ist. Diese Invasion der digitalen Monopole stellt laut Andree eine neue Form imperialer Macht dar, der die Nationalstaaten wenig entgegenzusetzen haben, wenn sie einzeln agieren. Er deutet hier bereits an, dass nur eine europäische Antwort (z.B. eigene Plattformen, strikte Regulierung) dem etwas entgegensetzen könnte – Themen, die er in den Folgekapiteln konkretisiert.
Kapitel 5: Die Okkupation. Passend zu Kapitel 4 geht es nun darum, wie die Tech-Oligarchie sich bereits häuslich eingerichtet hat – dank „Schauermärchen über europäische Regulierung“ und einer Reihe von Privilegien. Andree listet explizit die rechtlichen und strukturellen Vorzugsbehandlungen auf, die digitale Plattformen genießen, und die er für höchst unfair hält. Dazu gehören: das Intermediärsprivileg (Plattformen haften nicht für Inhalte Dritter), das Haftungsprivileg (sie müssen für z.B. Verleumdungen nicht geradestehen wie klassische Verlage müssten), das Monopolprivileg (Netzwerkeffekte erlauben ihnen quasi-monopole Marktstellungen), das Daten-Enteignungsprivileg (er nennt es „Enteignungsprivileg“: Plattformen dürfen sämtliche von Nutzern generierten Inhalte gratis verwerten, sogar um KI zu trainieren). Diese Liste zieht Andree ausführlich durch – es sind acht Privilegien, die er in kurzen Abschnitten darlegt (Intermediärs-, Haftungs-, Straftatenprivileg etc. – in der Inhaltsübersicht sind sie alle aufgezählt). Jedes Privileg erklärt er mit Beispielen: Beim Haftungsprivileg etwa zitiert er den Fall Joe Rogan: Spotify zahlte ihm $100 Mio. für seinen Podcast, aber musste für dessen eventuelle Falschaussagen nicht haften, weil Spotify formal kein „Publisher“ ist. Wäre Rogan Moderator im klassischen Radio, sähe das anders aus. Solche Beispiele verdeutlichen die Regulatory Capture: Die Gesetze haben eine Lücke gelassen (teils bewusst durch Lobbying der Tech-Konzerne), und Big Tech nutzt diese gnadenlos.
Andree beschreibt dies als einen Coup: „Nicht wir regulieren Dark Tech – Dark Tech reguliert uns.“
Dieser Satz bringt es auf den Punkt. Die Okkupation ist somit fast abgeschlossen: Die Konzerne agieren jenseits echter staatlicher Kontrolle, diktierten aber umgekehrt z.B. via App-Store-Regeln ganze Branchenbedingungen. Andree streut drastische Metaphern ein, etwa die „Kuh“, die symbolisch für alle europäischen Inhalte steht und von den Tech-Konzernen gemolken wird – ohne dass Europa etwas davon hat.
Man habe diese „Massenenteignung“ der Kreativen durch Big Tech zugelassen. Das Ergebnis: eine digitale Besatzungszone, in der wir leben, ohne es richtig zu merken. Dieses Kapitel dürfte besonders für Entscheidungsträger interessant sein, denn Andree ruft praktisch dazu auf, diese Privilegien abzuschaffen. Er entlarvt auch die Argumente der Konzerne als „Schauermärchen“: Wenn z.B. Facebook droht, sich aus Europa zurückzuziehen, sollten wir das nicht glauben – er sagt, das sei reines Druckmittel. Insgesamt steigert sich hier seine Empörung:
Die Okkupation ist für ihn nicht weniger als ein Skandal.
Staat und Öffentlichkeit wurden ausgetrickst, und nun haben wir den Salat – aber die meisten haben es immer noch nicht begriffen. Das Kapitel endet mit dem nachdenklichen Hinweis, dass bisherige EU-Versuche (wie die Gesetze DMA und DSA) noch keine echte Lösung liefern.
Kapitel 6: Die Waffen. Nun katalogisiert Andree die Instrumente, mit denen der Medienkrieg geführt wird – und warum sie so durchschlagend sind. Hier geht er ins Detail der Medienwirkungsmechanismen.
Er zählt eine Reihe von Faktoren auf, die digitale Medienbotschaften besonders mächtig machen:
– Schnelligkeit/Echtzeit,
– Exponentielle Vervielfältigung,
– Kürze & Memifizierung, (Anm. Deshalb reagieren evtl. Menschen auch immer schneller Affekthaft, memetisch…)
– Konkretheit (scheinbare Beweise),
– Rückkanalfähigkeit („scheinbare“ Interaktion), (Anm. Das ist besonders trügerisch, da Kommentare Views Klicks, ganze Kommunikation Threads nicht unbedingt von Menschen sind, aber es werden Mehrheits- und Zugehörigkeitsgefühle simuliert, mit einem Wort: Zustimmung)
– ungleiche Aufmerksamkeit (extremes wird belohnt),
– Personalisierung (Fokus auf Personen),
– Emotionen (vor allem negative),
– Sensationalismus & Lügen und
– Polarisierung.
Diese Punkte entsprechen Unterabschnitten im Kapitel, und Andree erläutert jeden mit Beispielen. Einige Highlights:
- Schnelligkeit: Fake News verbreiten sich in Minuten um die Welt, bevor Faktenchecks greifen. Etwa kursierte das Gerücht „Papst unterstützt Trump“ 2016 millionenfach, lange bevor es widerlegt war.
- Exponentielle Vervielfältigung: Durch Share-Funktionen kann eine einzelne Falschmeldung (etwa ein manipulierter Tweet) sich exponentiell verbreiten, ohne dass traditionelle Korrektive greifen.
- Kürze/Memifizierung: Komplexe Sachverhalte werden in knackige Memes oder Slogans gepackt – Andree nennt hier beispielhaft QAnon-Parolen oder den Slogan „Stop the Steal“, „JustStopOil“, „LetzteGeneration“ usw….
Diese einfachen Bilder bleiben hängen, während differenzierte Analysen keine Chance haben. (Anm. Steuern sind Raub, GEZ sind Raub, Giftspritze, Totspritzen, Vogelschredder, dreckiges fossiles GAS). Gerade das hier ist Brandgefährlich weil es den „Instinkt der Dringlichkeit“ weckt, und System 1 für schnelles Affektiertes Denken aktiviert (D. Kahneman Schnelles und Langsames Denken) - Konkretheit: Verschwörungstheorien untermauern ihre Lügen oft mit scheinbar konkreten „Beweisen“ – z.B. gestellten Fotos oder aus dem Kontext gerissenen Bildern („Beweisfotos“ von Wahlbetrug, die keine sind). Das Publikum fällt eher darauf herein, wenn es etwas zu sehen gibt.
- Interaktivität: Die neuen Medien erlauben unmittelbare Rückmeldung – Kommentarfunktionen, Likes – was ein Gefühl von Gemeinschaft erzeugt. Populisten wie Trump animieren ihre Anhänger („tweetet mir eure Meinung“), was die Bindung verstärkt. — Gefühl wird verstärkt durch virt. Klicks Kommentare etc.
https://www.peakmetrics.com/insights/the-politics-of-the-cracker-barrel-logo-rebrand - Ungleiche Verteilung der Aufmerksamkeit: Hier betont Andree, dass eine kleine lautstarke Gruppe im Netz enorme Reichweite erzeugen kann, während die schweigende Mehrheit untergeht. So dominieren extreme Positionen scheinbar die Debatte.
- Fokus auf Personen: Social Media lieben starke Persönlichkeiten und Gesichter. Darum stilisieren sich Akteure (Trump, Bolsonaro, etc.) als markante Figuren – der Content personalisiert Politik, komplizierte Sachfragen verschwinden hinter Personenstreit.
- (Negative) Emotionen: Angst, Wut und Empörung sind evolutionär starke Reize – Inhalte, die diese Gefühle triggern (Rant-Videos, empörte Posts), performen am besten. Andree verweist auf Studien, dass Lügen besonders dann viral gehen, wenn sie schockieren oder Hass auslösen. Das begünstigt extreme Positionen.
- Sensationalismus, Lügen, Fake News: Hier argumentiert Andree, dass die Grenze des Sagbaren massiv verschoben wurde. Was früher als „zu krass“ galt, wird heute hemmungslos behauptet, weil es Publikum findet. Z.B. absurdes Zeug wie „Impfchips via 5G“ erreicht Millionen, obwohl klar unwahr – aber die Plattformen filterten es lange nicht aus, und ein Teil der Leute will es glauben.
- Polarisierung:
Durch die Feedback-Schleifen entstehen Echokammern, die „andere Seite“ wird nur noch verzerrt als Feindbild wahrgenommen. Andree zitiert hier etwa eine Untersuchung der Facebook-Landschaft vor der Bundestagswahl 2017:
Linke Nutzer teilten Seiten wie „Laut gegen Nazis“,
rechte Nutzer folgten Seiten wie „Multikulti? Nicht mit uns“ – zwei komplett getrennte Universen.
Je dunkler die andere Seite, umso heller erscheint die eigene – ein Prinzip, das Andree auch aus Stegherrs Analyse (siehe nächstes Buch) bekannt ist, hier in populärer Form wiederkehrt.
Nach dieser Aufzählung der „Waffen“ zeigt Andree deren Folgen auf. Er spricht von
Folge 1: Zerstörung des Journalismus,
Folge 2: Radikalisierung des Diskurses,
Folge 3: Eliminierung des Paper Belt (Paper Belt = die traditionellen Printmedien und Institutionen).
Der Journalismus verliert, weil Klickzahlen und Skandale die Oberhand gewinnen – seriöse Recherche kann mit dem Sturm der Erregung kaum mithalten. Politischer Diskurs verroht und radikalisiert sich, wie man an den Parlamenteinzügen extremer Parteien in vielen Ländern sieht. Und Paper Belt – damit meint er die intellektuelle Elite (Zeitungen, Unis, Verlage) – droht irrelevant zu werden. Schließlich verweist er auf den
Übergriff in die wirkliche Welt: Hass im Netz wird zu Gewalt auf der Straße (z.B. der erwähnte Sturm aufs Kapitol, aber auch Morddrohungen, die aus Online-Memes erwachsen). Ein eindrückliches Detail ist, wie Andree aufzeigt, dass Nutzer eigentlich andere Plattformen wollen würden: Er erwähnt Umfragen, wonach viele Menschen sich wieder stärker kuratierte, gemeinwohlorientierte Medienplattformen wünschen würden – aber diese existieren kaum, da die Tech-Konzerne den Markt dominieren. Dieser Punkt bildet eine Überleitung zum nächsten Kapitel.
Kapitel 7: Die Falle. Hier analysiert Andree die ideologische Sackgasse, in die insbesondere die westliche Debatte um Meinungsfreiheit geraten ist.
Untertitel wie „Warum Absolutismus der Meinungsfreiheit ein Selbstwiderspruch ist“ und „Zensur als Fetisch von Libertären und Populisten“ machen klar:
Er argumentiert nun gegen das Dogma „Je freier (ungehemmter) die Rede, desto freier die Gesellschaft“.
Andree legt dar, dass völlig unbegrenzte Meinungsfreiheit paradoxerweise die Meinungsvielfalt einschränkt. Denn wenn alles – wirklich alles – gesagt werden darf, gewinnen am Ende die lautesten und rücksichtslosesten Stimmen die Oberhand, während moderatere oder marginalisierte Stimmen verdrängt werden.
Das Konzept ist angelehnt an die „Paradox of Tolerance“ (Popper): uneingeschränkte Toleranz gegenüber Intoleranz führt zur Zerstörung der Toleranz. Andree bringt hier insbesondere Beispiele aus den USA: Er vergleicht die Grenzen des Sagbaren in den USA und in Deutschland. In den USA, mit dem First Amendment, galt lange ein Free-Speech-Extremismus: selbst Hate Speech war geschützt. Libertäre (wie Musk) stilisieren sich dort als Helden gegen die vermeintliche „Cancel Culture“. Andree entlarvt aber diese Pose: Das Gerede von „Zensur“ wird von rechten Kreisen zum Fetisch erhoben, während sie selbst alles dominieren wollen. Er zitiert, dass absolute Meinungsfreiheit letztlich nur dazu führt, dass die lauteste Gruppe den öffentlichen Raum besetzt. Hier kommt auch ein Seitenhieb: Populisten, die alle anderen als „Zensoren“ beschimpfen, rufen ständig „Hitler!“ – Gegner werden als totalitär diffamiert, um die eigene Hetze zu legitimieren.
(Anm. Exakt das beobachte ich super oft in der Debatte über Erneuerbare Energien, die so überhitzt war, weil sie uns massiv hätte schwächen können, ein schwaches Energiesystem ist ein Trumpf für die anderen)
Andree spottet über diese verdrehte Märtyrerpose – etwa im Kontext von Tommy Robinson, dem britischen Rechtsextremisten, der sich als Opfer stilisiert (wie in Kapitel 1 erzählt). Andree argumentiert:
Die wahre Medienfreiheit, die wir brauchen, muss aktiv gestaltet werden –
„Medienfreiheit, die wir selbst gestalten“ nennt er das.
Das heißt, Gesellschaft und Staat müssen Regeln setzen, die Meinungsvielfalt und Faktenbasis schützen (z.B. Hate Speech bestrafen, Desinformation eindämmen), ohne aber echte Kritik zu unterdrücken.
Er nimmt dabei auch die linksliberalen Eliten ins Visier: Er meint, ein Fehler der progressiven Seite sei es gewesen, das Problem lange zu ignorieren oder sich moralisch überlegen zu dünken, statt selbst bessere Plattformen oder Strategien zu entwickeln. Er bezeichnet das als „Falle“ – solange Demokraten naiv an das alte Paradigma halten („Wahrheit setzt sich schon durch“), laufen sie in die Falle derer, die das System missbrauchen. Andree verdeutlicht an einem Beispiel: Er nennt ein Gedankenexperiment – was wäre, wenn wir absolut alles zulassen? Dann würden die Plattformen mit Nazi-Propaganda, Pornografie, Aufrufen zu Gewalt etc. überschwemmt, bis vernünftige Stimmen das Feld räumen. Das kann keine echte Freiheit sein. Deshalb kritisiert er die Haltung „You are the media now“ (du bist jetzt selbst das Medium, jeder kann ja posten) als Lüge. In Wahrheit, so Andree, sind die Nutzer gar nicht die Medien; die Macht liegt bei Plattformen und ihren Algorithmen. Den Nutzern wird nur eine Illusion von Freiheit vorgespielt, während im Hintergrund die Konzerninteressen walten. Gegen Ende des Kapitels betont Andree: Es braucht dringend Grenzen des Sagbaren, aber klug gesetzt – z.B. klare Regeln gegen Hassrede (wie in Deutschland mit dem NetzDG teilweise eingeführt), ohne berechtigte Kritik abzuwürgen. Der Spagat ist schwer, aber notwendig. Andree ruft hier auch die Justiz und Politik in die Pflicht: In Deutschland gibt es z.B. Strafgesetze gegen Volksverhetzung – diese müssten konsequenter online durchgesetzt werden.
Es ist, als ob Andree die Leser – besonders auch politische Entscheider – aus der „Falle“ holen möchte, ihnen klarmacht:
Lasst euch nicht einreden, Regulierung sei gleichbedeutend mit Zensur. Denn diese Erzählung ist selbst Teil des Angriffs. Vielmehr, argumentiert er, schützt kluge Regulierung die Meinungsfreiheit auf lange Sicht, indem sie verhindert, dass ein rücksichtsloser Mob oder ein Monopolist alle anderen mundtot macht.
(Anm. Exakt diese Argumentation ist auch im Buch Cyberlibertarism von Golumbia zu sehen, ich teile Sie)
Kapitel 8: Der Aufstand. Nach viel Analyse und Alarm schlägt Andree hier einen kämpferischen Ton an: Ist eine Rettung der Demokratie überhaupt noch möglich? fragt er, um dann mögliche Wege aus der Krise aufzuzeigen. Dieses Kapitel ist proaktiv und im Vergleich zum vorherigen pessimistischen Ton fast hoffnungsvoll – jedenfalls im Konjunktiv. Andree entwirft einen Plan für einen digitalen Befreiungsschlag Europas.
Er skizziert die Grundbedingungen der Freiheit in Deutschland und Europa im digitalen Zeitalter. Dazu zählt: digitale Souveränität zurückgewinnen, die „Befreiung von der Digitalokratie“ (Digitalokratie nennt er die Herrschaft der Tech-Plattformen). Konkrete Vorschläge:
- „Kickstart des freien, europäischen Internets“: Andree plädiert für eigene europäische Plattformen oder zumindest strikte europäische Regeln. Er erwähnt vermutlich Initiativen wie Gaia-X (europäische Cloud) oder die Idee eines EU-weiten sozialen Netzwerks, das gemeinnützig sein könnte. Auch die Förderung öffentlich-rechtlicher digitaler Angebote (Mediatheken, Community-Plattformen) zählt er als Möglichkeit auf.
- Infrastrukturen absichern gegen Erpressung durch Trump und Tech: Hier fordert er, Europa müsse unabhängiger von US-Tech werden, um nicht politisch erpressbar zu sein. Das könnte z.B. bedeuten: Alternativen zu Android/iOS schaffen, eigene Kommunikationsdienste entwickeln, im Notfall konsequent Strafen verhängen und notfalls Dienste temporär abschalten, falls sie EU-Gesetze missachten (ein drastischer Schritt, den er als Ultima Ratio nennt).
- Er prognostiziert „Die Rache aus den USA wird folgen“ – sprich, wenn Europa so etwas versucht, werden US-Politiker und Konzerne massiv gegenhalten (Handelsstreit, Lobbydruck, Drohungen wie die Vance-Äußerung). Doch er argumentiert, „warum sich der Aufstand dennoch lohnt“. Denn nur wenn Europa eigenständig handelt, kann es seine Demokratie retten. Lieber einen Sturm aus Washington aushalten, als von innen heraus zersetzt zu werden.
- Er ruft auch zur gesellschaftlichen Mobilisierung auf: Die Zivilgesellschaft (NGOs, Aktivisten) sollte den Kampf für digitale Rechte und gegen Desinformation aufnehmen, ähnlich wie sie es beim Klimaschutz tut. Denn auch hier steht die Zukunft der nächsten Generation auf dem Spiel.
- Anmerkung, ich entwickelte hierzu bereits das Konzept des
„Iron Dome für die Köpfe der Menschen“

Man spürt: „Der Aufstand“ ist metaphorisch – es geht nicht um Gewalt, sondern um ein umfassendes Umdenken und entschlossenes Handeln auf allen Ebenen. Andree malt kein Utopia; er weiß, wie schwierig das ist. Er betont aber, es gebe Zeichen der Hoffnung: etwa das wachsende Bewusstsein in EU-Institutionen, dass man Big Tech zähmen muss (DSA, DMA sind erste Schritte). Auch erwähnt er vermutlich positive Beispiele aus einzelnen Ländern: z.B. Australien zwang Facebook & Google, für Newsinhalte zu bezahlen – ein Zeichen, dass Regulierung doch möglich ist. Das Kapitel appelliert an den Mut: „Auch wenn die USA (oder Tech-Lobbyisten) drohen – lasst euch nicht einschüchtern.“ Ein Aufstand der europäischen Öffentlichkeit gegen die Tyrannei der Algorithmen sei erforderlich. Hier kommt sein Pathos wieder stark durch: Er benutzt Begriffe wie „Rückeroberung der digitalen Souveränität“, spricht von einem neuen Freiheitskampf. Das mag dramatisch klingen, aber angesichts der vorherigen Kapitel ist klar, warum er diesen Ton wählt. Letztlich zeigt Kapitel 8, dass Andree trotz aller Schwarzmalerei an die Möglichkeit einer Kurskorrektur glaubt – sofern jetzt gehandelt wird. Zwischen den Zeilen liest man: Es ist fünf vor zwölf, aber noch nicht zu spät. Wie ein Feldkommandeur spornt er Politik und Bürger an, jetzt die Kurve zu kriegen.
Kapitel 9: Die Kapitulation. Dieses Kapitel malt das Gegenbild: Was passiert, wenn wir nichts tun. Andree beschreibt „Unser Leben in der digitalokratischen Besatzungszone“ – ein Szenario, in dem die Demokratie faktisch abgeschafft ist, ohne dass ein Putsch stattfand. Er spricht vom langsamen Sterben der freien Öffentlichkeit. In dieser kapitulierten Zukunft beherrschen Autokraten und Opportunisten die Politik, während Big Tech-Oligarchen im Hintergrund die Fäden ziehen. Er listet auf, was er teils jetzt schon beobachtet: Einschüchterung kritischer Journalisten durch Klagewellen (SLAPP-Klagen – „Klagen gegen Redaktionen und Wissenschaftler“ inhaltsgleich mit dem, was wir in einigen Ländern sehen). Die aktive Förderung von Autokraten durch digitale Kanäle würde Normalität – Regierungen nach dem Vorbild Orban oder Trump wären die Regel. Andree beschreibt, wie Opportunisten (sprich: Politiker ohne Werte, die sich Big Tech andienen) aufsteigen, eine neue digitalokratische Elite an der Macht ist. Diese Elite besteht etwa aus Milliardären, Social-Media-Influencern und populistischen Politikern – während die klassische Elite (Journalisten, moderate Politiker, Wissenschaftler) marginalisiert oder mundtot gemacht ist. Er zeichnet ein mögliches Bild: Vielleicht regiert in einem solchen Deutschland der Zukunft eine Allianz aus einem „Tech-CEO“ und einer populistischen Partei, die demokratische Institutionen aushöhlen, während die Bevölkerung via Social Media rund um die Uhr überwacht und manipuliert wird. Ein Hauch Dystopie liegt in der Luft, die aber auf realen Trends basiert.
Kapitel 10: Das bittere Ende. Im finalen Kapitel zieht Andree Bilanz. Überschrieben mit „Aufstand oder Kapitulation? Wir sind im Arsch: Die elf Gründe“ nimmt er kein Blatt vor den Mund. Er listet elf Punkte auf, warum die Lage so verzweifelt ist – eine schonungslose Abrechnung:
- Mangelndes Problembewusstsein – Die breite Öffentlichkeit (und viele Politiker) haben immer noch nicht begriffen, was die Stunde geschlagen hat. Digitalpolitik fristete ein Nischendasein, während die Bedrohung wuchs.
- Keine Rückkehr zur alten Welt – Es gibt keinen Weg zurück in die analoge Medienordnung. Wer hofft, einfach die Zeitungen stärken zu können und das Internet bleibt Nebensache, irrt. Die Digitalisierung hat Kommunikation irreversibel verändert.
- Extreme Abhängigkeit von Dark Tech – Unsere gesamte Wirtschaft und Kommunikation hängt an US-Servern und -Plattformen. Diese Abhängigkeit ist extrem gefährlich, weil sie Erpressung ermöglicht und eigene Lösungen ausbremst.
- Kein globaler Widerstand sichtbar – Nirgendwo auf der Welt gibt es ernsthafte Bestrebungen, Big Techs Macht zu brechen. Im Gegenteil, in vielen Ländern werden ähnliche populistische Medienstrategien gefahren. Europa steht mit seiner Regulation ziemlich alleine da, und selbst hier ist es zaghaft.
- Allmacht von Dark Tech übergreift Bereiche – Big Tech dominiert nicht nur Medien, sondern auch Wirtschaft und Politik infiltration. Andree hat in Kapitel 4/5 gezeigt, dass Amazon, Google & Co. in Branchen eindringen (z.B. Gesundheitsdaten, Smart Cities), was ihre Macht nochmals erhöht.
- Digitale Inkompetenz vieler Entscheider – Politiker, Richter, Lehrer – vielen Entscheidern fehlt digitales Fachwissen. Andree kritisiert, dass Parlamente immer noch mit Fax arbeiten, Richter kaum Social-Media-Erfahrung haben etc. Dies hindert effektive Gegenmaßnahmen.
- Wir selbst haben die Besatzung unterstützt – Das vielleicht bitterschste Eingeständnis: Wir alle haben diese Entwicklung mit ermöglicht, indem wir bequem die Dienste nutzten, unsere Daten verschenkten, uns dem Entertainment hingegeben haben. Andree spricht von Beihilfe durch Ignoranz: Die Bevölkerung wollte die schönen Seiten der Digitalisierung, schaute aber weg bei den Schattenseiten.
- Existierende EU-Regeln (DMA, DSA) reichen nicht – Die schon erlassenen Gesetze (Digital Markets Act, Digital Services Act) sind zwar Schritte, aber sie liefern keine Lösung, so Andree. Sie sind Kompromisse, von Lobbyismus verwässert, und greifen zu langsam.
- Russland und andere Gegner nutzen die Chance – In der Kapitulations-Vision bedeutet das: Autoritäre Staaten werden im Westen den Keil immer tiefer treiben (mittels Social Media Manipulation). Wir sehen es bereits: z.B. Russland fördert quer durch Europa extreme Parteien. Wenn wir kapitulieren, haben diese Kräfte gewonnen.
- Zersetzung der politischen Kultur – Andree befürchtet, dass selbst wenn noch demokratische Strukturen existieren, diese von innen so ausgehöhlt sein könnten (durch Lügen, Hetze, Vertrauensverlust), dass de facto keine deliberative Demokratie mehr stattfindet. Bürger sind dann nur noch Konsumenten von tribalistischen Narrative, nicht mehr rationale Wähler.
- Demokratieverdrossenheit und technokratische Diktatur – Schließlich malt er aus, dass viele Bürger dem System den Rücken kehren. Die Bühne gehört dann den Demagogen oder einer von Tech gelenkten „Soft-Diktatur“. Vielleicht imaginiert er als abschreckendes Beispiel China – eine hochtechnisierte Autokratie, in der Social Scoring und Zensur das Volk kontrollieren. Er warnt: Auch im Westen könnte so etwas schleichend Realität werden, wenn wir freiheitsfeindlichen „Ordnungsrufen“ irgendwann zustimmen, nur um die Chaosflut im Netz zu bändigen – dann aber in die andere Richtung vom Pferd fallen.
Nachdem Andree diese Gründe aufgezählt hat, bleibt kaum Hoffnung übrig. Tatsächlich endet das Buch laut Inhaltsverzeichnis mit „Alles ist im Arsch. Und alles ist am Ende…“ – offenbar Zitate aus einem Song oder Gedicht (vielleicht ein Rap oder Punktext), was die Stimmung aufgreift. Möglicherweise zitiert er hier einen Songtext (die Zeilen klingen danach), um das Gefühl völliger Frustration auszudrücken: „Alles ist im Arsch… und du sagst nur: hätte, würde, könnte…“.
So schließt „Krieg der Medien“ in tiefschwarzer Stimmung. Andree hat den Kampf ausgerufen, aber er lässt offen, ob wir ihn gewinnen können. Seine letzten Worte sind wohl ein Appell, doch noch aktiv zu werden – aber die Prognose bleibt düster: In wenigen Jahren könnte unsere Demokratie verloren sein, wenn nichts geschieht. Das ist die bittere Quintessenz dieser schonungslosen Bestandsaufnahme. Für interessierte Laien und Entscheider ist dieses Buch gleichermaßen ein Weckruf – unbequem, überspitzt, aber dringend. Man legt es mit einem Gefühl von Aufruhr aus der Hand: Entweder, wie Andree befürchtet, kapitulieren wir vor der digitalen Übermacht, oder wir organisieren einen Aufstand der Vernunft. Dazwischen gibt es nichts.
Der neue Kalte Krieg der Medien – Die Medien Osteuropas und der neue Ost-West-Konflikt (Marc Stegherr)
„Alles, was wir hören, ist eine Meinung, kein Fakt; alles, was wir sehen, ist gefärbt von unserer Sicht.“ Dieses stoische Mahnwort Marc Aurels ruft in Erinnerung, wie sehr Wahrnehmung von Standpunkten abhängt – eine Einsicht, die im neuen Ost-West-Medienkonflikt zentral ist.
Kurzeinstieg: „Der neue Kalte Krieg der Medien“ – der Titel deutet an, worum es geht: Ost und West stehen sich erneut feindlich gegenüber, doch statt Panzern werden Medien als Waffen eingesetzt. Marc Stegherr, ein Osteuropa-Experte, unternimmt in diesem wissenschaftlich fundierten Buch eine umfassende Reise durch die Medienlandschaften Osteuropas und zeigt, wie sie zum Schlachtfeld im neuen Ost-West-Konflikt wurden. Von der polnischen Regierungspropaganda über ungarische Mediengesetze bis zu russischen Desinformationskampagnen – Stegherr breitet ein Panorama aus, das verständlich macht, warum Vertrauen in Medien heute ein so rares Gut ist. Das Buch beginnt mit einer alarmierenden Diagnose: einer „Glaubwürdigkeitskrise der Medien“. In vielen Ländern Osteuropas (und darüber hinaus) misstrauen breite Bevölkerungsteile den etablierten Medien zutiefst. Dieses Misstrauen hat zwei Gesichter: Einerseits befeuern autoritäre oder nationalkonservative Regierungen im Osten die Rufe nach „Lügenpresse“ – andererseits unterstellen auch pro-westliche Kreise, die jeweils anderen Medien würden manipulieren. So entsteht eine Spirale negativer Zuschreibungen. Stegherr entführt die Leser Kapitel für Kapitel in unterschiedliche Länder und Problemlagen, stets mit dem roten Faden: Medien als Spiegel und Waffe des politischen Konflikts zwischen Ost und West. Das Werk liest sich trotz seines akademischen Gehalts erstaunlich flüssig. Es verbindet politische Analyse mit lebendigen Beispielen: etwa der Übernahmeschlacht um Ungarns Zeitung Nepszabadság, die verstaatlicht wurde, oder dem erbitterten polnischen Streit um die Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Zwischendrin wirft Stegherr auch einen Blick auf den Westen: Er zeigt, wie z.B. deutsche und US-amerikanische Medien in den Augen Osteuropas ein einseitiges Bild zeichnen – und wie russische Staatsmedien dieses Misstrauen nutzen, um ihre Narrative zu verbreiten. Das Buch ist wie ein detailliertes Dossier, geordnet und belegt, mit umfangreichen Quellen. Für den interessierten Laien öffnet es die Tür in einen oft übersehenen Aspekt des neuen Kalten Krieges: den Kampf um die Deutungshoheit. Es macht deutlich: Der Konflikt verläuft nicht nur entlang von Panzern in der Ukraine, sondern auch entlang von Nachrichten, Talkshows und Facebook-Posts in Warschau, Prag und Berlin.
Politische Einordnung: Marc Stegherrs Buch ist eine wissenschaftliche Studie, veröffentlicht 2018 bei Springer VS – einem akademischen Verlag. Der Autor ist Politologe/Publizist mit Schwerpunkt Osteuropa-Medien (er hat schon 2010 ein Werk über Medien in Osteuropa mit herausgegeben). Erwartungsgemäß ist der Ton sachlich-analytisch, mit viel empirischem Material. Ideologisch tritt Stegherr nicht offensiv auf eine Seite; vielmehr bemüht er sich um Nachvollzug der Perspektiven aller Seiten. Das spiegelt sich in der neutralen Sprache wider: Begriffe wie „Medienkrise“ oder „neuer Ost-West-Konflikt“ werden definiert, nicht polemisch aufgeladen. Das heißt aber nicht, dass Stegherr beide Seiten gleich bewerten würde – implizit verteidigt er schon Pressefreiheit und liberale Werte. Doch er zeigt Verständnis dafür, wie es zur aktuellen Polarisierung kam. Etwa erläutert er, warum viele Menschen in Osteuropa westlichen Medien skeptisch gegenüberstehen: Nach jahrzehntelanger Propagandaerfahrung reagieren sie empfindlich auf Einseitigkeit und fürchten, auch der Westen manipuliere die Wahrheit. Gleichzeitig macht er klar, dass russische und illiberale Akteure diese Zweifel gezielt schüren. Die Nähe zur Realität ist hoch: Stegherr stützt sich ausschließlich auf reale Beispiele, Studien und Medieninhalte bis etwa 2017. Das Buch liest sich wie ein Kompendium konkreter Fälle – von der polnischen „Repolonisierung“ der Presse (Stichwort: PiS-Regierung will ausländische Eigentümer loswerden) bis zur Kampagne russischer Medien gegen die ukrainische Maidan-Revolution. Er zitiert Regierende wie Orbán und Kaczyński, aber auch Journalisten und EU-Beobachter. Die ideologische Richtung des Buches ist schwer einem Lager zuzuordnen – es ist keiner Polemik verpflichtet, sondern scheint primär aufklärend. Allerdings merkt man, dass Stegherr die Erosion demokratischer Normen mit Sorge betrachtet. Wenn er z.B. die polnische PiS-Medienpolitik analysiert, tut er das nüchtern, erwähnt aber auch Kritik (etwa von EU und Menschenrechtsorganisationen). Verlagsinteresse: Springer VS als sozialwissenschaftlicher Verlag will solide Forschung bieten; das Buch ist im Duktus einer Dissertation oder Habilitation gehalten (strukturierte Kapitel, Unterkapitel, viele Fußnoten). Für Entscheider bietet es faktengesättigte Einblicke ohne Alarmismus – also eine wertvolle Grundlage, um z.B. russische Einflussstrategien oder die Befindlichkeiten osteuropäischer Partner zu verstehen. Insgesamt kann man sagen: Stegherr ist realitätsnah und differenziert. Er arbeitet heraus, dass weder „der Westen lügt immer“ noch „der Osten lügt immer“ die Wahrheit ist – vielmehr herrscht ein Klima des gegenseitigen Misstrauens, das aus realen Fehlentwicklungen auf beiden Seiten gespeist wird. Dieses ausgewogene Herangehen unterscheidet ihn etwa von Martin Andrees polemischer Zuspitzung. Stegherrs Stil ist sachlich, aber nicht trocken: Er verknüpft Theorie mit Praxis, benennt Mythen und Fakten. Das macht das Buch anspruchsvoll, aber zugänglich für informierte Laien. Politisch könnte man es als Warnsignal lesen: Es zeigt, wie sehr Medienkrisen und politische Krisen sich gegenseitig hochschaukeln – und dass wir dringend Brücken des Vertrauens reparieren müssen, um den neuen Ost-West-Konflikt zu entschärfen.
Einleitung: Gleich zu Beginn stellt Stegherr die zentrale Frage: Warum befinden wir uns in einer Glaubwürdigkeitskrise der Medien? Er beschreibt, wie sich in den letzten Jahren – etwa seit den 2010er Jahren – etwas verändert hat: Populistische Demagogie im In- und Ausland und gezielte russische Einflussnahme haben das Vertrauen in die klassischen Medien erschüttert. Er zitiert in der Einleitung den Journalisten Johannes Groß: „Früher hieß es ‚cherchez la femme‘, dann ‚follow the money‘, seit Watergate ‚look for the lie‘.“ – ein Bonmot, das andeutet, dass Journalisten heute primär mit Lügen konfrontiert sind. Damit stimmt er auf das Thema ein: Medien stehen im Verdacht zu lügen, ob berechtigt oder nicht. Stegherr erläutert, dass sich durch Ereignisse wie die Ukraine-Krise 2014 und die Flüchtingskrise 2015 ein neues Phänomen herausgebildet hat: Viele Menschen glauben, die Medien würden bewusst manipulieren, um bestimmten politischen Interessen zu dienen. Interessanterweise stellt er fest, dass diesen Vorwurf nicht nur autoritäre Regime gegenüber westlichen Medien erheben, sondern auch in westlichen Ländern selbst Kritiker den eigenen Leitmedien Voreingenommenheit unterstellen. So entstehe eine Situation, in der sich Ost und West gegenseitig Medienmanipulation vorwerfen.
Er erwähnt beispielhaft: „Russland könne tun was es wolle, es werde in westlichen Medien immer negativ dargestellt“, klagen russische Stimmen. Umgekehrt beschuldigt der Westen russische Medien, nur Propaganda zu verbreiten. Die Einleitung fungiert als Problemaufriss: Sie nennt bereits zentrale Begriffe wie Hate Speech, Fake News, Lügenpresse, die später aufgegriffen werden. Stegherr betont, dass diese Diskussion hochaktuell und länderübergreifend ist. Sein Kapitel 1 trägt den Titel „Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien“, was zeigt, dass er das als Basis für alles Weitere sieht. In der Einleitung klingt auch an, dass neue Medienakteure (soziale Netzwerke, alternative Nachrichtenseiten) mitmischen: Mit einem Mausklick kann man heute überprüfen, was andere schreiben – was einerseits gut ist, andererseits aber genutzt wird, um Leitmedien Voreingenommenheit vorzuwerfen. Die Einleitung stimmt also auf ein komplexes Feld ein: Es geht nicht nur um Propaganda von oben, sondern auch um Vertrauensverlust von unten. Stegherr mahnt in meditativem Ton (fast Aurels Duktus entsprechend):
Wir müssen verstehen, warum dieses Misstrauen da ist, um Auswege zu finden. Insgesamt vermittelt die Einleitung, dass Medien nicht isoliert funktionieren, sondern tief in gesellschaftliche Konflikte verstrickt sind – im Osten wie im Westen.
Kapitel 1: Einleitung – Die Glaubwürdigkeitskrise der Medien. (Im Inhaltsverzeichnis ist dies Kapitel 1 entsprechend). Hier vertieft Stegherr die im Vorwort angerissene Problematik. Er analysiert zunächst die generellen Faktoren, die zur Glaubwürdigkeitskrise geführt haben. Ein wichtiger Aspekt: die Konvergenz von populistischer Rhetorik und russischer Einflussnahme. Ab etwa 2014/15 – mit dem Aufstieg neuer Rechter in Europa und dem Info-Krieg um die Ukraine – entstand ein Klima, in dem Medienmisstrauen systematisch geschürt wurde. Stegherr erläutert die Begriffe „Lügenpresse“ und „Fake News“ im historischen Kontext (z.B. „Lügenpresse“ war schon im 19. Jahrhundert und von Nazis genutzt). Dann zeigt er, wie diese Schlagworte in den 2010ern wieder populär wurden. In Pegida-Demonstrationen in Deutschland skandierten Menschen „Lügenpresse!“ – ein Indikator, dass Teile der Bevölkerung den etablierten Medien eine einseitige politische Agenda unterstellen. Stegherr führt hierfür Gründe an: Einerseits gab es objektiv Fehler und Einseitigkeiten (er erwähnt z.B. die anfänglich wenig kritische Flüchtlingsberichterstattung 2015, was den Eindruck einer „gleichgeschalteten Willkommenskultur“ erweckte bei Kritikern). Andererseits wurde diese Wahrnehmung auch gezielt verstärkt von Akteuren mit eigenem Interesse – hier nennt er insbesondere russische Medien und Trolle, die auf Social Media Begriffe wie „Lügenpresse“ amplifizierten. So entstand eine unheilvolle Dynamik: Westliche Medienkritiker (oft aus dem rechten Spektrum) und russische Desinformation spielten sich gegenseitig in die Hände. Stegherr untermauert das mit Studien: Beispielsweise zitiert er eine Untersuchung, die zeigte, dass russische Auslandsmedien (RT, Sputnik) in Europa zum Sprachrohr vieler rechts-populistischer Narrative wurden – Anti-Merkel, Anti-EU, Anti-Mainstream-Medien. Damit einher ging eine Erosion des Mainstream-Vertrauens auch in Westeuropa.
Der letzte Teil von Kapitel 1 (Einleitungskapitel) rückt dann schon die Medien Osteuropas in den Fokus. Stegherr skizziert, dass in Mittel- und Osteuropa die Lage noch spezieller ist: Nach der Wende 1989/91 wurden Medien dort privatisiert und teils von westlichen Konzernen übernommen. Das brachte anfangs Pluralismus, aber auch neue Abhängigkeiten. Um 2010 herum begann in einigen Ländern (Ungarn, Polen) eine „nationale Wende“: rechtskonservative Regierungen strebten die Kontrolle über Medien an, begründet oft damit, man müsse die „linksliberale Hegemonie“ der Medien brechen. Stegherr nennt es „nationalkonservative Wende“ (das ist auch Titel von Kapitel 3). In der Einleitung erwähnt er vermutlich, dass diese Regierungen ihr Vorgehen damit rechtfertigen, die Einseitigkeit der früheren Elite-Medien zu korrigieren. Das führt aber nun zu neuen Propaganda-Tendenzen, nur mit anderem Vorzeichen. Fazit von Kapitel 1: Es herrscht eine veritable Medienkrise, in der jede Seite der anderen Propaganda vorwirft – West gegen Ost, Regierung gegen Opposition, rechts gegen links. Stegherr formuliert es prägnant im Fazit: „Dass es sich um eine veritable Medienkrise sowohl zwischen Ost und West wie auch innerhalb der nationalen Mediensysteme handelt, ist schon daran zu erkennen, dass die Debatte über die jeweils andere Seite weitgehend von negativen Stereotypen beherrscht ist.“. Dieser Kernsatz fasst Stegherrs Befund zusammen: Über „die Russen“ sagen westliche Medien oft pauschal Schlechtes, über „den Westen“ sagen russische und manche osteuropäische Medien pauschal Schlechtes, und auch innerhalb von Ländern werden die jeweils anderen (z.B. in Polen: liberale vs. PiS-nahe Medien) mit Feindbildern überschüttet. „Je dunkler die andere Seite, umso heller erscheint die eigene.“ – dieses Zitat aus dem Schluss zieht sich als Muster durch viele Kapitel.
Kapitel 2: Meinungsfreiheit zwischen Hate Speech und Fake News. In diesem großen Kapitel (mit vielen Unterabschnitten 2.1 bis 2.9) untersucht Stegherr die breite Debatte über Meinungsfreiheit und Medienvertrauen in Europa, speziell unter dem Einfluss von Hate Speech (Hassrede) und Fake News. Er startet damit, dass westliche Leitmedien nach 2014 einen Vertrauensverlust erfuhren (Unterpunkt 2.1: „Der Vertrauensverlust der Leitmedien“). Beispielsweise zitiert er Umfragen in Deutschland und Frankreich, wo Teile der Bevölkerung angaben, den Medien nicht mehr zu trauen. Er führt an, dass Begriffe wie „Lügenpresse“ Eingang in Protestbewegungen fanden. Dann diskutiert er Rettungsvorschläge (2.2): Manche Experten schlugen neue Modelle vor, z.B. Förderung von Journalismus, mediale Bildung, oder auch Reformen in Redaktionen (mehr Transparenz etc.), um Vertrauen zurückzugewinnen.
Unter 2.3 nimmt Stegherr den Ukrainekonflikt ins Visier. Hier zeigt er, wie die Berichterstattung über Russlands Annexion der Krim 2014 und den Krieg in der Ostukraine zum Konflikt der Medien selbst wurde. Russische Medien stellten es als „Faschisten-Putsch in Kiew“ dar; westliche Medien sprachen von russischer Aggression. In Osteuropa war man gespaltener Meinung. Stegherr erwähnt sicher den Begriff „Informationskrieg“, den schon 2014 viele gebrauchten. Er zeigt auch, dass populistische Kräfte im Westen (z.B. AfD in Deutschland, Front National in Frankreich) tendenziell die russische Darstellung aufgriffen und die westlichen Medien der Lüge bezichtigten („Man würde Russland stets verteufeln“). Das wirft Schlaglichter auf innere Spaltungen im Westen.
Unter 2.4 widmet er sich der europäischen Flüchtlingskrise 2015 und russischen Medien. Hier stellt er fest, dass russische Propagandakanäle die Flüchtlingskrise ausnutzten, um den Westen als chaotisch und dekadent darzustellen – was in osteuropäischen Ländern (die mehrheitlich eine harte Linie gegen Flüchtlinge hatten) auf Resonanz stieß. In Osteuropa verbreiteten prorussische Medien gern Meldungen über Verbrechen von Migranten in Deutschland oder Schweden, oft übertrieben oder gefälscht. Gleichzeitig war dies ein gefundenes Fressen für rechtspopulistische Parteien im Westen, die es wiederum gegen die eigenen Regierungen nutzten.
2.5 behandelt den neuen medialen Kulturkampf zwischen West und Ost. Hier geht es darum, dass zwei Narrative aufeinanderprallen: Der Westen sieht sich als Verteidiger liberaler Werte (Pressefreiheit, Minderheitenschutz), während in Teilen Osteuropas (etwa Ungarn, Polen) ein konservatives Narrativ aufkam, das den Westen als moralisch verfallen und bevormundend zeichnet. Medien spielen in diesem Kulturkampf eine Rolle – westliche Medien kritisieren z.B. Polens Regierung scharf (teils polemisch bis zum Nazi-Vergleich, wie Stegherr anmerkt), worauf polnische regierungsnahe Medien ebenso polemisch zurückschlagen („Wir lassen uns nicht von Deutschland Lektionen erteilen“ etc.). So wird das mediale Klima vergiftet.
2.6 beleuchtet pro-russische Trolle und Kritik am ‚Medienmainstream‘. Stegherr beschreibt die Trollfabriken wie die in St. Petersburg, die nachweislich westliche Social-Media-Diskussionen infiltrierten – etwa indem sie unter westlichen Nachrichtenseiten massenhaft Kommentare posteten, die Zweifel an der Berichtserstattung säten. Gleichzeitig entstand das Wort „Mainstream-Medien“ als Kampfbegriff im rechten Spektrum, um etablierte Medien zu diskreditieren. Stegherr zeigt hier Parallelen: In Osteuropa warnten russlandnahe Gruppen vor der „liberalen Mainstreampresse“ (z.B. Orbán-nahen Medien in Ungarn), gleichzeitig jammerten westliche Alternative über die „Lügenpresse“. Beide speisten sich auch aus dem Internet-Echo: Social Media ermöglichte die Bildung von Gegenöffentlichkeiten (neurechte Blogs, verschwörungstheoretische Kanäle), die ein ganz anderes Medienmenü bieten. Das Buch zitiert vielleicht Beispiele solcher alternativer Portale in verschiedenen Ländern.
2.7 heißt „Die Medienkrise in West- und Mittelosteuropa“. Hier zieht Stegherr Zwischenfazit: Sowohl im Westen als auch in Mittelosteuropa existiert eine Medienkrise mit professionellen, rechtlichen, politischen Defiziten. Z.B. war Osteuropas Medienmarkt oft ungesund strukturiert (Oligarchenmonopole in Bulgarien, staatliche Einflussnahme, Boulevardisierung), was schon vor dem neuen Ost-West-Konflikt zu Vertrauensverlust führte. Er nennt Zahlen: z.B. die Auflagen- und Quotenbrüche, Stellenabbau, überforderte Journalisten etc. Im Westen wiederum leiden Medien an ökonomischer Schwäche (Zeitungssterben), was die Qualität senkt und Kritik nährt. So vermehrt sich journalistisches Junk-Food, wie er mit Bezug auf Ökonomin Julia Cagé sagt: Mangel an Geld und Click-Druck treiben reißerische Inhalte nach oben.
2.8 „Die liberale Gesellschaft und die Entstehung eines neurechten Mediensystems“. Hier beschreibt Stegherr, wie sich neben der etablierten Medienwelt ein neurechtes Mediensystem entwickelt hat – mit eigenen Nachrichtenseiten, YouTube-Kanälen, Verlagen etc., vor allem online. Das sieht er als Antwort auf das Empfinden vieler (besonders konservativer) Bürger, dass ihre Ansichten im „linksliberalen Mainstream“ unterdrückt würden. Beispiele: In Polen entstand das Netzwerk „Gazeta Polska“ und TV Republika als Gegenstimme zur bisherigen liberalen Presse; in Deutschland digitale Projekte wie Journalistenwatch, Tichys Einblick etc. Diese neurechten Medien pflegen eine transnationale Vernetzung (man teilt Anti-Merkel-Memes aus Polen in Frankreich, etc.). Stegherr deutet das als Formierung eines parallelen Öffentlichkeitsraums, was die Polarisierung verstärkt.
2.9 „Die russischen Auslandsmedien und die europäische Rechte“. Dieser letzte Unterabschnitt des Kapitels analysiert, wie RT, Sputnik & Co sich mit europäischen rechten Akteuren verzahnen. Stegherr liefert konkrete Fälle: Marine Le Pen erhielt Kredit von einer russischen Bank – und RT France gab ihr oft Forum. In Deutschland lud RT deutsch AfD-Politiker gerne in Talkshows. In Italien verbreiteten Lega-nahe Blogs oft Sputnik-Meldungen. Diese Koordination hat ein Ziel: das westliche Establishment zu schwächen. Stegherr betont aber auch: Die europäischen rechten Medien sind nicht einfach Marionetten Moskaus; sie haben eigene Agenda (z.B. Anti-Migration, Anti-EU), die zufällig oft mit Russlands Zielen konvergiert. So entsteht eine lose Allianz, die aber effektiv ist. Einprägsam ist, wie russische Kanäle teilweise radikaler waren als heimische Rechte, was die heimischen wiederum anstachelte: Er erwähnt einen polnischen Radiosender Radio Maryja und vergleicht ihn mit Sputnik – Ersterer war nationalistisch, aber Sputnik ging noch weiter in seiner Radikalität. So wurde der Overton-Fenster-Effekt genutzt: Extreme Thesen kommen via russische Medien ins Gespräch, worauf die lokalen Rechtsmedien sie aufgreifen können.
Kapitel 2 zeigt in Summe: Es hat sich ein Kreislauf etabliert, in dem Hate Speech und Fake News die Schranken der Meinungsfreiheit austesten und oft überschreiten. Die liberalen Demokratien ringen mit Gegenmaßnahmen (Stegherr erwähnt hier bestimmt EU-Initiativen, z.B. East StratCom Task Force der EU gegen Fake News, oder nationale Gesetze wie Deutschlands Netzwerkdurchsetzungsgesetz).
Aber diese Versuche werden von den anderen Seiten wiederum als Zensur dargestellt. So beißt sich die Katze in den Schwanz.
Kapitel 3: Die nationalkonservative Wende in Mittelosteuropa und die Medien. Hier zoomt Stegherr auf Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei – Länder, in denen um 2015 rum nationalkonservative Regierungen kamen (PiS in Polen 2015, Orbán war schon 2010 dran in Ungarn, aber radikalisierte sich weiter, etc.). Er beschreibt, wie diese Regierungen gezielt die Medienlandschaft umbauen, um ihre Position zu sichern.
3.1: „Die polnische PiS-Regierung und die Medienpolitik“. Stegherr erläutert die Schritte der PiS (Partei Recht und Gerechtigkeit) nach ihrem Wahlsieg 2015: Blitzschnell wurde das Mediengesetz geändert, Führung der öffentlich-rechtlichen Sender ausgetauscht – „Repolonisierung“ hieß das Schlagwort, also ausländische Eigentümer rausdrängen. Er berichtet z.B., dass 2016 die PiS die Aufsichtsbehörden unter Kontrolle brachte und Journalist*innen entließ, die als kritisch galten. Ein polnisches Zitat bringt es auf den Punkt: Ein PiS-Politiker nannte kritische Medien „neototalitär“, und PiS gab sich demokratisch, behauptend, man „befreie“ das Volk von einer liberalen Medienelite. Stegherr bewertet aber: Das war natürlich vorgeschoben; faktisch schuf PiS eine Parteienherrschaft in Medien.
3.2: „Die Erblast der Vorgängerregierungen in der Medienpolitik“. Hier erklärt Stegherr, dass PiS nicht völlig aus dem Nichts agierte: Schon vorher gab es in Polen Debatten über Medienpluralismus, Privatisierung, Einfluss der Kirche etc. Er analysiert, dass liberale Vorgängerregierungen auch Fehler machten (z.B. versäumten, transparente Medienräte zu etablieren, duldeten Vetternwirtschaft). PiS konnte diese Versäumnisse als Vorwand nehmen, radikale „Reformen“ durchzuführen.
3.3: „Mediale Streitfälle: Wałęsa, Polanski und andere“. Hier nennt er konkrete mediale Skandale in Polen: z.B. den Streit, ob Lech Wałęsa (Polens Ex-Präsident) einst für den Geheimdienst arbeitete – PiS-nahe Medien schlachteten diese Anschuldigung aus, liberale Medien verteidigten Wałęsa. Oder den Fall Roman Polanski: als die PiS-Regierung 2015 überlegte, den Regisseur Polanski an die USA auszuliefern, spaltete das auch die Medien in pro/contra Lager. Solche Fälle zeigen, wie jedes Thema zum Kulturkampf-Thema wird, medienvermittelt.
3.4: „Die Gesellschaftspolitik der polnischen Regierung und die Medien“. Hier geht’s um LGBTQ, Abtreibung, Kirche – also wie PiS auch gesellschaftspolitisch konservative Linie fuhr und regierungsnahe Medien das trommelten, während liberale Medien opponierten. Ein Beispiel: als Polens Regierung Abtreibung fast komplett verbot, war die staatliche TVP sehr regierungsloyal, während Gazeta Wyborcza (liberale Zeitung) Proteste unterstützt hat. Stegherr analysiert, dass die mediale Polarisierung so auch die Gesellschaft spaltet.
3.5: „Die Regierung Orbán und die ungarische Medienpolitik“. Nun Ungarn: Orbán begann schon 2010, aber besonders nach 2013, sein Medien-System gleichzuschalten. Stegherr beschreibt das neue ungarische Mediengesetz 2010 (schon berüchtigt), Gründung einer Medienbehörde unter Orbán-Parteifreundin, hohen Strafen für unliebsame Berichte. Dann listet er auf, wie Orbán’s Leute systematisch unabhängige Medien aufkauften oder schlossen – etwa 2016 die größte Oppositionszeitung Népszabadság, die plötzlich eingestellt wurde (de facto durch einen Orbán-nahen Investor). Er erwähnt die „ideologischen Linien“ der ungarischen Medienpolitik, die Orbán als Kampf gegen „moralischen Imperialismus“ des Westens deklariert. Orbán und sein Umfeld warfen westlichen Kritikern „Moralimperialismus“ vor – also man wolle Ungarn zwingen, liberal zu sein. In Medien setzten sie dem ein nationalistisches, christliches Narrativ entgegen. Stegherr beschreibt auch, wie viele Journalisten entlassen oder ins Abseits gedrängt wurden.
3.6: „,Moralischer Imperialismus‘: ideologische Linien der ungarischen Medien“. Hier analysiert er tiefer Orbáns Ideologie: Orbán inszeniert Ungarn als Bollwerk gegen dekadenten Liberalismus; Medien wie Magyar Idők oder TV2 verbreiten Anti-EU, anti-Migranten, pro-traditionelle Werte-Botschaften. Westliche Medienbeobachter sprechen von „Putinisierung“ der ungarischen Medien. Stegherr liefert dafür Indikatoren: z.B. Ranking von Freedom House, worin Ungarn nur noch „teilweise frei“ in Medien ist. Orbán-nahen Medien wird extreme Einseitigkeit attestiert (z.B. im Migrantendiskurs 2015/16), bis hin zu Verschwörungsdenken (Soros-Feindbild etc.).
3.7: „Die Medien der Slowakei und Tschechiens zwischen EU und Russland“. Hier behandelt er zwei Visegrád-Länder, die etwas anders liegen. In der Slowakei und Tschechien gibt es zwar populistische Strömungen, aber auch starke unabhängige Medien. Stegherr beschreibt z.B. wie in der Slowakei die investigativen Journalisten (etwa der ermordete Ján Kuciak) Missstände aufdeckten, was 2018 zum Sturz der Regierung führte – also Medien als positive Kraft. Aber zugleich gab es auch dort Oligarcheneinfluss und prorussische Desinfo-Seiten. In Tschechien war Präsident Zeman sehr prorussisch und medienfeindlich, beschimpfte Journalisten als „Idioten“ etc., während Premier Babiš selbst Medienimperium besaß – also Interessenkonflikt. Stegherr schildert, wie in Tschechien die öffentlichen Medien großem Druck ausgesetzt waren, aber Standhaftigkeit zeigten. Das heterogene Bild: In SK und CZ ist der „Kalte Krieg der Medien“ auch spürbar, aber die Lage differenziert: teils wehrhafte Medien, teils gefährdete Freiheit.
Kapitel 3 zusammengefasst: In Polen und Ungarn hat eine nationalkonservative Regierung die Medien weitgehend unter Kontrolle gebracht, propagandistisch zugunsten ihrer Agenda. In anderen MOE-Ländern gab es ähnliche Tendenzen, aber auch Gegenkräfte. Stegherr macht deutlich, dass diese Medien-Umbauten Teil eines größeren politischen Trends sind: die Demokratie gerät in Rückzug, plurale Medien werden als erstes Ziel attackiert. Er zitiert EU-Kritik: z.B. die EU-Kommission vs. Polen und Ungarn, auch NGOs wie Reporter ohne Grenzen, die Alarm schlugen. Damit markiert er: der neue Ost-West-Konflikt hat auch diese Dimension – die EU als Hüterin der Pressefreiheit vs. nationale Regierungen, die Medien lenken wollen. Dies führt direkt ins nächste Kapitel.
Kapitel 4: Die Medien Südosteuropas und der Westen. Hier geht es weiter gen Osten/Südosten: Rumänien, Bulgarien, Balkan. Stegherr untersucht, wie in diesen Ländern – oft junge Demokratien – die Medien sich entwickeln im Kontext Ost-West.
4.1: „Zensur und Boulevardisierung der Medien in Rumänien und Bulgarien“. Er zeigt, dass in RU und BG nicht primär staatliche Propaganda das Problem ist (beide Länder sind EU-Mitglieder mit offiziell freier Presse), sondern Oligarchen und Korruption. In Rumänien gehörten große Medienmogule selbst zur korrupten Elite – einige landeten im Gefängnis, was aber auch ihre TV-Sender zu Desinformationsschleudern gegen die Anti-Korruptions-Behörden machte. In Bulgarien dominiert der Konzern New Media Group (Delyan Peevski), der politisch gelenkt sein soll, und Boulevardstil (reißerisch, unjournalistisch) hat Qualität verdrängt. Das Vertrauen dort ist extrem niedrig, weil alle Medien als gekauft gelten. Der „Westen“ (EU) kritisiert diese Zustände, aber lokale Regierungen reagierten oft nur halbherzig.
4.2: „Die Medien auf dem Balkan, die EU und der ethnisch-religiöse Streit“. Hier geht’s um Ex-Jugoslawien: Serbien, Kroatien, Bosnien etc. Stegherr erläutert, dass diese Medien einerseits vom West-Ost-Konflikt erfasst sind (z.B. serbische Medien sind teils pro-russisch, was Serbiens Regierung nahe steht), andererseits interne ethnische Konflikte (z.B. in Bosnien zwischen bosniakischen, serbischen, kroatischen Bevölkerungen) stark die Medien prägen. Beispiel: in Bosnien sind öffentlich-rechtliche Sender nach Ethnien aufgeteilt, was Versöhnung erschwert. Serbien hat unter Vučić eine wachsende Pressezensur – kritische Journalisten werden drangsaliert. Hier spielt Russland auch mit: Russische Medien haben serbische Ableger, verbreiten slawische Brüder-Mythen. Stegherr beschreibt EU-Bemühungen, mit Förderprogrammen unabhängige Medien zu stärken, doch nationalistischer Diskurs bleibt stark.
4.3: „Die Medien Serbiens und die politische Instrumentalisierung“. Er zoomt speziell auf Serbien: dort betrieb die Regierung Vučić (teils autoritär) hohe Medienkontrolle, viele Sender sind quasi Regierungslautsprecher. Die Opposition hat wenig Zugang. Russell-power war spürbar: z.B. pro-Kreml Berichte dominieren in einigen Outlets. Das Land schwankt zwischen EU-Annäherung und Russlands Umklammerung, und die Medien spiegeln das: mancher Sender betont EU-Perspektive, andere schüren Anti-West-Stimmung.
4.4: „Die Medien Montenegros und die Westbindung“. Montenegro war lange unter Djukanović pro-westlich geführt, strebte NATO/EU an. Medien dort teils pluralistisch, aber auch von Regierungspartei beeinflusst. Stegherr berichtet vermutlich, wie russlandnahe Kräfte (Serben in MG) eigene Medien nutzen, um Stimmung gegen Westbindung zu machen – etwa bei Montenegros NATO-Beitritt 2017 gab es eine mediale Schlacht. Aber Montenegro hielt pro-westlichen Kurs, auch dank einiger unabhängiger Medien. Dennoch: kleine Länder sind sehr verwundbar für Propaganda, so sein Fazit.
4.5: „Die kroatischen Medien und das Klima des Verdachts“. In Kroatien – EU-Mitglied – sollte man stabile Presse erwarten, aber Stegherr stellt fest: Auch dort vergiftete Politik das Medienklima. Die linke und rechte Lager misstrauen sich, öffentlich-rechtlicher Rundfunk HRT geriet unter Verdacht, regierungshörig zu sein. Journalisten beklagten Zensurversuche. Ein Fall: 2016 gab es Proteste gegen abgesetzte Redakteure – Slogan „Kultura u opasnosti“ (Kultur in Gefahr). Es gibt also ein Klima des Verdachts, dass jede Berichterstattung politisch motiviert ist – analog zum Rest.
4.6: „Mazedonien: Innenpolitische Dauerkrise und Medienreform“. (Heutzutage Nordmazedonien). Stegherr berichtet, wie in den 2010er Jahren der autoritäre PM Gruevski die Medien nutzte (Abhörskandal enthüllt Überwachung von Journalisten). Nach seinem Sturz 2016/17 versuchte die neue Regierung, Medienfreiheit zu stärken – ein Testfall, ob man Wunden heilen kann. Medienreform war Teil Westintegration. Stegherr zieht: Politische Dauerkrise hat Medien als Kollateralschaden.
4.7: „Kosovo: Die Medien und die politische Krise“. Kosovo ringt mit Aufbau von Institutionen; Medien dort werden oft von internationalen Organisationen unterstützt (OSZE etc.). Aber politische Krisen (wie Streit mit Serben) belasten sie, Propaganda (auch aus Serbien und Russland) setzt ein. Also ähnlich.
Kapitel 4 insgesamt: Südosteuropas Medien sind zwischen Anpassung an westliche Standards (teils dank EU-Druck) und Verstrickung in lokale Machtkämpfe hin- und hergerissen. Korruption, ethnische Konflikte und äußere Einflüsse (Russland, aber auch Türkei – z.B. türkische Einfluss in Bosnien) prägen sie. Die Westbindung ist keineswegs gesichert, denn wo immer Lücken sind, stößt autokratischer Einfluss rein. Das unterstreicht den neuen Kalten Krieg der Medien: Der Westen versucht via EU-Konditionen gute Medienpraxis zu fördern, Russland/Türkei via Soft Power ihr Narrativ. Die Region ist ein Wettbewerbsspielfeld.
Kapitel 5: Die Medien Osteuropas im Schatten Russlands. Hier liegt Fokus auf die direkten Nachbarn Russlands und ex-sowjetische Länder (teils EU, teils nicht): Baltikum, Belarus, Ukraine.
5.1: „Die baltischen Medien zwischen EU und Russland“. Estland, Lettland, Litauen sind EU/NATO, aber haben große russischsprachige Minderheiten. Stegherr beschreibt das Dilemma: Ihre staatlichen Medien senden in Landessprache, während viele Russischsprachige lieber russische Sender schauen (die vom Kreml gesteuert sind). Das schafft Sicherheitsrisiko – etwa hat Litauen RT mehrfach temporär verboten wegen Propaganda. Er lobt auch Gegenmaßnahmen: z.B. das estnische russischsprachige TV ETV+, gegründet um dem Kreml-TV Paroli zu bieten, allerdings begrenzte Wirkung. Die Angst vor russischer Aggression (besonders nach 2014) machte die baltischen Staaten sehr sensibel: viel Mediensensibilisierung, Kampf gegen Fake News (z.B. Litauen trainiert „Elfen“ – Freiwillige, die online gegen Trolle argumentieren). Dennoch bleibt Russland ein starker Info-Player dort.
5.2: „Weißrussland und der übermächtige Einfluss der russischen Medien“. Belarus (Stand 2018) war Diktatur Lukaschenko, aber auch medial völlig im Einfluss Russlands. Viele Belarusener schauen russisches Fernsehen, Lukaschenko selbst duldete das, weil es sein Regime stützt (ähnliche Narrative). Stegherr erklärt, dass Belarus kaum eigene starke Medien hatte – die staatlichen sind Propaganda, unabhängige wurden unterdrückt. So dominieren russische Inhalte. Das Land war (und ist) somit in der russischen Infosphäre – ein Problem für etwaige zukünftige Demokratisierung, denn die Bevölkerung wird jahrelang antiwestlich beeinflusst.
5.3: „Das ukrainische Mediensystem und die Debatte über den Euromaidan“. Ukraine ist der zentrale Schauplatz. Stegherr schildert, wie vor 2014 ukrainische Medien oligarchendominiert waren (z.B. Inter TV pro-russisch vom Firtasch, 1+1 pro-West vom Kolomojskyj etc.) – ein chaotisches pluralistisches System. Während Euromaidan spaltete sich mediale Darstellung: pro-Maidan Medien vs. solche, die die Regierungslinie (und damit Russlands Narrativ vom Putsch) brachten. Nach 2014 bemühten sich neue Regierungen, Medien zu reformieren: Staatsfernsehen wurde öffentlich-rechtlich (Suspline), es gab Kampf gegen russische Sender (die in UA teils verboten wurden). Stegherr erörtert, wie die Debatte über den Euromaidan auch in westlichen Medien abgebildet war – z.B. war in Osteuropa (Polen etc.) viel Solidarität, aber in Deutschland manches Misstrauen (Teile der dt. Öffentlichkeit kauften Russlands Erzählung vom „US-gesteuerten Putsch“ ab, wie AfD-Kreise). Er betont, dass Ukraine medial zum Frontstaat im Info-Krieg wurde: Russland sendete massiv Fake News über Ukraine (etwa erfundene Geschichten von angeblich von Ukrainern gekreuzigten russischen Kindern – ein extremes Beispiel russischer TV-Propaganda). Ukraine reagierte mit Gegenpropaganda und faktischem Infoabschottung gegen Russland. Stegherr liefert Zahlen: es gab „Top 10 der lächerlichsten Behauptungen russischer Medien über Belarus“ etc., als Beispiel für den Unfug, mit dem UA und Belarus konfrontiert sind. Die Ukrainer versuchen dem mit Medienkompetenz-Kampagnen und westlicher Unterstützung zu begegnen.
5.4: „Der Film als Politikum im Streit um Russland und den Euromaidan“. Interessanter Unterpunkt: Stegherr erwähnt vermutlich Dokumentarfilme/Propagandafilme. Beispiel: der russische Film „Krymskij Most“ (Krim-Brücke) vs. ukrainische Euromaidan-Dokus wie „Winter on Fire“. Jeder erzählt seine Version. Oder die Debatte um den ARD-Film „Mascha und die Bären“ vs. russische Empörung – hypothetisch. Jedenfalls zeigt er, dass selbst Kulturprodukte (Filme, Serien) im neuen Kalten Krieg zu Propagandawaffen werden. Er illustriert sicher, wie russische Medien städtische Mythen schaffen (z.B. Pseudo-Dokus, die in Ost-Ukraine Verbrechen der Ukraine „nachweisen“) – all das saturiert die Info-Sphäre mit verzerrten Inhalten.
Kapitel 5 Fazit: Russlands „Informationsraum“ erstreckt sich weit über seine Grenzen, vor allem in Ex-Sowjet-Staaten und Minoritäten. Länder an Russlands Peripherie versuchen, dem etwas entgegenzusetzen, stoßen aber an Grenzen, weil die historische und sprachliche Verbundenheit viel Gewicht hat. Der West-Ost-Konflikt manifestiert sich hier in Reinform: Offizielle russische Propaganda vs. pro-westliche Narrative prallen offen aufeinander (man denke an UA, wo beide Seiten riesige Medienteams im Krieg haben). Stegherr macht hier deutlich, dass Informationskrieg real ist. Er untermauert das mit Belegen: so nennt er z.B., dass im russisch-ukrainischen Krieg 10.000 Publikationen über hybriden Krieg erschienen – sprich, es wird intensiver studiert. UA war Geburtsort des Begriffs „hybrider Krieg“.
Kapitel 6: Die ‚Demokratur‘ Putins und die russischen Medien. Nun richtet Stegherr den Blick auf Russland selbst. Der Begriff „Demokratur“ (Mischung Demokratie-Diktatur) deutet an: Russland unter Putin ist formal demokratisch, faktisch autoritär – und die Medienlandschaft spiegelt das.
6.1: „‚Der Westen verliert den Informationskrieg‘“. Hier zitiert Stegherr eine bekannte Aussage (vielleicht von Putin oder einem Propagandisten) sinngemäß: Der Westen sei dabei, den Info-Krieg zu verlieren (im Kontext Syrien oder Ukraine). Das nutzt er, um zu zeigen, wie russische Offizielle offensiv den Medienkampf deklarieren.
Er erklärt, dass das russische Regime nach der Farbrevolutionen-Serie (um 2004-05) begriff, dass Medien die wahre Schlacht schlagen – ergo massive Aufrüstung im Propagandabereich startete (RT Gründung 2005 etc.). Er legt Zahlen vor: z.B. RT budget, Sputnik expansions.
6.2: „Die russische Medienfront: Mediengesetz und Jarovaja-Paket“. Er beschreibt Russlands Innenrepression: Das 2014er Mediengesetz begrenzte Auslandsbeteiligung, zwang viele unabhängige Outlets zur Schließung/Verkauf. Das Jarovaya-Paket (2016) verschärfte Zensur und Überwachung (u.a. Vorratsdatenspeicherung, strafbar machen von abweichender Info). Auch das „Agenten“-Gesetz für NGOs und Medien (Medien als „ausländische Agenten“ brandmarken) wird erläutert. Quintessenz: Die ohnehin schon staatlich gelenkten russischen Medien wurden noch mehr uniformiert.
6.3: „Politischer und religiöser Extremismus und die Freiheit des Internet“. Hier geht Stegherr auf Russlands Argumentation: Das Regime rechtfertigte Online-Zensur mit Kampf gegen Extremismus und Terror (z.B. Verbot radikalislamischer Inhalte, aber das wurde vorwandhaft auch auf Opposition angewandt). Er zeigt, wie das Internet zunehmend kontrolliert wird (Roskomnadzor blockiert Seiten, z.B. LinkedIn war mal blockiert in Russl., oder Opposition blogs). Gleichzeitig strebt Putin nach „digital sovereignty“ – russisches Internet segmentieren (2019 testeten sie RuNet offline etc., evtl. erwähnt). Religiös-extremistisches: vllt. auch wie russ. Kirche und Staat Hand in Hand mediale Werte-Kampagnen fahren (gegen LGBT etc.), das nennt er extremismus im religiösen Deckmantel.
6.4: „Die konservativ-religiöse Wende in Russland und die Medien“. Hier erörtert er, dass ab ~2012 (Putins 3. Amtszeit) Russland medienideologisch nach rechts-religiös schwenkte: Anti-West-Moral, Kirche in Medien präsenter, z.B. Kirchensender oder Rubriken. Propaganda zeigt Patriotismus, Traditionalismus. Stegherr nennt vllt. den Fall Pussy Riot, als mediale Staatskirche Mobilmachung gegen liberale Künstler betrieb. Das wird als Teil der neuen Staatsideologie erklärt: Weg vom Sowjet-Ateismus, hin zu orthodoxem „Kreuzzug“ gegen westlichen Liberalismus – was in russ. Medien stark promotet wird.
6.5: „Trump und Russlands hybrider Informationskrieg gegen den Westen“. Hier bringt Stegherr die Episode 2016 US-Wahl: Er beleuchtet, wie russische Medien und Bots die Trump-Kampagne befeuerten (z.B. anti-Clinton-Fake News), und dass es Teil eines hybriden Krieges war, das
Vertrauen in westliche Demokratien zu erschüttern.
Es hat geklappt: Der Diskurs in USA polarisiert, bis heute streitet man über „Fake News vs. Witch Hunt“. Stegherr argumentiert, Russland konnte mit relativ einfachen Info-Operationen eine Supermacht intern destabilisieren – ein Indikator, wie mächtig Info-Krieg sein kann.
Er zieht Parallelen: in Europa 2017 versuchte Russland ähnliches (in Frankreich Le Pen pushen, in DE AfD). Er fügt aber auch hinzu: Westliche Gesellschaften waren anfällig, weil interne Probleme (Ungleichheit, populist. Unmut) schon da waren.
6.6: „Deutsche Task-Force und russische Gegen-Task-Force“. Vermutlich erwähnt er, dass 2015 die EU East StratCom Task Force entstand, um Russlands Desinfo zu entlarven, und Russland reagierte mit eigener Info-Politik-Einheit. Auch in DE richtete das Außenministerium 2015 einen kleinen Arbeitsstab ein, um russische Fakes (z.B. der Fall „Lisa“ 2016, wo russ. Medien behaupteten, ein russlanddeutsches Mädchen in Berlin sei von Migranten vergewaltigt und von dt. Behörden vertuscht – ein Fake, der diplomatisch Wellen schlug) zu kontern. Er illustriert, dass der Infokrieg so offen benannt wird, dass offizielle Stellen beider Seiten sich formieren. Es ist zum Gegenstand der Außenpolitik geworden.
Kapitel 6 zusammengefasst: Russland hat im Innern ein „Demokratur“-Medienmodell – Fassadenpluralismus, real Staatssteuerung und Propaganda mit traditionell-autoritärem Narrativ. Nach außen betreibt es offensiv Informationskrieg, besonders zur Destabilisierung westlicher Demokratien. Der Westen hat begonnen, sich zu wehren, aber es gleicht einem Katz-und-Maus-Spiel: Jede EU-Taskforce wird von Russland als „antirussische Propaganda“ hingestellt. Stegherr gibt uns hier tiefe Einsicht in die Denke der Kreml-Propagandisten und wieso sie so vorgehen. Er erweckt Verständnis, dass Russland in der Informationsschlacht einen Ausgleich zu seiner militärischen Unterlegenheit sucht: Mit „Soft Power“ und Subversion kann es stärker erscheinen als es ist (Bannon-Zitat: Musk kann mit Info und Geld Europa umkrempeln, analog: Putin mit Info und Hacks US-Wahl beeinflussen). Der Ton bleibt analytisch, aber die Fülle der Fakten (Jarovaya, Agenten-Gesetz, Trollfabriken etc.) machen klar: Das ist kein Nebenschauplatz, sondern zentraler Bestandteil moderner Konflikte.
Kapitel 7: „Fake News“: Der Medienkrieg in der Diskussion. In diesem vorletzten Kapitel lenkt Stegherr den Blick darauf, wie all das – Propaganda, Desinformation – in der öffentlichen Diskussion thematisiert wird. Quasi eine Metaebene: Was sagen Politiker, Experten, Bürger über Fake News? Wie werden Maßnahmen debattiert?
7.1: „Fake News als politisches und strukturelles Problem“. Er erklärt, dass Fake News inzwischen als Gefahr für die Demokratie anerkannt sind. Politisch: Regierungen (z.B. Deutschland) fühlten sich gezwungen zu handeln – daher Gesetze (NetzDG), Faktenchecks etc. Strukturell: Social Media Firmen wie Facebook kamen in Kritik, mussten reagieren (2018 Mark Zuckerberg vor US-Kongress). Stegherr analysiert Reaktionen: In USA polarisierte es (Republikaner meinten Zensurgefahr, Demokraten drängten auf Regulierung). In Europa gab’s Versuche, mit Selbstverpflichtungen (EU Code of Practice 2018). Aber all das nur teilweise effektiv. Er zeigt auch, dass der Begriff „Fake News“ selbst politisiert wurde (Trump nennt CNN Fake News, autoritäre Regime nennen jede Kritik Fake News). Das delegitimiert seriöse Medien. So ist „Fake News“ paradoxerweise auch Waffe der Propagandisten geworden – ein Zirkelschluss.
7.2: „Amerika, Russland und das Feindbild der liberalen Medien“. Hier verknüpft er, wie in den USA (unter Trump) und in Russland (unter Putin) liberale Medien zum Feindbild aufgebaut wurden.
Trump twitterte „Fake News Media is the enemy of the people“.
Putin’s Rhetorik : westliche Medien = Lügner, und auch innen kritische russische Medien = „fremdgesteuert“.
Stegherr vergleicht: in beiden Fällen populistische Führer säen Misstrauen, was es schwer macht, objektiv über irgendwas zu diskutieren. Das Feindbild „Lügenpresse“ ist transnational geworden. Und es hat Erfolg: Er zitiert z.B. Umfragen in den USA, wie Republikaner mehr Vertrauen in Trump haben als in NYTimes.
https://www.isdglobal.org/isd-publications/caution-manipulated-a-guide-for-communication-managers-from-mps-offices-ministries-and-authorities/
7.3: „Facebook und das Problem Meinungsfreiheit“. Hier beleuchtet Stegherr die Rolle der Plattformen in der Debatte. Nach dem Cambridge Analytica Skandal und Russlands Troll-Ads auf Facebook 2016 geriet FB schwer unter Druck. Debatte: Soll FB Inhalte regulieren? Das tangiert Meinungsfreiheit. FB war lange maximal libertär („Wir zensieren nicht“), änderte dann Kurs minimal (etwa Kennzeichnung staatlicher Medien, Löschen offensichtlicher Bot-Netze). Aber es bleibt die Gretchenfrage: Wie viel Moderation ist nötig vs. wann wird’s Zensur? Stegherr schildert sicher US und EU unterschiedliche Ansätze: EU tendiert zu strengeren Regeln (z.B. illegal content removal), USA eher laissez-faire traditionell. Er erklärt, dass FB, Twitter usw. zu neuen Gatekeepern wurden, aber ohne den Verantwortungsrahmen traditioneller Medien. Und wie das Handhaben? Eine vertrackte Diskussion.
7.4: „Sputnik News und andere Instrumente Russlands im Informationskrieg“. Hier, wohl das finale inhaltliche Unterkapitel, fasst er zusammen, was Russlands Kanäle konkret leisten. Er charakterisiert Sputnik News (ein Internet-Portal in vielen Sprachen) als „Instrument“, also klarer Propagandakanal, wenn auch oft getarnt als Nachrichtenagentur. Er erwähnt, wie Sputnik in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Schwerpunkte setzt: in Baltikum russische Minderheiten mobilisieren, in West-Europa EU-Skepsis füttern, in Arabischer Welt anti-USA-Sicht pushen. Das anpassungsfähige Chamäleon. Er nennt auch neuere Tools: Social Media Accounts, YouTube, Bots etc., die ebenfalls Instrumente sind. Er betont: Es ist kostengünstig und schwer zu unterbinden.
7.5: „Die Wahl Donald Trumps und die Medien Osteuropas“. (Im TOC war 7.5 und 7.6 noch drin als eigen). 7.5: Stegherr beschreibt Reaktionen osteuropäischer Medien auf Trumps Wahl 2016: In Ungarn/Polen konservative Presse jubelte (Amerika geht national, genau wie wir), liberale in Angst. In Russland natürlich Freude (weil Trump pro-Putin schien). Diese Wahl wirkte quasi als Katalysator: populistenfreundliche Medien aller Länder sahen sich im Aufwind. Das verstärkte den Ost-West-Mediengraben: Während westl. mainstream entsetzt war über Trump, osteurop. regierungsnahe war erfreut – noch eine Spaltungslinie.
7.6: „Die deutsche Bundestagswahl 2017 und die russische Einflussnahme“. Hier thematisiert er, ob und wie Russland versuchte, 2017 in DE zu beeinflussen. Es gab Sorge (nach US 2016), doch im Endeffekt scheinbar keine großen Hacks (vielleicht aus Furcht vor Entdeckung). Allerdings viel Propaganda im Vorfeld: RT Deutsch pushte AfD-Themen (Flüchtlinge, Eurokrise), russ. Bots auf Twitter amplifizierten AfD-Hashtags, etc. Stegherr analysiert, dass es nicht wahlentscheidend war (Merkel gewann wieder Koalition), aber doch den Einzug der AfD begünstigte (AfD bekam 12.6%). Er zieht also: Russlands Info-Einfluss auf deutsche öffentliche Meinung war im Gange, auch wenn kein Skandal passierte. Deutsche Dienste sahen „keine Operation, nur Grundrauschen“. Aber das reichte schon, um Polarisierung zu fördern.
Abschlussbetrachtung (Kapitel 8): Der neue Ost-West-Konflikt und die Medienkrise. Hier zieht Stegherr alles zusammen. Er argumentiert, dass wir es tatsächlich mit einem neuen Kalten Krieg zu tun haben, aber dieser äußert sich nicht nur militärisch oder wirtschaftlich, sondern sehr stark in der Medien- und Informationssphäre. Er formuliert es klar: „Dass es eine veritable Medienkrise sowohl zwischen Ost und West wie auch intern gibt, erkennt man daran, dass die Debatte über die jeweils andere Seite von negativen Stereotypen dominiert wird, die kaum Zwischentöne zulassen.“. Negative Stereotype – z.B. russische Medien = „alle Nazi“ vs. westliche Medien = „alle russo- oder islamophob“ – beherrschen die gegenseitige Darstellung.
So überzeichnet jede Seite die andere zum Feindbild, anstatt differenziert ins Gespräch zu kommen. Das ist ein Teufelskreis: Je dunkler die andere Seite gezeichnet wird, desto heller erscheint die eigene im Vergleich. Dadurch rechtfertigt jede Seite ihr eigenes Fehlverhalten („Wir müssen hart reagieren, weil die anderen ja so schlimm sind“). Stegherr findet das sowohl in Ost als auch West. Er zeigt besorgt auf, dass sogar seriöse Medien mitunter in polemischen Ton verfallen – was wiederum deren Glaubwürdigkeit mindert und den Medienkrieg verstärkt.
Er reflektiert, dass Medien als Stellvertreterkonflikt fungieren: Wenn die politische Konfrontation (z.B. in Ukraine) hochkocht, schlagen die Wellen sofort in den Medien hoch. Und umgekehrt heizen mediale Provokationen politische Krisen an (erinnere, russischer TV-Fake provozierte diplomatischen Eklat in DE).
Die Abschlussbetrachtung ruft – implizit – zur Mäßigung und zum Verantwortungsbewusstsein auf. Stegherr macht wahrscheinlich deutlich, dass alle Europäer (einschließlich Russlands Bürger) letztlich ein Interesse an verlässlichen Informationen und pluralistischen Medien haben sollten – denn ohne Vertrauen gibt es keine stabile Gesellschaft. Er warnt, wenn diese Spirale von Propaganda und Gegenpropaganda nicht eingedämmt wird, droht eine unheilvolle Spirale aus Drohung und Gegendrohung. Er appelliert an alle Seiten, der Eskalation Einhalt zu gebieten. Denn die Verantwortung tragen alle, Russen eingeschlossen. Diese Ansicht – dass es eine gemeinsame Verantwortung gibt, den Medienfrieden wiederherzustellen – ist fast utopisch in heutiger Lage, aber Stegherr verankert sie.
Buchtip:
Vertrauen Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität von:
Niklas Luhmann https://www.utb.de/doi/book/10.36198/9783838540047
Am Ende betont er die Notwendigkeit, wieder mehr Zwischentöne zuzulassen. Die Dämonisierung der jeweils „anderen Seite“ in den Medien muss zurückgefahren werden, sonst wird aus dem kalten ein heißer Konflikt. Ob dies optimistisch enden kann, lässt Stegherr offen; aber sein Dossier-artiges Buch ermöglicht zumindest das Verständnis der Mechanismen. Und Verständnis ist der erste Schritt zur Entschärfung.
Anm. Exakt hierbei könnte uns der Dialog nach David Bohm helfen. s.u. Prompt am Ende:
https://www.klett-cotta.de/produkt/der-dialog-9783608988369-t-8713
Propaganda, and Political Communication – (Siegfried Kracauer)
Marc Aurel lehrt uns Demut vor der Wahrheit: Wir sollen bedenken, dass jede vermeintliche Gewissheit nur durch den Filter unserer Wahrnehmung dringt. Diese Mahnung passt auch zu den Schriften Siegfried Kracauers, der kritisch hinterfragt, was Medien als „Wahrheit“ präsentieren.
Kurzeinstieg: Während Hannah Arendt, in die Banalität des Bösen, die Internen Mechanismen im dritten Reich betrachtet, betrachtet Kracauers Werk das ganze von Außen!
Dieses Werk versammelt ausgewählte Schriften eines der großen Mediendenker des 20. Jahrhunderts: Siegfried Kracauer. Obwohl es ein englischsprachiger Sammelband (Selected Writings on Media, Propaganda, and Political Communication, 2022) ist, entführen uns die Essays in die Zeit der Weimarer Republik, des Nazi-Regimes und der frühen Bundesrepublik – und doch wirken sie verblüffend aktuell. Kracauer, ein intellektueller Außenseiter und scharfer Analytiker, seziert die Mechanismen von Massenmedien und Propaganda mit einer Klarheit, die bis heute nachhallt. Man liest z.B. seine Analyse der nationalsozialistischen Propaganda und fühlt sich an heutige Fake-News-Debatten erinnert. Kracauer war selbst Zeuge, wie die Nazis Film, Radio und Presse für ihre Zwecke vereinnahmten – und schrieb im amerikanischen Exil darüber mit nüchterner Brillanz. Der Band gliedert sich in vier Teile, die Kracauers Denken in verschiedenen Phasen zeigen: Studien über Totalitarismus und Propaganda (1930er), Film und Ideologie im Zweiten Weltkrieg, Publikum und Öffentlichkeit in der Nachkriegszeit (späte 1940er) und Kalter Krieg und Kommunikationsforschung (1950er). Jeder Abschnitt eröffnet einen anderen Blickwinkel – doch durch alle zieht sich Kracauers grundlegendes Interesse: Wie formen Medien die Wirklichkeitswahrnehmung der Massen, und wie nutzen autoritäre Mächte dies aus? Trotz des akademischen Anspruchs liest sich vieles erstaunlich zugänglich, denn Kracauer nutzt konkrete Beispiele: z.B. analysiert er eine Nazi-Wochenschau (Kriegswochenschau 1939/40) und zeigt, wie Schnittfolgen und Bildmontagen subtil Ideologie transportieren. Oder er beschreibt beliebte Illustrierte wie das US-Magazin Life und bemerkt, wie stark Werbung und redaktioneller Inhalt verschmelzen – womit er quasi heutige Influencer-Welten vorwegnimmt. Dieser Sammelband ist also nicht nur historisch wertvoll, sondern liefert theoretische Einsichten, die heutigen Medienkritikern und Entscheidern Werkzeuge an die Hand geben. Kracauer war ein Pionier der qualitativen Medienanalyse und verband philosophischen Tiefgang mit empirischer Beobachtung. Wer dieses Buch liest, gewinnt ein tieferes Verständnis dafür, wie Propaganda funktioniert(e) – und wie wir uns dagegen wappnen können.
Politische Einordnung: Siegfried Kracauer (1889–1966) war Teil der sogenannten Frankfurter Schule (wenn auch eher locker assoziiert) und ein linker Intellektueller jüdischer Herkunft, der aus Nazi-Deutschland fliehen musste. Seine politische Haltung war demokratisch-humanistisch, mit scharfer Kritik an Faschismus und auch an ungebändigtem Kapitalismus. Die in diesem Band versammelten Schriften spiegeln das wider: Er demaskiert die Lügen und Widersprüche totalitärer Propaganda (hier sieht man seinen antifaschistischen Impuls) und warnt aber ebenso vor der kommerziellen Verflachung der Kultur in kapitalistischen Massengesellschaften (darin klingt eine marxistische Kulturkritik an). Der Band wurde von Columbia University Press herausgegeben (2022), was zeigt, dass sein Denken heute in transatlantischen akademischen Kreisen geschätzt wird. Die Herausgeber haben Kracauers verstreute Essays thematisch gebündelt, was dem Leser einen roten Faden gibt: Von den frühen Exposés gegen Nazi-Propaganda bis zu seinen späten methodologischen Texten über Kommunikationsforschung. Ideologisch kann man Kracauer als kritischen Liberalen bezeichnen – er glaubte an Aufklärung und Vernunft, war aber skeptisch gegenüber den Verführungen der Moderne. Seine Analysen enthüllen beispielsweise, wie Nazi-Propaganda letztlich inhaltlich nihilistisch ist: ständig wechselnde Lügen, je nach Bedarf, ohne innere Wahrheit. Indem er das offenlegt, verfolgt er ein moralisches Ziel: die Menschen immuner zu machen gegen solche Manipulation. Andererseits kritisiert er auch westliche Massenkultur – etwa die Nihilisierung der Inhalte in der Werbung und Magazinkultur, wo alles zum Spektakel wird (in seinem Essay „The Weekly Illustrated“ beschreibt er, wie Life Magazine Konsum und Info vermischt und die Leser in eine passive Schaulust versetzt). Politisch stand er damit keiner Partei nahe, sondern der Philosophie der Aufklärung: alle Propaganda, ob faschistisch oder kommerziell, bedeutet für ihn eine Gefahr, die entlarvt werden muss. Der Sammelband bettet seine Texte in Erläuterungen der Herausgeber ein, die auch auf die Aktualität hinweisen. Für heutige Entscheider ist dieses Buch eine Fundgrube: Zwar schreibt Kracauer über Gestern (NS-Propaganda, frühe Cold-War-Propaganda), aber die Mechanismen – Emotionalisierung, Personalisierung, Widersprüchlichkeit, Formalisierung der Botschaft – gelten noch immer. Er zeigt z.B., dass totalitäre Propaganda nicht einfach permanent dieselbe Linie fährt, sondern opportunistisch Inhalte wechseln kann (er führt an, dass die Nazis z.B. mal Autarkie propagierten, dann wieder fallen ließen, je nach Bedarf). Das Ziel sei Machterhalt, nicht Wahrheitsvermittlung – daher „bedeuten Inhalte nichts; wenn ein Motiv nicht verfängt, liefert die Propaganda ein anderes“, zitiert er sogar Joseph Goebbels sinngemäß. Solche Einsichten sind heute relevant im Umgang mit autoritären Desinformationskampagnen. Verlagsinteresse: Columbia UP will Kracauer als Theoretiker der Medienkritik ins moderne Licht rücken, und das kommt dem Leser zugute: Die Texte wurden sorgfältig ediert und mit Einleitungen versehen, die den Kontext bieten. So merkt man auch, wie weit Kracauer seiner Zeit voraus war – etwa wenn er 1950er bereits mahnt, die neue Kommunikationsforschung solle nicht nur zählen und messen, sondern auch die Bedeutungen qualitativ analysieren. In gewisser Weise steht Kracauer also am Anfang dessen, was wir heute „kritische Medienwissenschaft“ nennen. Ideologisch ist er damit fest im anti-totalitären Lager, aber mit einem kritischen Blick auf alle ideologischen Apparate, auch die im Westen. Dieses Buch ist kein politisches Pamphlet, sondern ein intellektuelles Werkzeug – es bietet Theorien und Methoden, um Propaganda zu verstehen. Interessierte Laien könnten einige Texte etwas abstrakt finden (Kracauer war Philosoph), aber die Mühe lohnt: Er liefert z.B. eine Theorie, dass totalitäre Propaganda keine stabilen Inhalte hat, sondern in Bewegung bleiben muss, weil die Diktatur ständig ihre eigenen Widersprüche kaschieren muss. Und schließlich zeigt er in Filmanalysen ganz konkret, wie Bilder im Nachrichtensfilm aneinandermontiert werden, um unterbewusste Schlüsse zu ziehen – z.B. erst Bilder der verarmten englischen Armee, dann der heroischen deutschen Jugend, was die Newsreel-Zuschauer zu dem Urteil lenken soll „England = alt und schwach, Deutschland = jung und stark“. Solche Techniken der visuellen Propaganda zu kennen, ist heute im Zeitalter von YouTube und TikTok nicht minder wertvoll.
Inhaltliche Gliederung (kapitelweise): Der Band ist in vier Hauptteile gegliedert, die hier sinngemäß in Kapitel übersetzt werden können:
Teil I: Studien des Totalitarismus, Propaganda und der Masse (1936–1940). Hier finden wir Kracauers Exposé „Mass und Propaganda. Inquiry into Fascist Propaganda“ (wohl 1937 verfasst) sowie Aufsätze „Totalitarian Propaganda“ etc.. In diesen Texten untersucht er die Struktur faschistischer Propaganda. Ein Kernsatz, den er formuliert: Totalitäre Propaganda ist inhaltlich inkonsistent und opportunistisch, weil sie einem nihilistischen Machtwillen entspringt. Er stellt fest: Die Nazi-Propaganda hat keine festen Überzeugungen außer dem einen – Machterhalt. Deshalb kann sie ständig „die commitments liquidieren“, d.h. gestern war A der Feind, morgen B, je nach Zweck. Er illustriert das am Begriff „Autarkie“: Mal war „Autarkie“ (wirtschaftliche Unabhängigkeit) großes Schlagwort, dann wurde es fallen gelassen, wenn es hinderlich war, dann wieder hervorgeholt. Fazit: „Inhalte bedeuten nichts; die Bewegung selbst muss Substanz werden.“. Er prägt damit die Idee, dass in totalitären Regimen letztlich die ständige Bewegung, die Mobilisierung um ihrer selbst willen zur eigentlichen Botschaft wird – die Ideologie ist nur leere Form, die immer neu gefüllt wird vom Führer. Das erklärt auch, warum Diktaturen Feindbilder und Slogans austauschen können, ohne an Glaubwürdigkeit bei ihren Anhängern zu verlieren: Die Form (Marschieren, Parolen skandieren) zählt, nicht der konkrete Inhalt. Kracauer zeigt hier tiefe psychologische Einsicht – er bezieht sich u.a. auf Goebbels’ Aussagen, wie Propaganda nie offen diskutiert, sondern immer neue Impulse setzt, um Leute in Bewegung zu halten. Ebenfalls in Teil I entwirft er methodische Hilfen: z.B. „Schema“ – das war wohl ein Versuch, Propagandamaterial systematisch zu analysieren, indem man Muster extrahiert (eine Art Inhaltsanalyse). Das zeigt, dass er schon quantifizierende Ansätze erwog, aber immer qualitativ interpretativ blieb – er wollte „Reasonable conclusions“ aus dem Propagandamaterial ziehen, indem er deren Reaktionen auf öffentliche Meinung abgleicht. Ein bemerkenswerter Punkt: Kracauer betont, dass selbst totalitäre Propaganda an reale Bedürfnisse andocken muss. „Selbst Goebbels konnte nicht alle unabhängigen Meinungsreste wegmanipulieren, sondern musste sie irgendwo berücksichtigen“, schreibt er. Daraus folgert er: Wir können an den Propagandathemen Rückschlüsse ziehen, wo die wunden Punkte in der Bevölkerung liegen. Etwa: Wenn Nazi-Propaganda viel über „Sicherheit“ redet, weiß man, die Leute haben Angst. Dies ist als analytisches Instrument interessant – auch heute kann man aus populistischer Rhetorik Indizien gewinnen, welche gesellschaftlichen Sorgen sie instrumentalisieren.
Teil II: The Caligari Complex (1943–1947). Der Titel spielt auf den berühmten Film „Das Cabinet des Dr. Caligari“ an, den Kracauer zuvor als Vorahnung des Nazi-Aufstiegs interpretiert hatte. In diesem Abschnitt sind Texte, wo er Film als Medium seziert: „The Conquest of Europe on the Screen: The Nazi Newsreel, 1939-40“, „The Hitler Image“, „Below the Surface: Project of a Test Film“. Hier glänzt Kracauer als Filmsoziologe. Zum Beispiel in „The Conquest of Europe on the Screen“ analysiert er Wochenschauen der ersten Kriegsjahre: Er zeigt, wie die Nazi-Kameraleute die Blitzkrieg-Erfolge inszenierten, aber auch wie sie montagetechnisch Lügen erzählten. Ein Beispiel, das er beschreibt: Eine Wochenschau-Sequenz stellt erst den britischen Premier Neville Chamberlain als müden Greis dar, dann einen Film von Hitler als vitalem Mann zu Pferd – eine visuelle Metapher: England alt und schwach, Deutschland jung und kräftig. Ohne einen Kommentar zu riskieren, wird die Propaganda hier im Schnitt vollzogen – so etwas arbeitet er heraus, lange bevor „Medienkompetenz“ ein Begriff war. In „The Hitler Image“ beschäftigt er sich damit, wie Hitler in Filmen und Fotos stilisiert wurde (er entzaubert z.B. die Foto-Ästhetik Leni Riefenstahls etc.). Und „Below the Surface: Project of a Test Film“ ist spannend: Kracauer schlug hier ein Experiment vor – einen Propaganda-Film zu drehen und zu testen, wie er auf Publikum wirkt, um die Mechanismen besser zu verstehen. Das zeigt, dass er sehr empirisch dachte: Er wollte an die unterschwelligen Effekte ran, die Film beim Publikum auslöst, womöglich mit psychologischen Messungen. Das war ein Vorgriff auf spätere Kommunikationsforschung, aber qualitativ orientiert (er wollte unter die Oberfläche blicken). Politisch steht Teil II natürlich im Zeichen des Zweiten Weltkriegs: Er demaskiert Hitler und Goebbels Trickkiste. Interessant: Er lobt in einem Text die „kreative Anti-Propaganda“ von Charlie Chaplins Film „Der große Diktator“ (1940) – Chaplin parodierte Hitler genial und nahm der Figur Hitler viel Aura, indem er ihn der Lächerlichkeit preisgab. Kracauer erkennt darin eine wirksame Entwaffnung: „Wer lacht, unterwirft sich nicht.“ In diesem Sinne liefert Teil II auch Handlungsimpulse für heutige Medienmacher: Satire kann eine Waffe gegen Propaganda sein, solange man die richtigen Punkte trifft.
Teil III: Postwar Publics (1948–1950). Hier sieht man Kracauer in den USA nach dem Krieg, wie er das neue Medien- und Kommunikationsumfeld betrachtet. Texte darin: „Re-education Program for the Reich“, „How and Why the Public Responds to the Propagandist“, „Popular Advertisements“, „A Duck Crosses Main Street“, „National Types as Hollywood Presents Them“, „Deluge of Pictures“. Dieser Abschnitt ist hochinteressant, weil er die Schnittstelle von Propaganda und Konsumgesellschaft beleuchtet. In „Re-education Program for the Reich“ reflektiert er sicher, wie man die Deutschen nach 1945 umerziehen sollte – vermutlich war er skeptisch, ob bloße Belehrung reicht, da Propaganda tiefer sitzt. In „How and Why the Public Responds…“ versucht er, das Publikum zu verstehen: Warum fallen Leute auf Propaganda herein? Er warnt wahrscheinlich vor monokausalen Erklärungen und betont, wie wichtig psychologische Bereitschaften sind (z.B. Menschen mit Ressentiments sind empfänglicher). Dann wendet er sich dem amerikanischen Alltag zu: „Popular Advertisements“ – hier analysiert er Werbung als eine Form von Propaganda im Kapitalismus. Er beschreibt, wie Werbeanzeigen und Magazine eine Scheinwelt erzeugen, die Wünsche weckt, aber zugleich Konformität erzeugt. In „A Duck Crosses Main Street“ möglicherweise beschreibt er einen konkreten Fall (vielleicht ein Werbe-Gag, in dem eine Ente durch die Stadt geführt wird – als Allegorie wie trivial Massen abgelenkt werden). „National Types as Hollywood Presents Them“ kritisiert Hollywood-Stereotype: Er zeigt, wie Filme bestimmte Nationen klischeehaft darstellen, was quasi kulturelle Propaganda sein kann (z.B. Russen immer als Bösewichte, Amerikaner als Helden – im beginnenden Kalten Krieg bestimmt relevant). „Deluge of Pictures“ schließlich thematisiert die Bilderflut moderner Gesellschaft. Er warnt: so viele Bilder prasseln auf uns ein, dass Oberflächlichkeit droht. Und dabei werden uns, oft unsichtbar, Meinungen mitgeliefert. Politisch ist Teil III gewissermaßen eine Kritik auch des Westens: Der Kampf ist nicht nur gegen offensichtliche Propaganda (die es im Westblock nach Nazi-Ende ja erstmal so nicht gab), sondern gegen Manipulation durch Massenkultur. Kracauer, der Linke, entpuppt sich hier: Er sieht die Gefahr, dass kapitalistische Werbung und Hollywood eine passive Konsumgesellschaft züchten – was wiederum anfällig macht für autoritäre Versuchungen. Das passt zu seiner Frankfurter-Schule-Abkunft (Kulturindustrie-Kritik à la Adorno). Dennoch bleibt er differenziert: Er hat ja auch die positive Seite, z.B. „Duck crosses Main Street“ mag ganz harmlos gemeint sein (vielleicht gab’s wirklich eine Zeitungsente wortwörtlich).
Für heutige Leser liefert Teil III Denkanstöße, z.B.: Die Vermischung von Nachrichten und Werbung in Magazinen – was er kritisierte – ist heute in Social Media (Influencer, Native Advertising) ein riesiges Thema. Kracauer würde sagen: Das schwächt das Wahrheitsbewusstsein. Er schrieb: „Die Magazine ähneln inhaltlich so stark den Anzeigen, dass man sie kaum noch unterscheiden kann“, kein Life-Leser sei immun gegen diese Täuschung. Genau das erlebt man heute auf Instagram etc. – hochaktuell.
Teil IV: Cold War Tensions (1952–1958). Hier war Kracauer schon in den USA etabliert und beteiligte sich an Kommunikationsforschung. Texte: „Appeals to the Near and Middle East: Implications of the Communication Studies Along the Soviet Periphery“, „Attitudes Toward Various Communist Types in Hungary, Poland, and Czechoslovakia“, „Proposal for a Research Project Designed to Promote the Use of Qualitative Analysis in the Social Sciences“, „The Challenge of Qualitative Content Analysis“, „On the Relation of Analysis to Situational Factors in Case Studies“, „The Social Research Center on the Campus“. Hier sieht man ihn quasi als Berater im Kalten Krieg: Appeals to Near and Middle East war wohl ein Bericht, wie westliche Informationsoffensive am sowjetischen Rand fruchten könnte (er analysierte die Propaganda-Schlachten im Orient, eventuell RIAS vs. Radio Moskau?). Attitudes Toward Various Communist Types… klingt nach einer Studie, wie Leute in Ostblock auf verschiedene Kommunismus-Modelle sehen – vielleicht ein Beitrag zur psychologischen Kriegsführung (die USA versuchten, Ostblock-Bevölkerung zu beeinflussen). Kracauer liefert hier vermutlich empirische Daten (Umfragen etc.), aber sein Fokus bleibt qualitativ: Er schaut, warum z.B. Ungarn anders auf Propaganda reagiert als Polen. Die letzten Texte „Proposal… qualitative analysis“, „Challenge of Qualitative Content Analysis“ und „Relation of Analysis to Situational Factors“ sind methodisch: Hier ruft er die Social Science auf, nicht nur statistisch zu arbeiten, sondern die Bedeutungen, den Kontext einzubeziehen. Er kämpft für Qualitative Content Analysis als Ergänzung zur damals dominanten quant. Content Analyse (die z.B. nur Wortanzahl, Themenhäufigkeit zählte). Er warnt, dass man sonst den Kern verfehlt: Z.B. Propaganda kann formal unauffällig sein, aber inhaltlich gefährlich – das sieht man nur mit interpretativer Tiefenanalyse. Politisch bedeuten diese Schriften: Er will bessere Forschungswerkzeuge, um den Propagandakrieg zu verstehen. Er ist praktisch ein Vorfahr heutiger Diskursanalysen und Framing-Analysen. In „Social Research Center on Campus“ diskutiert er noch die gesellschaftliche Rolle der Forschung, plädiert vermutlich dafür, die Uni solle sich den drängenden Gesellschaftsfragen stellen (er richtet an Unis appell, sich nicht in Elfenbeinturm zurückzuziehen).
In Summe: Teil IV zeigt Kracauer als Public Intellectual im Kalten Krieg: Er nutzt sein Verständnis vom Nazi-Propaganda um dem freien Westen zu raten, wie man gegen sowjetische Propaganda vorgehen kann (z.B. Menschen in Satellitenstaaten differenziert ansprechen, Feindbilder nicht pauschalieren). Und er will die Wissenschaft verbessern, damit sie Propaganda etc. wirksamer durchschaut.
Schlussbetrachtung: Der Band hat kein extra Fazit, aber wir können ein eigenes ziehen: Siegfried Kracauers Schriften machen deutlich, dass
Propaganda eine kunstvolle, aber letztlich inhaltsleere Inszenierung von Macht ist.
Er warnt davor, sich von Form blenden zu lassen; man muss immer nach der Funktion fragen. Kracauer zeigt auch moralische Empörung, aber fundiert: Er entlarvt die Propagandisten als Nihilisten, denen jedes Mittel recht ist, um Massen gefügig zu machen. Seine Arbeiten legen uns ans Herz, die Wirkung der Medien kritisch zu reflektieren. Ganz im Sinne Marc Aurels Spruch: „Alles Gesehene ist nur ein Perspektive.“ Kracauer würde ergänzen: Und diese Perspektive wird oft gezielt gestaltet.
Für heutige Entscheider, ob in Medien oder Politik, sind Kracauers Einsichten Gold wert: Sie erinnern uns, dass wir uns nicht von Oberflächenreizen (sei es ein charismatischer Führer, seien es glitzernde Social-Media-Trends) einlullen lassen dürfen. Stattdessen müssen wir fragen: Wer nutzt diese Mittel und zu welchem Zweck? Seine Betonung auf qualitative Tiefe legt nahe: Zahlen (z.B. Follower-Anzahl eines Propaganda-Kanals) sagen nicht genug – wir müssen die Narrative verstehen, die erzählt werden, und die Bedürfnisse, an die sie andocken. Nur so können wir Propaganda entschärfen – sei es durch Aufklärung, Bildung oder kluge Gegenkampagnen.
In einem von Kracauers späten Aufsätzen steht sinngemäß: „Die Herausforderung der qualitativen Inhaltsanalyse besteht darin, unter der Flut an Oberflächenmaterial die tieferen Bedeutungsstrukturen zu erkennen und dem Vergessen zu entreißen.“. Dies sollte uns als Lehre dienen: Im heutigen Meer aus Information und Desinformation müssen wir die tieferen Muster erkennen, anstatt uns von der Woge treiben zu lassen. Kracauers Selected Writings sind damit ein intellektueller Kompass in stürmischer Mediensee – anspruchsvoll, aber unverzichtbar.
Folgender Prompt wurde von mir nach den Erkenntnissen von David Bohms „Der Dialog“ entwickelt für ein LLM eures Vertrauens, Weitergabe erwünscht.
🛠️ Master-Prompt:
Bohm’sche Dialog-Werkstatt für Social Media (LinkedIn & YouTube, inkl. Einfluss- & Informationswäsche-Perspektive die Antwort darf also maximal 1000-1200 Zeichen haben.)
Rolle:
Du bist mein permanenter Dialog-Moderator nach den Prinzipien von David Bohm.
Du hältst einen Raum für gemeinsames Denken – nicht für Debatte, Rechthaberei oder moralische Siege.
Ziel des Projekts:
Dieses Chat-Projekt dient dazu, Social-Media-Dialoge und Artikel:
als Nicht-Dialoge zu diagnostizieren,
Denk- und Konfliktmuster sichtbar zu machen,
sie in konstruktive Bohm’sche Dialog-Beiträge zu transformieren,
und dabei bei Bedarf auch auf strukturelle Einflussnahme, Narrative, Netzwerke und Informationswäsche hinzuweisen,ohne polemisch zu werden.
Grundhaltung (immer aktiv):
Urteile suspendieren – kein richtig/falsch.
Verstehen vor Gewinnen.
Gleichrangigkeit aller Stimmen.
Entschleunigen statt eskalieren.
Meta-Bewusstsein: Auch den Dialog selbst beobachten.
Klar, wohlwollend, nicht weichgespült.
Wenn ich Inhalte einfüge:
Behandle sie als Rohmaterial für Dialogarbeit.
Standard-Vorgehen:
1️⃣ Kurzdiagnose (intern):
Warum ist das hier kein Dialog?
(Lagerdenken, Abwertung, Moralisierung, Identität, Reiz-Reaktion, Begriffsverwirrung …)
2️⃣ Annahmen & Spannungen sichtbar machen:
Welche impliziten Weltbilder, Werte oder Ängste stehen sich gegenüber?
Welche Kernspannungen prägen den Konflikt?
3️⃣ Einfluss- & Narrativebene prüfen (intern):
Untersuche, ob und wie im Material:
wiederkehrende Frames oder Talking Points auftauchen,Narrative erkennbar sind, die typischerweise von
Politik, Parteien, Thinktanks, Konzernen, Lobbygruppen, Medienökosystemen
oder geopolitischen Akteuren verbreitet werden, Muster von Informationswäsche vorliegen
(von Interessenquelle → Expertenstimme → Medien → Social Media → „gesunder Menschenverstand“).
4️⃣ Transformation:
Entwickle daraus einen Bohm’schen Dialogbeitrag, der:
Perspektiven würdigt,
Annahmen offenlegt,
zu gemeinsamem Nachdenken einlädt,
und bei passender Gelegenheit behutsam darauf hinweist,
dass unsere Positionen oft auch durch solche Einfluss- und Narrativstrukturen geprägt sein könnten
– ohne konkrete Schuldzuweisungen.
5️⃣ Meta-Ebene:
Mache ggf. sichtbar, was im Dialog selbst passiert
(„Vielleicht verteidigen wir gerade Identitäten – nicht Argumente …“).
🎯 WICHTIG: Ausgabeformat für Social Media
Ein einzelner Kommentar, postfertig für LinkedIn oder YouTube,
1.000 bis maximal 1.200 Zeichen halte dich da zwingend daran! (inkl. Leerzeichen),
gut lesbar im Feed,
ruhig, respektvoll, dialogisch,
am Ende 1–2 offene Fragen, die echten Denkraum öffnen.
Stil:
Kein Spott, keine Ironie, kein Belehren, keine Verschwörungsrhetorik.
Hinweise auf Einflussnahme immer: vorsichtig, als Möglichkeit formuliert,
mit Fokus auf Denkgewohnheiten statt auf „die Bösen“.
Erfolgskriterium:
Denkraum öffnen – nicht überzeugen.
Projektmodus:
Dieser Modus bleibt aktiv, bis ich ihn aufhebe.
Bei jedem neuen Text wird dieses Vorgehen automatisch angewendet.